Die ideale Welt

„Hallo Hans. Sag doch mal etwas zur idealen Welt. Wie stellst du sie dir vor?“
„Frieden und die Abwesenheit von Fußpilz.“
„Fußpilz. Sehr gut Hans. Bitte weiter.“
„Die ideale Welt wäre eine Welt ohne aufdringliche Werbung. Und ohne Fahrzeuglärm. Mediterranes Klima überall. Delfine vor der Tür und so. Niemand dürfte Flusskrebse essen.“
„Flusskrebse. Prima. Würde es Verbote geben, Hans?“
„Oh, ja.“
„Was würdest du denn verbieten?“
„Interviews und Fototermine.“
„Hattest du schon viele Fototermine, Hans?“
„Nein, noch nie. Aber es könnte ja mal jemand auf die Idee kommen.“

„Hans, nachdem wir das mit der idealen Welt geklärt haben, eine andere Frage. Was wünscht du dir?“
„Ich möchte in Ruhe und gesund alt werden.“
„Ach. Wie alt bist du, Hans?“
„Sechsunddreißig.“
„Na, das ist ja schon ganz dicht dran an ‚alt‘. Hast du irgendwelche Krankheiten, Hans?“
„Fußpilz.“
„Das tut uns leid. Aber auch mit Fußpilz kann man ganz schön lange leben.“
„Wirklich?“

„Zurück zu unserer ursprünglichen Frage, Hans. Könntest du dir eine ideale Welt ohne Politiker vorstellen?“
„Nein.“
„Und mit Politikern?“
„Auch nicht.“

„Gut, also nochmals zur idealen Welt an sich und den Flusskrebsen. Was ist mit denen? Was soll das mit den Flusskrebsen?“
„Flusskrebse gibt es nur in Flüssen. Ich liebe Flusskrebse. Flusskrebse sind meine Freunde.“
„Hast du sonst keine Freunde, Hans?“
„Doch. Petermann, mein Teddy. Der ist auch mein Freund.“
„Sei nicht albern, Hans.“

„Hans, wir danken dir für dieses Gespräch und Grüße an Petermann.“

Am Sabbersee

Also.
Heute für zwanzig Minuten eingenickt auf dem Sofa. Aufgewacht in der Haltung eines Winterigels: Kopf seitlich nach oben verdreht, Mund offen, aus dem Mundwinkel ran (rinntete? ronn? rannte? ran?)  eine Flüssigkeit, die entfernt aussah wie das Innere einer Kokosnuss mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum. Diese Flüssigkeit hatte sich also die letzten zwanzig Minuten in einer kleinen Kissenkuhle gesammelt, romantisch gelegen zwischen Mundwinkel und Kinn. So entstand der Sabbersee.

Am Mundwinkel selbst, dort wo sich der Speichel zu kleinen, grau-weiß getrockneten Krustenstückchen zusammengerottet hat, wird als erstes aufgewacht. Mundwinkel zuckt und bricht einige Stückchen Trockenspeichel, die sich in Zeitlupe in den Sabbersee kullern. Kleine Wellen schlagen auf dem Sabbersee und plätschern leise ans andere Ufer. Droben vom Kissenberge herab läuft ein Staubkügelchen den Hang herunter (und, sobald ausgeatmet wird, wieder herauf). Eine Bergsee-Idylle. Draußen schneit es wie Hölle.

Die Zungenspitze versucht sich aus dem vollkommen (weil offenstehenden) trockenen Mund herauszuwühlen und erspürt ohne Umschweife die Krümelchen am Wegesrand des Mundwinkels hinunter zum Kinn. Aufgeraut, leicht pelzbesetzt dem draußen tobenden Schneesturm trotzend, macht die Zunge sich auf, den Sabbersee zu erkunden. Da bemerken wir das zugeklebte linke Auge. Es grisselt. Das Auge grisselt. Es läßt sich nur halb oder viertel öffnen. Der Blick aus diesem Auge (es ist dasjenige, das oberhalb des verkrümelten Mundwinkels, halb vom Sofakissen verdeckt, auf der Seite des Sabbersees geschlafen hat), der Blick ist neblig, verschwommen, grau in grau. Vergrisselt eben.

Das Letzte, was das vergrisselte Auge vor dem endgültigen Aufwachen erkennt, ist eine Zungenspitze, die, einem eleganten Schwimmer gleich, in das wohltuende Nass des Sabbersees eintauchen und Schimmhallen-geübt ihre Bahnen ziehen will. Das Erste, was der Kopf dazu sagt, ist: „Oh, mein Gott. Wie eklig ist das denn?“

Es lebe der Sport

„Hans! Jippi! Es ist Olympia!“
„Ja?“
„Was sagst Du denn nun zu Olympia?“
„Ich habe Rücken. Oben. Dritter oder vierter Wirbel. Höllisch, kann ich nur sagen.“
„Juppsdi, Hans, Olympia. Es lebe der Sport. Und die Biathletinnen.“
„Die Biathletinninninnen.“
„Howdie, Hans, rauf auf die Piste. Die Rodler kommen.“
„Und Achillessehne. Rechts. Vom Laufen.“
„Was soll der Griesgram, Hans. Die Frauen fahren die Berge runter als gäb’s kein Morgen mehr. Sag doch mal Hans. Hast Du das gesehn?“
„Matschauge. Hab‘ ich auch. Links ein Matschauge. Muss ein Eisschneekristall gewesen sein.“
„Und die Skeletonies, Hans, denk doch auch mal an die.“
„Skeletonisten und Skeletonistinninnen. Runter die Bahn. Fünf Zentimeter die Nase überm Eis. Hatte ich schon erwähnt? Bin ausgerutscht beim Laufen. Auch auf die Nase.“
„Juchuh und Juchee, Hans. Glücklich die Goldmedalliengewinner.“
„Und Gewinnerinninnen. Der Arzt hat gesagt, dass ihm die Nase nicht soviel Sorgen macht wie der Fußknöchel. Der sei ja richtig schön kaputt. Vom Laufen, sag ich. Das ist alles kaputt vom Laufen.“
„Und die Sänger und Sängerinnen, bei Olympia, Hans. Das muss dir doch gefallen. Nationalhymne und so. Das findest Du doch toll, oder Hans?“
„Ich habe auch Husten. Und Schnupfen. Und Heiserkeit. Übelkeit und Hitzewallungen. Kalte Füße, heißen Kopf. Meine Mutter sagt immer, das muss umgekehrt sein.“
„Hallodridrü, Hans. Die Curling-Schlacht jede Nacht ab elf. Guckst Du die etwa nicht?“
„Kniescheibe. Vor der Nase kommt die Kniescheibe. Bremst den Sturz wie wahnsinnig. Hilft aber auch nichts. Der Doktor meint, das wächst wieder zusammen. Ist nicht schlimmer als die Bänderdehnung rechts am Arm.“

„Hans, mal im Ernst. Was ist dein Olympia-Lieblings-Verliererspruch?“
„Es hat halt nicht sollen sein.“
„Und welcher noch?“
„Na gut. Ich glaube, Rudi Völler hat in seiner aktiven Zeit jede Niederlage mit ‚Na gut‘ begründet. ‚Na gut, wir haben verloren. Aber die anderen waren eben besser.“

„Danke, Hans für das Gespräch. Und laß endlich deinen Arm eingipsen. Das sieht ja furchtbar aus.“

That Angeled Look Is In Your Face

„That Angeled Look Is In Your Face“ ist die erste Zeile aus dem Song „Take Me Back In Time“ von Idlewild. „Du guckst so angeengelt, mein Schatz. Sag doch mal, was ist Dein Begehr?“ Angeengelt ist ab sofort mein Lieblingswort.

…………

Apropos angeengelt.
Was ist eigentlich aus Uschi geworden? Ihr wißt doch, Uschi, die eine von den drei Africola-Nonnen. Die mit „Sexy-Mini-Super-Flower-Pop-op-Cola – alles ist in Afri-Cola“.  Uschi ist die verhuschte Nonne rechts. Angeengelter kann man ja wohl nicht gucken.

Tüttelchen beschreiben

„Beschreiben Sie bitte Tüttelchen.“
„Also, da macht man so, bevor man das Wort sagt, und nichts, wenn das Wort zu Ende ist.“
„Aha.“
„Mit den Fingern macht man das.“
„Und wie würden Sie ihre Finger beschreiben?“
„Na, so. Gucken Sie doch mal. Beide Hände etwas nach oben, Zeigefinger ausgestreckt und Winke-Winke.“
„Mit der Hand?“
„Nee, nicht Winke-Winke mit der Hand. Mit den Zeigefingern. Gleichzeitig. Und so gucken müssen Sie dann auch noch.“
„Wie jetzt? Was denn gucken?“
„Na, so. Sie heben die Hände, Zeigefinger, Winke-Winke und einmal Zwinkern. Dann haben Sie’s schon fast.“
„Was fehlt denn noch?“
„Das Wort natürlich und der verzogene Mund.“
„Mund? Keiner hat mir was von Mund gesagt. Muss ich jetzt auch noch was mit dem Mund machen?“
„Das machen Sie alles gleichzeitig, in einem Aufwasch sozusagen. In einer fließenden Bewegung.“
„Fließende Bewegung, aha. Ahnte ich schon.“

„Jetzt üben wir das noch mal. Sie sagen jetzt ein Wort und dann machen Sie Tüttelchen.“
„Also zuerst das Wort und dann die Tüttelchen?“
„Entschuldigung, Entschuldigung. Umgekehrt natürlich. Also, irgend ein Wort und los.“
„Äh.“
„Ja?“
„Welches Wort denn?“
„Na irgendeins. Denken Sie sich eins aus.“
„Na gut, dann nehme ich, äh, sach mal schnell, vielleicht, wie wär’s denn mit…“
„Mein Gott. Nu machen Sie schon. Sie sind gleich dran.“
„Hund. Ich nehme Hund.“
„Ok, von mir aus. Sagen Sie Hund in Tüttelchen.“
„Hund.“

„Sie haben die Tüttelchen vergessen.“
„Tschuldigung. Kann ja mal vorkommen. Also.“
„Hund.“
„Prima. Kam sehr gut rüber. Vielleicht die Tüttelchen noch ein bißchen fließender. So mehr als würden Sie was in Tüttelchen sagen. Verstehen Sie?“
„Hund.“
„Gut. Damit können Sie auftreten. Und nicht vergessen. Sobald Sie zu Hartz IV oder Assozial kommen, kommen die Tüttelchen.“

Throwawayism

Die Firma Iittala (2 i, 2 t, 1 l, 2 a – was auch immer das für einen tieferen Sinn hat) nennt auf ihrer Webseite und in der Werbung als ihre Firmenphilosophie den Sinnspruch: Against Throwawayism. Das bedeutet meiner Meinung nach etwas wie „Gegen Wegwerfianismus“ oder „Gegen Werf-es-doch-einfach-weg-und-kauf-es-neu-mismus“. Das gefällt mir. Allein das Wort hat schon so einen super Klang, wenn man es aussprechen kann. Oder schreiben. Oder verstehen.

 …………

Als Alternative zum Wort Throwawayism wären die Houyhnhnms zu nennen,  eine intelligente Pferderasse, auf die Gulliver (der mit den Liliputanern) im letzten Teil seiner Reise trifft. Die Houyhnhnms mag ich, weil man sie irgendwie überhaupt nicht aussprechen kann. Die Menschen werden von den Houyhnhnms übrigens Yahoos genannt. Die Houyhnhnms beherrschen in Gullivers Reise die Yahoos, weil die Houyhnhnms intelligent und die Yahoos weniger intelligent sind. Zuhause bei Gulliver, behauptet er, sei es umgekehrt. Vielleicht ist dies auch der Grund, warum Google erfolgreich und Yahoo weniger erfolgreich ist.

…………

Nebenbei erwähnt: Die Webseite von Iittala basiert auf Lotus Notes Domino, was man daran erkennt, das in der URL ein „.nsf“ auftaucht, woran man wiederum erkennt, dass der Schreiber vom vierten-Stock-Blog sich auskennt.

Nachträge und Musik

Hier noch ein Nachtrag zu unserem gestrigen Gespräch mit Hans über Perfektion.
„Hans. Wir haben vergessen, Dich noch nach den perfekten Worten zu fragen. Fallen Dir da vielleicht welche ein?“
„Würgen, Würgemale und Würgeschlange würde ich sagen.“
„Danke Hans. Vielen Dank.“
„Gürtel und Ranzen. Mein absolutes Lieblingswort ist Ranzen.“
„Danke Hans, das genügt uns.“
„Und natürlich: Proporz. Das mag ich auch. Ich finde fast alle Wörter, bei denen man sich irgendwie fast übergeben muss, sind perfekte Wörter.“
„Wir gehen jetzt, Hans. Du bist schon etwas seltsam, dass weißt Du doch, oder?“

………

Lieblings-CD der Woche: „Post Electric Blues“ von Idlewild. Davon die Lieder „(The night will) bring you back to life“ und „Take me back in time“.

Von Idlewild gibt es ein paar Videos bei YouTube (leider keines der obigen Lieder, die sind von der aktuellen CD). Ein etwas älteres, sehr schönes ist dieses hier:

Gespräche mit Hans: Über Perfektion

„Hans. Wie ist es Dir seit unserem letzten Gespräch ergangen?“
„Gut soweit. Worüber hatten wir noch gesprochen?“
„Über Tanzen, Hans. Erinnerst Du Dich?“
„Ach ja, der Hallberg-Shuffle. Über was wollt ihr denn heute sprechen?“
„Über Perfektion, Hans. Hast Du dazu eine Meinung?“

Hans überlegt eine Weile.
„Perfektion ist erstrebenswert, Perfektionismus überflüssig.“
„Meine Güte, Hans, da hast Du uns aber einen denkwürdigen Satz hingelegt. Hast Du Dir das selbst ausgedacht?“

Hans ist ein bißchen beleidigt.
„Ich finde nicht, dass man in allem und jedem Perfektion erreichen muß. Manchmal reicht auch schon die Hälfte oder ein Viertel vom Ganzen.“
„Sagt Dir das Wort ‚Deko-Pfusch‘ etwas, Hans? Kannst Du damit etwas anfangen?“
„Na, klar. Vorne Hui und hinten Pfui. Hauptsache es sieht gut aus. Von hinten kann das ruhig schräge angenagelt, schlecht geklebt oder hastig angetackert sein, kein Problem. Das Aussehen, das was man sieht, zählt.“
„Du gehst ja ganz schön forsch ran, mein lieber Hans. Kannst Du uns ein Beispiel geben?“

Darauf hat Hans anscheinend gewartet. Er nickt und richtet den Oberkörper auf. 
„Ich kann ein Gedicht.“
„Ehrlich Hans? Damit haben wir jetzt nicht gerechnet. Ein richtiges Gedicht?“
„Na, nicht richtig perfekt, aber eben auf dem Weg dahin.“
„Dann lass es uns mal hören.“

„Warum kommt bei grüner Zahncreme weißer Schaum?
Warum pinkelt der Hund genau an diesen Baum?
Warum ist die Banane krumm?
Und warum bin ich so dumm?“

„Toll Hans. Ein tolles Gedicht. Prima. Da freun wir uns richtig.“
„Ja, perfekt war es leider noch nicht. Aber daran arbeite ich.“

„Zum Abschluss unseres Gesprächs noch eine letzte Frage, Hans. Sag uns doch bitte einmal, was Du für perfekt hältst.“
„Zahnspangen. Schönheitsoperationen im Gesicht von 70-jährigen Millionärsgattinen. Regierungspolitiker.“
„Du hälst Regierungspolitiker für perfekt? Hans, das ist nicht Dein Ernst.“
„Also, äh, vielleicht halb perfekt.“
„Hans, nicht lügen.“
„Ok. Viertel. Ich halte sie für ein Viertel perfekt.“

„Danke Hans für dieses Gespräch. Und wir freuen uns darauf, wenn Du uns beim nächsten Mal erklärst, was ein ganz perfekter Regierungspolitiker so macht.“

Allerlei Suchergebnisse

Suchergebnisse I
Lindsey Vonn, Weltklasse Ski-Läuferin, Olympia Medaillenanwärterin ist krank zu den olympischen Winterspielen gereist. Sie wäre aber, so stand es heute nachmittag im ZDF Videotext zu lesen, zu 62,5 % wieder fit.

Was für ein Glück. Man stelle sich vor, sie wäre nur zu 61,275 % oder womöglich 60,974 % fit. Das wäre dann aber nicht ok gewesen.

…………

Suchergebnisse II
Falls mal jemand ein „Dass“ kaufen möchte.

…………

Suchergebnisse III
Oder falls jemand wissen möchte, wie das so war bei Amazon, gestern.

…………

Suchergebnisse IV
Hat jemand ein abgerissenes Hemd? Bei Ebay gibts Hilfe.

Kein Liebesgedicht, wirklich nicht

Ich steh im Schatten, du im Licht,
ich die Kür und du die Pflicht.

Super Anfang.

Ich sehe dich
und liebe mich.

Äh…

Gymnasiallehrerin, gutaussehend und belesen,
das wär‘ es doch gewesen.
Zu sehen morgens im Bad im Spiegel:
Ich der Hase, du wie’n Igel.

Oh, Sorry.

Am Wochenende ein Brot mit Butter
bei meiner lieben Schwiegermutter.
Da denk‘ ich voller Leidenschaft
an Mord und Untersuchungshaft.

Also wirklich.

Ich trage ein Hemd, Modefarbe Mauve.
Du guckst es an und findest es doof.
Kaum trag‘ ich eins in Flieder,
meckerst Du schon wieder.

Ach.

Mich beschäftigen Sport und wichtige Dinge,
du willst, dass ich den Müll rausbringe.

Isso.

Mein Gott, was für ein Idiot!
Ein schlechtes Liebesgedicht war sein Tod.