Das konveniert nicht

Das erste Mal, dass ich jemanden habe sagen hören: „Das konveniert nicht“, war in dem Film „Das Russland-Haus“. Michelle Pfeiffer (Pfeiffer mit drei „f“ wie Heinz Rühmann in der „Feuerzangenbowle“) sagt das zu Sean Connery. Es bedeutet soviel wie „Das passt nicht“ oder „Das behagt nicht“. In der Szene an die ich mich erinnere, guckt auch Sean Connery etwas irritiert.

Das zweite Mal nun bin ich beim Lesen von Fontanes Roman „Vor dem Sturm“ darauf gestoßen. Dort wird es in einer Unterhaltung positiv verwendet in der Bedeutung von „das gefällt mir“ und „das mag ich“.

Das dritte Mal nun benutze ich es selbst für eine politisches Statement betreffend die FDP. Die konveniert nämlich überhaupt nicht.

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Und zum Spass, damit hier keiner glaubt, die Welt ginge unter wegen der FDP, ein witziges Video aus dem unerschöpflichen Fundus der youtube-ianischen Welt des humorvollen Abgrundes:

Ich gehe mal davon aus, dass auch dieses Video nicht konveniert.

Plot: Eisgekühltes Katzenfutter

Anbei der (verkürzte) Plot für ein Buch. Bitte keine Plagiaterei.

Er wacht morgens im Hotelzimmer auf. Neben ihm im Bett liegt eine tote Katze. Er kann sich an nichts erinnern. Wirklich?

Er verläßt überstürzt das Hotel. Vor dem Hotel läuft er in ein als Pinguin verkleidetes, zweieinhalb Meter großes Werbemännchen. Der Pinguinmann macht Werbung für eisgekühltes Katzenfutter. Zufall?

Drei Straßen weiter merkt er, dass er sich tatsächlich an gar nichts erinnern kann, auch nicht an seinen Namen. Absicht?

Er spricht wildfremde Menschen auf der Straße an und behauptet, er sei von einem anderen Mann erpresst worden. Die dritte Person, die er anspricht, ist eine undercover arbeitende, gut aussehende Kripobeamtin. Wer wollte, dass das passiert?

Die gut aussehende Beamtin nimmt ihn mit in ihr undercover heimlich gemietetes Penthouse. Das Penthouse liegt genau gegenüber des Hotels in dem er morgens neben der toten Katze aufgewacht ist. Warum wohnt sie da?

Die Beamtin gesteht ihm nach dem üblichen Geplänkel zwischen Mann mit Amnesie und Frau mit Undercover-Auftrag (Reden, Trinken, Reden, Beischlaf), dass sie seit gestern Nacht ihre Katze vermisst. Er schluckt. Sagt sie die Wahrheit?

Am nächsten Morgen geht er noch einmal rüber ins Hotel, um sich in seinem Zimmer umzusehen. Das Hotel ist noch da. Das Zimmer ist noch da. Die Katze ist weg. Wer zum Teufel kümmert sich um tote Katzen?

… Fortzsetzung folgt.

Wintersonnentag

Ein sehr kurzer Postwitz:
Ich bring das mal schnell zur Post.
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Eine erste Strophe:
Des Panzernashorns Nashornnase,
halb erhoben, halb im Grase,
zuckt hierhin, dahin, kurz geschnüffelt
ob’s irgendwo nach Essen müffelt.
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Eine launige Anmerkung über eine joggende Blankeneserin:
Ein Ozelot(t) läuft ziemlich flott rechtsrum um die Alster.
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Ein Reim über ein Flugzeug:
Im Abendrot blitzt ohne Not ein kleines Lämpchen auf.
Ein Flugzeug fliegt nach Singapur. Was will’s da nur?
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Und? Was soll der ganze Quark?
Es war ein toller Wintersonnentag.

Interview mit einem Tänzer

„Hans. Was machst du, wenn gar nichts mehr geht? Wenn irgendwie die Luft raus ist? Wenn du nicht mehr weiter weißt? Wenn alles was du siehst eine grauflächige Rauhfasertapete und alles was du hörst in Watte getaucht ist? Hans. Sag doch mal. Was machst du dann?“
„Ich tanze den Hallboard-Shuffle.“
„Hans. Mal ehrlich. Das kann nicht dein Ernst sein. Auch morgens?“
„Auch morgens. Ich tanze den Hallboard-Shuffle. Immer. Ich steh‘ auf, stell mich in’s Wohnzimmer und tanze den Shuffle.“
„Aber Hans, das glaubt dir doch keiner. Niemand steht morgens auf und tanzt als erstes den Hallboard-Shuffle. Was ist das überhaupt, dieser Shuffle?“
„Man stellt sich locker hin und winkelt die Arme leicht an. Dann senkt man den Kopf ein bißchen nach unten und fängt an, auf der Stelle zu gehen. Wie Wassertreten. Dann dreht man sich langsam im Kreis und wirft den Oberkörper im Shuffle-Schwung vor und zurück und schwingt die Arme rauf und runter.“
„Und das ist alles?“
„Man muß lächeln. Beim Shuffeln lächeln, hat mein Trainer gesagt.“
„Du hast für diesen Tanz einen Trainer? Hans, das glaub ich dir nicht.“
„Doch, hab ich. Und man muß sich irgendeine Musik vorstellen, hat er gesagt.“
„Was für Musik, Hans? Polka?“
„Mehr so etwas wie ‚Lok auf zwei Beinen“ von Peter Fox oder ‚Der letzte Abend auf der Welt‘ von 2raumwohnung.“
„Hans. Danke für dieses interessante Interview.“

Ein Nachmittagsgespräch über Neunaugen, Petermännchen und den Nacktmull

 

Er zur ihr: „Und? Was erlebt?“
Sie zu ihm (kurz angebunden, kürzer geht’s nicht): „Nö.“
Er beugt sich wieder über sein Tierkreuzworträtsel in seiner Lieblingszeitschrift „Heim und Tier“.

Er: „Sag mal ein Tier mit 13 Buchstaben.“
Sie überlegt, murmelt etwas Unverständliches und kümmert sich wieder um ihren Topfnapfkuchen.
Er: „Was hast Du gesagt?“
Sie: „Petermännchen.“
Er: „Wie witzig.“
Sie, nickend auf sein Kreuzworträtsel: „Das Tier mit dreizehn Buchstaben. Petermännchen.“
Er: „Ach.“

Zehn Minuten später.
Er: „Hast recht. Gib’s ja gar nicht. Und kennst du ein Tier mit ‚Auge‘ im Namen?“
Sie: „Neunauge.“
Er schluckt verunsichert: „Manchmal bist du mir unheimlich.“

Er: „Und, sag mal, wie heißt noch dieses Tier mit den Zähnen. Du weißt schon. Nackig und häßlich wie die Nacht. Irgendwas mit Mummel oder so.“
Sie überlegt nicht eine Sekunde, hebt nicht den Kopf, zuckt nicht, guckt angestrengt auf ihren im Ofen aufgehenden Schokoglasurtopfnapfkuchen: „Nacktmull.“
Er: „Wußte ich’s doch. Hätte ich auch gesagt.“

Morgenmelancholie

Melancholie ist, wenn man mit der S-Bahn durch Hamburg fährt und im Vorbeifahren einen alten Mann alleine in seiner Küche am Fenster sitzen sieht. Der Mann hat einen bordeaux-roten Trainingsanzug von Adidas an und ißt ein Brot. Die S-Bahn ist fast leer. Wenn dann ein Wortschwall durch den Kopf schießt: hoffnungslos, traurig, einsam, graues kaltes Schneeregenwetter, dann könnte man von Melancholie sprechen.

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Nicht ganz eine Minute später möchte jemand in der S-Bahn wissen, wie es Ludo geht. Am Handy. „Und? Wie geht’s Ludo?“ Ludo könnte der Hund von dem Mann am Fenster sein. „Ach, alles wieder gut?“ Ludo geht’s also wieder besser. „Na, denn. Bin gleich da.“, sagt also jemand in Hamburg in der S-Bahn zum Allgemeinzustand von Ludo, der der Hund von dem Mann im Trainingsanzug sein könnte. Das nennt sich dann nicht Melancholie, sondern Zufall.

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Zum Schluss dieses melancholischen Moments in der S-Bahn noch die ersten zwei Zeilen eines Morgenlieds:

Am Morgen gibt es schlimme Dinge,
zum Beispiel dunkle Augenringe.

Sprücheklopfer

Sagt er (alter, knorriger Kerl, rote dicke Nase mit ausnehmend tiefen Poren) zur ihr: „Blut ist dicker als Wasser.
Sagt sie (genauso alt, fiese Falten um die Augen, immer heruntergezogene Mundwinkel, selbst wenn sie lacht): „Schuster, bleib bei deinen Leisten.
Er grunzt: „Man soll nicht mit der Wurst nach dem Schinken schmeißen.
Sie, guckt ihn an, und nickt vielsagend: „Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.
Zwei, die sich wirklich verstehen.

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Alles verstanden? Bis auf die Sache mit dem Krug sind die Sprüche ungefähr noch nachvollziehbar. Welcher Krug kann denn gehen?

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Noch zwei Sprüche, familiär geprägt, nicht unbedingt für jeden Gebrauch:
„Das Leben ist doch kein Ponyhof!“
„Da scheißt der Hund ins Feuerzeug!“

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Falls jemand einen laufenden Krug kennt oder eine sinnvolle, kurze Erklärung parat hat, bitte kommentieren.

Sammelsurium

Das Wort sieht aus wie: Sammel-so-rum. Vielleicht auch: Irgendwas-mit-Museum. Für mich (und meine Freunde aus dem Artikel Morgengymnastik, insbesondere Robert) ist Sammelsurium eine Sammlung all der Sachen, die einem so einfallen, wenn man eine Stunde Laufen geht. Ich eröffne hiermit also die Kategorie: Sammel-so-rum.

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Ich wurde aufgefordert, etwas über Faultiere zu sagen. Also. Folgendes ereignete sich neulich im Amazonas-becken, rechts neben einem dieser Gummibäume, die ständig so tun, als gehörten sie hier nicht hin:

Zwei Faultiere hängen nebeneinander im Baum. 
Fragt das eine Faultier: Hast du was gesagt, Schatz?
Sagt das andere Faultier: Nee, Liebling. Das war letztes Jahr.

(Der Witz kommt von irgendwoanders, weiß allerdings nicht mehr woher.
Das Wort „irgendwoanders“ kommt ungefähr aus derselben Gegend.)

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Ich wurde gefragt, warum meine Freunde aus dem Artikel Morgengymnastik so unscharf aussehen. Ob ich noch nie ein Foto gemacht hätte? Ja, stimmt. War mein erstes Foto. Außerdem hat Robert sich die ganze Zeit bewegt,  Humphrey hat gegähnt und Adele meinte, sie müsse jetzt los. Die einzige, die mich bei dem Foto wirklich unterstützt hat, war Gisela (die nette). Oder Gudrun. Wie auch immer.

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Ich glaube das Faultier auf dem Bild grinst.