Hamlet kann mich mal

Hubert, der wenig freundliche Kleingartenbesitzer aus der Kolonie „Schöne Freiheit 1954“, hasste die Blumen in Nachbars Garten, Kinder und Hunde. Sein Lieblingsspruch war: „Hamlet kann mich mal!“ Hamlet, eine vierjährige, grobschlächtige und sehr häßliche Bulldogge, gehörte dem Vorsitzenden der Gartenkolonie. Kleine und große Geschäfte erledigte Hamlet mit Vorliebe in Huberts Garten.

Hubert hatte in Bezug auf Hunde ähnliche Ansichten wie W.C. Fields, der berühmte amerikanische Filmkomödiant. Hubert sah auch genauso aus wie W.C. Fields, der neben Hunden und Kindern auch Frauen und Bankiers aus Herzenslust hasste. Hubert dachte tatsächlich manchmal, er sei W.C. Fields.

Wenn Hubert versuchte, Hamlet durch eine mit Scherben versetzte Teewurst um die Ecke zu bringen, was ihm nicht gelang: Hamlet fraß die Teewurst zähneknirschend und liebevoll schmerzfrei, dann war er nicht W.C. Fields. Er besaß auch nicht dessen spezifischen Humor. Hubert war ganz und gar nicht witzig, W.C. Fields schon.

Abends, wenn Hubert alleine in seinem Schrebergartenhäuschen saß, weil alle anderen beim Vereinshäuschen einen Grillabend feierten, zählte Hubert die Witze auf, die er kannte. In der Regel kannte er drei, manchmal auch vier. Die fasste er sich dann kurz zusammen. Einen solch amüsanten Abend beschloss Hubert immer mit seinem Lieblingsspruch: „Hamlet kann mich mal!“ Während er das sagte, schüttelte er wütend seine geballte Faust in Richtung Vereinshäuschen und den Rest der Welt, der irgendwo da hinten sein musste.

Soweit bekannt ist, hat W.C. Fields nur Witze erzählt, wenn auch jemand zuhörte.

Duck-and-Cover

„Hallo Hans, bist du da?“
„Ja.“
„Danke für die Information. Wo bist du denn?“
„Hier unten.“
„Was machst du denn unter dem Tisch, Hans?“
„Na, was schon?“
„Du suchst nach Mikroorganismen, die das letzte Mittagessen überlebt haben?“
„Nein.“
„Du willst wissen, wie dein Tisch von unten aussieht?“
„Auch nicht. Ich teste Duck-and-Cover.“
„Du erstaunst uns immer wieder, Hans. Was ist denn Duck-and-Cover?“

„Duck-and-Cover ist ein Kinderfilm aus dem Amerika der fünfziger Jahre. Da wird Kindern von der Schildkröte ‚Bert-the-Turtle‘ beigebracht, wie man sich sinnvoll bei einer Atombombenexplosion schützt.“
„Hans? Ist alles gut bei dir?“
„Noch ja. Es sind ja noch keine Bomben gefallen, oder?“
„Warte, wir gucken mal kurz aus dem Fenster. Nein, Hans. Keine Bombe bisher.“
„Man weiß ja nie. Die werden jetzt ja ganz viele davon wegschmeißen.“
„Hans, laß uns doch bitte an deinen Gedanken teilhaben. Was heißt Duck-and-Cover, wer sind ‚Die‘ und was schmeißen sie weg?“

Duck heißt ducken, Cover meint irgendwas mit unterm Tisch oder so. ‚Die‘ sind die Amerikaner und die Russen. Und die schmeißen ja jetzt ihre Atombomben weg.“
„Hans, hälst du dich für paranoid?“
„Frag das mal lieber Bert-the-Turtle. Ich bleibe jedenfalls hier unten.“

Huberts Hologramme

Hubert hat keine Hologramme. Hubert weiß gar nicht, was Hologramme sind oder was man mit ihnen machen könnte. Hubert ist Kleingartengärtner im Kleingartenverein „Schöne Freiheit 1954“. Und Hubert ist das unbeliebteste Mitglied des Vereins. Fast alle anderen Mitglieder hatten schon die Absicht, Hubert um die Ecke zu bringen. Oder ihm aus Versehen mit einer Motorsäge den Kopf abzusägen. Oder mit E605 einen Kaffee zu kochen. Oder etwas ähnliches.

Warum?

Aus zwei Gründen. Der erste Grund ist einfach, aber vollkommen unverständlich. Immer zum Frühlingsbeginn rennt Hubert nachts durch die Kleingartenkolonie und schnibbelt mit einer Gärtnerschere allen Bäumen, die er erreichen kann, die ersten jungen Triebe und Knospen ab. Alle Knospen eines Gartens legt er den jeweiligen Besitzern zu einem kleinen Haufen geschichtet vor die Kleingartenvereinschreberlaube. Kein Mensch weiß warum Hubert das tut. Nur dass er es tun, das wissen alle.

Der zweite Grund, warum sich manchmal am Wochenende der gesammelte Kleingartenverein erregt, ärgerlich und aufgebracht vor seiner Gartentür trifft, ist Bob Dylan. Hubert ist ein echter Fan und hört gerne „Like a Rolling Stone“ zweihundert Mal hintereinander so laut es geht. Von morgens bis abends.

Wenn Hubert gefragt wird, warum er das macht, also das mit den Knospen und das mit dem Lied von Bob Dylan, behauptet er, er hätte keine Hologramme. Diese Begründung empfinden die meisten seiner Kleingartenvereinmitbewohner als fast noch schlimmer, als die Dinge, die er tut.

Alptraum mit Paranuss und Wandschrank

Ich hatte mir vor einigen Jahren einen Alptraum ausgedacht und der ging so…

Niemand ist eine Insel, niemand ein Wolkenkratzer und niemand ein brauner Wandschrank in einem roten Tretboot in den weiten Fernen des atlantischen Ozeans. Und doch sitzt ein gelangweilt aussehender Wandschrank genau in diesem Moment in einem Tretboot auf dem besagten Ozean und versucht einer Paranuss mit seinem Wandschrankscharnier die Schale zu knacken. Der dreiundzwanzigste Versuch gelingt.

In der Paranuss liegt ein kleiner Zettel auf dem in Sanskrit die Zahl 2422 steht. Da der braune Wandschrank zufällig Sanskrit und Mathematik beherrscht, versteht er den Hinweis augenblicklich. 24 plus 22 ist 46 und 46 durch zwei ist 23, genau die Zahl, die zwischen 24 und 22 fehlt, und genau die Anzahl der Versuche, die benötigt werden, um eine Paranuss an einem Wandschrankscharnier aufzuknacken. Jemand, der eine Paranuss nach zwei Versuchen mit einem Nussknacker öffnete, hätte den Hinweis nie verstanden.

Weniger gelangweilt fängt der braune Wandschrank an die amerikanische Nationalhymne zu summen, wobei er versucht so auszusehen wie Jimi Hendrix einst in Woodstock. Die Paranuss beginnt im Hintergrund den Basslauf zu intonieren, kommt jedoch beim Refrain jedes Mal ins Schleudern, weil sie von einem anhaltendem Sodbrennen gequält wird. Das rote Tretboot erinnert sich derweil seiner sozialistischen Vergangenheit, streckt einen der Paddel zur Faust gereckt in die Höhe und brüllt die erste Strophe des Liedes „Brüder zur Sonne, zur Freiheit“.

Der französische Koch im hinteren Teil des Bootes unterhält sich mit dem weißen Hai über Nouvelle Cuisine und verdrängt das erste Mal in seinem Leben den Gedanken, er sei Paul Bocuse. Käpt’n Ahab, Napoleon und Gulliver unterhalten sich derweil über die wahre Größe der menschlichen Existenz, die bekanntlich nicht in der Länge liegt, während Albert Einstein und Arnold Schwarzenegger über Robert Redford herziehen. Beide sehen ungeheuer glücklich aus, und es macht sie noch glücklicher, dass ihrer beider Vornamen mit A anfangen. Was wäre, wenn sie beide mit B anfingen: Blbert und Brnold die siamesischen Zwillinge?

Zweitausend Meter unter ihnen, in einem russischen Atomunterseeboot, diskutiert der russische Kapitän mit einem Schwertfisch über die Qualität von schwarzem Afghanen, wenn man ihn mit einer Prise Strychnin verlängert. Sie machen einen der wenigen Selbstversuche, den Timothy Leary ausgelassen hatte, und verräuchern das Schiff. Im Vollrausch entschärfen sie alle Atomsprengköpfe und bereiten die feierliche Übergabe einer Tüte Kartoffelchips an den Präsidenten der Vereinigten Staaten vor. Von der russischen Kommandozentrale kommt der Befehl, ein wenig von dem Rauschgift unter dem Nordpol hindurch nach Hause zu bringen, denn dort herrsche mal wieder akuter Mangel.

Mangelbewusstsein, Bewusstsein der Ermangelung, das Sein, das Etwas und das Nichts, das In-die-Welt-geworfen-Sein-und-nicht-wieder-rauskommen, Hegel, Kant und Metternich, Krokodilledertaschen, Froschschenkel, Schildkrötenflossensuppe und Nashornhörner – etwas Anderes kommt Einstein nicht in den Sinn, als er begreiflich zu machen versucht, wie er seine Thesen verstanden haben möchte. Nach einer Weile bemerkt er die Verwechslung mit den ökologisch orientierten Gedanken von Callenbach, Postman und Irving.

Irving hat, nachdem der französische Koch sein erstes ungarisches Gulasch zustande bringt, den Mut verloren noch einmal auf den Berg Ararat zu steigen, um diese blöde Arche zu suchen. Postman prostet ihm mit der letzten Flasche Champagner zu und springt in einem Anflug von sexueller Aktivität dem Weißen Hai auf die Flosse. Callenbach träumt ununterbrochen von einer hyperaktiven Solarzelle, die in der Lage sein müsste, selbst Einstein zum Schweigen zu bringen. Innerlich ringt er mit dem Gedanken, Postman hinterher zu hüpfen, äußerlich gibt er sich gelassen. Sein sexuelles Trauma ist das Verhältnis zu seiner Großmutter, die er in unzähligen Alpträumen nachts im Schlafzimmer besuchte, um das Geheimnis des Ödipuskomplexes auf ökologische Weise zu lösen. Er hat nie darüber gesprochen, was er mit seiner Großmutter gemacht hat.

Der braune Wandschrank indessen feuert die Paranuss, das Tretboot und sich selbst an, mit vollen Kräften den fliegenden Holländer zu besingen. Im Grunde seines Herzens sehnt er sich jedoch zurück zu jener alten Jugenstilkommode, die er einmal in Paris beim Besuch des Herrenendspiels im Tennis kennenlernte. In der Vip-Lounge hatten sie dann ein kleines Tête-à-Tête, welches in gemeinschaftlichen Juchzern endete.

Sex, Sex, Sex denkt Arnold Schwarzenegger ununterbrochen. Sex, Sex, Sex denken Callenbach, Postman und Irwing andauernd. Welt, Wissen, Wasser, Wams und Warme Socken denkt Albert Einstein.

Das also war die damalige Idee zu einem Alptraum. Heute würde ich das sicherlich ganz anders erfinden.

Unsentimental driving around

Ich? Im Leben nicht bin ich sentimental im Auto durch die Gegend gefahren. Und unsentimental schon gar nicht. Ich wüßte nicht mal, wie das gehen soll. Mit Dackelblick rund um die Alster? Mit tränenreichem Geschluchze durch Altona-Nord? Vielleicht an der Holstenstraße? Da glaub ich dran.

Ok, wir haben uns da kennen gelernt. Und lieben. Ja, mein Gott. Das ist nun mal so. Wir sind seit fünfundzwanzig Jahren ein Paar und lachen immer noch zusammen. Ob das nichts zählt? Natürlich gilt das. Das gilt immer. Ich würde sagen das übergilt alles andere. Aber deswegen werde ich doch nicht sentimental. Und fahr so um den Block. Wirklich nicht.

Na gut, der Bruder von dem Friseur von dem Friseurladen wo wir uns zum ersten Mal geküßt haben, hat uns getraut. Das kann ja keiner ahnen, dass der Pastor ist. In unserer Gemeinde. Und Bruder vom Friseur usw. Deswegen brauchst du nicht gleich sentimal zu werden. Was heißt das denn überhaupt? Ich wollte nie, dass deine Mutter mich mag. Da kann ich nichts dafür. Oder dagegen.

Meine Güte, ja, die Kinder. Finde ich auch toll. Wenn wir welche hätten, wäre ich jetzt vielleicht auch so wie’n Vater. So ein sentimentaler alter Knochen der seinen Kindern alles erklären will, wie die Welt so funktioniert. Zumindest damals, also, wie sie da mal funktioniert hat. Als Twix noch Raider hieß. Und das Größte im Leben eine Dose Quality Street Bonbons gewesen ist. Als noch jeder wußte, dass CocaCola den Weihnachtsmann erfunden hat. Aber ich will da jetzt nicht sentimental werden oder so. Ist doch wahr.

Sicherlich haben wir Freunde und führen ein glückliches Leben. Besser geht’s ja kaum. Und das Leben bis jetzt mit dir war ja wirklich wunderbar und wird es auch bleiben. Du liebst mich, ich liebe dich. Ohne dich kann ich nicht sein. Ohne dich wäre das Leben ein grauer Moment im Schatten einer Häuserwand. Aber mit Sentimentalität hat das nichts zu tun. Ehrlich nicht.

……………

CD des Tages: Vampire Weekend, Contra (Vampire Weekend ist die Band, weiß ja eh jeder.)
Song des Tages: Taxi Cab von eben genannter CD, der Song beginnt mit „Unsentimental traveling around“, was mich beim Joggen zu obigen (seltsamen) Text inspiriert hat.
Link des Moments: Auf der US MTV-Seite findet man ein unplugged Konzert von Vampire Weekend.

Ridikül

„Hallo Hans. Was machst Du da am Fenster?“
„Ich gucke.“
„Ach, wir dachten, du willst springen.“
„Wieso das denn?“
„Na, du stehst da mit nacktem Oberkörper auf der Fensterbank, das Fenster weit offen und das im vierten Stock.“
„Das mach ich nur zum Spass. Und natürlich beim Fensterputzen.“

„Hans, sag mal ein Wort, das wir noch nicht kennen.“
„Ridikül.“
„Super, Hans. Kannst Du das nochmal sagen?“
„Ridikül.“
„Das sieht so wunderbar aus, wenn du das sagst. Dein spitzer Mund beim ‚ü‘. Herrlich.“
„Ridikül.“
„Ist ja gut. Wir wissen jetzt Bescheid. Hans?“
„Ja?“
„Kommst du jetzt von der Fensterbank runter?“
„Klar, kein Problem.“

„Hans, was bedeutet denn ridikül?“
„Ich glaube: lächerlich. Fontane hat das in seinen Romanen verwendet.“
„Du kennst Fontane?“
„Aber sicher das. Herr von Ribbeck auf Ribbeck, kennt doch jeder. Und ridikül.“
„Zauberhafter Zug um deinen Mund, Hans. Wirklich zauberhaft. “
„Uexküll. Übel. Ürügüay.“
„Tschüs, Hans.“

Tennant Creek

Ok, reden wir also über Tennant Creek.
Tennant Creek ist eine Stadt im Northern Territory von Australien inmitten vom Nichts. Nach Alice Springs fährt man etwa 5 Minuten auf der Google Maps Karte (500 Km) Richtung Süden, nach Darwin 1000 Km in den Norden. Rechts und Links von Tennant Creek ist nichts (bis auf ein paar Känguruhs und zwei, drei Geckos).

Tennant Creek liegt hier…

 

… und sieht so aus… 

Ich vermute, dass in Tennant Creek dieser Hund begraben liegt, von dem immer die Rede ist, wenn man davon spricht, dass irgendwo der Hund begraben liegt. Außerdem bin ich der festen Überzeugung, dass die Straße da hinten einfach aufhört. Tennant Creek ist der Beweis, dass die Erde doch eine Scheibe ist.

Was ich nicht herausgefunden habe:

  • Gibt es in Tennant Creek einen Waschsalon?
  • Hat Tennant Creek einen Schnellimbiß?
  • Gibt es einen Bibliotheksbus und wann kommt er?
  • Gibt es einen ältesten Mitbürger von Tennant Creek und, wenn ja, wie ist sein Vorname?

Sinniges

Beim Fernsehzappen habe ich bei Tide am 13.03.2010 folgenden Satz gehört: „Figurative Malerei in traditioneller Technik“

Wer denkt sich sowas aus? Gibt es das überhaupt? Ist das eine Worthülse? Eine hohle Phrase? Mir fehlt da irgendwie der tiefere Sinn…

P.S. Ich habe die Bilder dazu gesehen. Die entsprachen in ihrer Sinnhaftigkeit in etwa dem Satz. Sie waren so figurativ.

P.P.S. Wie wäre denn folgende Unterhaltung dazu: Ach Schatz? Ja, Schatz? Wollen wir nicht in diese zauberhafte Ausstellung über figurative Malerei in traditioneller Technik gehen? Nein, Schatz.

…………

Für alle, die schon immer mal den U-Bahn-Plan von Tokio im Original betrachten wollten:

Weiter Info unter: http://www.tokyometro.jp/index.html

…………

Es ist nicht mehr Winter
Im Vorfrühling der Hase an der Rübe runkelt,
bis die Häsin ihn ruft, weil’s langsam dunkelt.

Der Igel im Laub den letzten Winterschlaftraum dreht,
der Fuchs mit der Füchsin den nächsten Urlaub berät.

Bald ist es Zeit für: Frühling, komm‘ raus!
Bis dahin aber geh‘ ich nicht mehr ums Haus.

Hamburger Harmoniegefühle, Teil 2

Trinkertreff an der Holstenstraße, Ecke Stresemann, hinterm Kiosk. Gespräche belauscht beim Blick aus dem Auto beim Warten auf die grüne Ampel.

Hagebutten-Gespräch
„Ich glaube nicht an Hagebutten. Das ist die These. Ich glaube an Sandsturmobjekte. Das ist die Gegenthese. In meinem Traum fliegen im Sandsturm Objekte herum, die keine Hagebutten sind. Die Objekte sind singende Malteser und flötende Malteserinnen.“ Er nickt und guckt nach Bestätigung suchend in die Runde. Drei Leute nicken zurück.
„Das haben wir dann also geklärt.“

Mach nochma ne Flasche
Da draußen wo das Leben spielt, schreit ein Mann von der Größe eines Knopflochs: „Mach nochma ne Flasche!“ Der Mann hinkt auf einem Bein, hält sich mit einer Hand die Nase zu und schreit ausdauernd seinem Freund „Mach nochma ne Flasche!“ ins Ohr. Der Mann ist nicht krank. Es ist morgens halb zehn in Deutschland, Hamburg an der Holstenstraße und der Mann leert gerade sein drittes Bier. Drei Biere Pfand bringen ein neues Bier, also schreit er seinem Freund, der zufälligerweise neben ihm steht und deshalb auch sein Freund ist, „Mach nochma ne Flasche!“ ins Ohr. Sein Freund gestikuliert wild mit den Armen, rollt mit den Augen, zeigt über die Straße zum Edeka: „Mach doch selbst die Flasche.“

Hamburger Harmoniegefühle

Wenn man mit einem Bus der HVV durch Hamburg fährt, erzählt einem Tom Hanks, wie die nächste Station lautet und wohin man da umsteigen kann. Das ist sehr lustig. Ich vermute, Tom Hanks hat das alles aufgenommen (also die ganzen Stationen und Umsteigemöglichkeiten) als er „Cast Away“ (Verschollen) gedreht und sich in sechs Monaten 40 Kilo (oder so) heruntergehungert hat. Er tat das aus lauter Langeweile und Hunger. (Ich weiß, dass die Stimme „nur“ die deutsche Stimme von Tom Hanks ist. Aber das ist nicht so lustig, weil die deutsche Stimme für Cast Away bestimmt nicht gehungert hat.)

…………

Wenn man mit einem Bus der HVV an der Bernstorffstraße, Ecke Stresemann, vorbeikommt, sieht man auf einer Hauswand den überlebensgroßen Kopf von Charles Darwin. Also genau der Darwin, der das mit den Affen und das mit der Abstammung von den Affen nicht so erfunden hat, wie immer behauptet wird. Darwin hängt da mit Bart an der Wand und guckt etwas komisch.

Ich glaube derjenige, der ihn da an die Wand gemalt hat, wollte uns allen etwas sagen. Ich weiß im Moment nicht genau, was, aber es muss etwas sehr wichtiges gewesen sein.

Es könnte übrigens auch sein, dass das da an der Wand gar nicht Charles Darwin, sondern Johannes Brahms darstellen soll. Oder Karl Marx. Oder den Weihnachtshansel.

…………

Was ruft man jemandem hinterher, der bei rot über die Ampel geht? Kindermörder!