Was für einen Tag hätten Sie denn gern?

„Einmal einen Tag im Hochsommer, bitte. Mitte oder Ende August auf dem Land. Ein Tag bei dem schon morgens beim Aufstehen klar ist, dass es heiß werden wird, sehr heiß. Eine nicht-schwüle Hitze, um mit einem Detail zu beginnen. Das hätte ich gerne.“

„Ach?“

„Ja. Kein Windhauch, wabbernde Luftschwaden beim Blick hinüber zum Horizont, der aussieht, als wäre die Fata Morgana soeben erfunden worden. Vielleicht ein Kamel in der Wüste, ganz am Ende, da wo Himmel und Wüste aneinanderstoßen.“

„Ein Kamel?“

„Eine Hitze, die einem das Atmen unerträglich macht, weil man meint, die Lungenbläschen müßten eigentlich schon kochen. So ein Tag an dem man nicht wirklich schwitzt, weil der Schweiß, kurz nachdem er seine Heimatpore verlassen hat, mit einem Zischen einfach verdampft.“

„Zischen?“

„Ja doch. Hochsommer auf dem Land und ein Tag, der sich dadurch auszeichnet, dass sich Erwachsene nur bewegen, wenn es wirklich und absolut notwendig ist. Und die Kinder haben, wenn nicht sowieso gerade Ferien sind, vollkommenes und immerwährendes Hitzefrei. Sie verbringen den Tag an einem See, in einem Planschbecken, mit einem Gartenschlauch unter den Hollunderbüschen, einem Eimer Wasser, einem Glas voll eisgekühlter Zitronenlimonade. Und sie wissen, dass dieser Tag niemals zu Ende gehen wird.“

„Wie rührend.“

„An solch einem Tag Ende August ist die Luft so aufgeheizt, dass man versucht ist, ein Ei in die Höhe zu werfen, mit dem Hintergedanken, es käme als Spiegelei wieder herunter. Es ist so trocken, dass das Gras zu unseren Füßen knistert und knastert, wenn man es nur ansieht. Und wenn jemand mit den nackten Fußsohlen auf das Gras tritt, zerfällt und zerbröselt es, als hätte es niemals saftig-grünen Rasen gegeben.“

„Gras. Fußsohlen. Knistern und Knastern?“

„Und über die Mittagszeit hin, kurz vor dem Hitzehöhepunkt des Tages, so gegen drei Uhr nachmittags, hört man nicht den kleinsten oder klitzekleinsten oder winzigsten oder leisesten Laut von irgendwas oder von irgendwoher. Bis auf die einsame Grille, die beim Schaben ihrer Hinterbeine einen Lärm veranstaltet, als befände man sich unterhalb von Bauer Hinrichs Trecker.“

„Jetzt auch noch ein Trecker?“

„Es ist mittlerweile so heiß, dass einem ein kalter Schauer über den Rücken läuft, wenn man nur an etwas Kaltes denkt oder wenn man von jemand anderem angeatmet wird. Jeder gähnt bei dem Gedanken an ein kühles Getränk, die Trägheit der Nachmittagshitze hindert am Suchen danach. Es ist so unglaublich warm, dass es um einen herum flirrt und flimmert, als befände man sich innerhalb und nicht außerhalb des Backofens. Die Idee, an diesem Hochsommertag etwas anderes zu essen als nichts, gar nichts oder Rote Grütze mit kalt Milch, läßt einen erschauern. Solch einen Tag hätte ich gerne, bitte.“

„Ich auch. Aber Du gehst jetzt raus zum Eishacken, Schatz. Der Bürgersteig muß heute noch frei werden“

2 comments on “Was für einen Tag hätten Sie denn gern?

  1. firstfloorfan sagt:

    danke! danke auch! ich hatte sie für einen klitzekleinen Augenblick nicht mehr gespürt: die quälende Sehnsucht nach Sommer.
    Aber, – du genialer Winterblogbetreiber, der du offensichtlich (und auch ein wenig überraschend für mich) fähig zu echter Leidenschaft – , ich bin dir nicht böse! spätestens morgen lasse ich den ganzen Reine Wolle Lammfell An- und Unterziehkram weg! Wahre Wärme wärmt von innen. Nogger oder Split?

  2. schindelschwinger sagt:

    mama berlin backt stein und benzin! wir spüren deinen duft, wenn wir um die häuser zieh’n..

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