Interview mit einem Tänzer

„Hans. Was machst du, wenn gar nichts mehr geht? Wenn irgendwie die Luft raus ist? Wenn du nicht mehr weiter weißt? Wenn alles was du siehst eine grauflächige Rauhfasertapete und alles was du hörst in Watte getaucht ist? Hans. Sag doch mal. Was machst du dann?“
„Ich tanze den Hallboard-Shuffle.“
„Hans. Mal ehrlich. Das kann nicht dein Ernst sein. Auch morgens?“
„Auch morgens. Ich tanze den Hallboard-Shuffle. Immer. Ich steh‘ auf, stell mich in’s Wohnzimmer und tanze den Shuffle.“
„Aber Hans, das glaubt dir doch keiner. Niemand steht morgens auf und tanzt als erstes den Hallboard-Shuffle. Was ist das überhaupt, dieser Shuffle?“
„Man stellt sich locker hin und winkelt die Arme leicht an. Dann senkt man den Kopf ein bißchen nach unten und fängt an, auf der Stelle zu gehen. Wie Wassertreten. Dann dreht man sich langsam im Kreis und wirft den Oberkörper im Shuffle-Schwung vor und zurück und schwingt die Arme rauf und runter.“
„Und das ist alles?“
„Man muß lächeln. Beim Shuffeln lächeln, hat mein Trainer gesagt.“
„Du hast für diesen Tanz einen Trainer? Hans, das glaub ich dir nicht.“
„Doch, hab ich. Und man muß sich irgendeine Musik vorstellen, hat er gesagt.“
„Was für Musik, Hans? Polka?“
„Mehr so etwas wie ‚Lok auf zwei Beinen“ von Peter Fox oder ‚Der letzte Abend auf der Welt‘ von 2raumwohnung.“
„Hans. Danke für dieses interessante Interview.“

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