Im Prinzip bin ich wie Supermann

Mein Name tut hier nichts zur Sache. Trotzdem? Kurt Knorke. Ich heiße Kurt Knorke und wenn ich morgens aufwache ist mein erster Gedanke: Ich kann durch Wände gucken. Röntgenblick, verstehen Sie? Ob ich weitere Superfähigkeiten habe? Na, klar. Ich kann Gedanken lesen. Ich guck jemanden an und weiß, was er denkt und was er haben will. Das kann fast jeder? Ok. Was denke ich jetzt, in diesem Moment? Ach, woher wissen Sie das denn? Natürlich denke ich auch an meine Mutter. Gut. Ich denke oft an meine Mutter. Das war jetzt aber geraten, oder?

Ich sehe super aus. Das muss man mal ganz klar sagen. Vielleicht jetzt nicht genauso wie George. Welcher George? Es gibt nur einen George. Den Clooney George. Und ja, George hat oben Haare und ich nicht. Und nochmals ja, George hat keinen Bauchansatz und trägt auch keinen Trikolagenanzug in gelb mit lila Cape. Das mag ja stimmen. Aber ich komme in dem Anzug total sympathisch rüber. George auch ohne Anzug, das ist richtig.

Ich habe einen Magen aus Stahl. Ich esse beim Currywurst-Mann die schärfste Wurst als wäre das gar nix. Verstehen Sie? Ein Happs und die Wurst ist weg. Das ist schon eine super Fähigkeit. Ob ich damit auch Menschenleben retten könnte? Wie meinen Sie das? Ein abstürzendes Flugzeug. Aha. Ich stehe da beim Currywurst-Mann mit der Wurst in der Hand und ein Flugzeug stürzt ab? Was ich dann mache? Also, darauf war ich jetzt nicht vorbereitet. Ich würde die Leute retten, kein Thema. Ob ich fliegen kann? Pah! Selbstverständlich kann ich fliegen. Auch mit Wurst?

Und Tiere imitieren. Ich kann Tierstimmen nachmachen, da schmeißt du dich weg. ‚tschuldigung. Sie. Da schmeißen Sie sich weg. Soll ich mal?

Sudoku und Brühwürfel lutschen. Den möchte ich sehn, der mir da was vormacht. Sudoku ist nicht gerade etwas für einen Superhelden? Mann, wo leben Sie denn? Und Brühwürfel lutschen war modern als Twix noch Raider hieß? Kommt alles wieder, sag ich mal. Bonanza-Fahrräder und so.

Wie es denn mit übermenschlichen Kräften, Unverwundbarkeit und Schlangenmensch-ähnlicher Bewegungsfreiheit steht, wollen Sie wissen? Schnelligkeit, stoische Gelassenheit und überlegenes Verhalten in allen Lebenslagen? Vollkommenes mathematisches Verständnis, Kenntnisse in Biologie, Philosophie und Wirtschaftstheorie? Hab ich alles, kann ich alles, kein Problem. Im Prinzip bin ich wie Supermann.

Danke, Herr Knorke für dieses Vorstellungsgespräch zum Fleischfachverkäufer. Wir werden uns bei Ihnen melden.

Bremerhaven

„Hans! Wir haben gehört, Du hattest einen Alptraum. Stimmt das?“
„Ich hab‘ geträumt, ich wäre in Bremerhaven.“
„Ach da. Das ist schlimm.“
„Ich war in einer Fischfabrik.“
„Ja?“
„Ich war da drin.“
„Hans. Tolle Sache das. Wir wissen jetzt Bescheid.“
„Ich war auf dem Laufband.“
„Auf welchem Laufband?“
„Na, das mit den Fischstäbchen.“
„Hast Du da auf dem Laufband gesessen oder gejoggt oder wie?“
„Ich war ein Fischstäbchen.“
„Oh, Gott, wie grausam.“
„Sag ich ja.“

„Du hast geträumt, Du wärst ein Fischstäbchen?“
„Mhpft.“
„Warst Du schon paniert?“
„Ja. Normale Panade.“
„Und auch schon angebrutzelt und schockgefrostet?“
„Ich glaube ja. Ich war gerade auf dem Weg zur Verkostung.“
„Verkostung?“
„Ja, unterwegs zu den Testessern in ihren Kitteln. Ich war ein rechteckiger panierter Kasten aus Fisch zum Probieren.“
„Gab’s da Ketschup und Mayonaise?“
„Das ist jetzt nicht witzig. Ich heul gleich.“
„Aber Hans, das war doch nur ein Traum. Du bist gar kein Fischstäbchen. Jedenfalls nicht im Moment.“
„Sicher?“
„Gaaanz sicher, Hans. Fischstäbchen sehen auch ganz anders aus. Aber warte mal…“
„Was denn?“
„Ich glaube, Du hast da noch eine Gräte am Haar.“
„Wowowowo?“
„War nur ein Witz, Hans. Und nächstes Mal suchst Du Dir was anderes für deinen Alptraum. Vielleicht Chickenwings. Oder Toast-Hawaii. Ok?“
„Ok.“
„Du, Hans?“
„Ja?“
„Was fühlt man denn so als Fischstäbchen?“
„Ich glaube irgendwie gar nichts.“
„Danke für die Informationen, Hans.“

Gehwegplattenritzenvorbeitreter

„Hallo. Sind sie Apotheker?“
„Hallo. Nein.“
„Ach, ist das keine Apotheke?“
„Doch. Ist eine.“
„Und wieso sind sie kein Apotheker?“
„Ich bin eine Frau. Apothekerin.“
„Oh. Können wir nochmal anfangen?“
„Kein Problem. Gehn Sie nach draußen, kommen wieder rein, sagen ‚Hallo‘ und das, was Sie eigentlich wollen.“
„Ok.“

„Hallo. Sind sie Apotheker?“
„Hallo. Nein. Versuchen Sie’s nochmal.“

„Hallo. Äh. Apothekerin?“
„Hallo. Ja.
„Uff. Ich bin also Gehwegplattenritzenvorbeitreter und wollte fragen, ob sie was dagegen haben.“
„Warum sollte ich etwas gegen Gehwegplattenritzenvorbeitreter haben? Ich kenne niemanden, der etwas gegen Gehwegplattenritzenvorbeitreter hat. Was macht ein Gehwegplattenritzenvorbeitreter denn eigentlich so?“
„Das ist einfach. Der geht auf einem Fußgängerweg mit Waschbetonplatten immer so, dass er auf keinen Fall auf eine der Ritzen tritt. Sieht komisch aus, ist komisch und hinterläßt beim Gehwegplattenritzenvorbeitreter selbst und bei allen, die ihn beobachten, ein mulmiges Gefühl.“

„Äh. Apothekerin?“
„Ja?“
„Gibts dagegen vielleicht irgendwas? Eine Tablette, Salbe, Pflaster oder so?“
„Einen Blindenhund vielleicht.“
„Was soll ich denn mit einem blinden Hund?“
„Ok. Ok. Vielleicht nehmen Sie einfach dieses Mittel. Oder dieses. Können Sie lesen?“
„Nein.“
„Da steht: Vorbeugend gegen, Husten, Heiserkeit und Gehwegplattenritzenvorbeitreten.“
„Ach, das ist ja super. Vielen Dank auch.“

…………

Die Hölle für Gehwegplattenritzenvorbeitreter sieht übrigens so aus:

Fragen über Fragen

Zu Schafen:
Weiß das letzte Schaf in einer Schafherde, dass es das letzte Schaf in einer Schafherde ist? Dreht es sich zum Beispiel um und orientiert sich nach hinten, ob da noch was kommt?

Zu Hunden:
In Irland jagt ein Hund ein irisches Kaninchen. Das Kaninchen ist mit irischer Schläue gesegnet und verkriecht sich in einem Kaninchenbau. Der Hund bellt und kläfft. In welcher Sprache teilt er dem Kaninchen mit, dass es ruhig herauskommen könne, er würde nichts Schlimmes machen?

In Irland läßt derselbe Hund, der gerade noch das Kaninchen gejagt hat, einen fahren. Kann das einen Wirbelstum im Norden Chinas auslösen oder geht das nur bei Schmetterlingen, die in Indien mit den Flügeln schlackern?

Könnten Hunde, wenn sie es wollten, absichtlich pupsen?

Zum Leben:
Das allerallerallerallererste Leben entstand ja bekanntlich in einem Sumpfloch in der Nähe des heutigen Uruguay. Welche Farbe hatte die Marke, die dieses Leben ziehen musste, damit es sich in die Warteschlange beim Arbeitsamt einreihen durfte?

Zu Sibirien:
Wie heißt Sibirien auf sibirisch?

Zu Tierbildern:
Was ist das für ein Tier?

Die Leute

Autofahrer blinken immer beim Spurwechsel.
Autofahrer halten sich an Geschwindigkeits- und Verkehrsregeln.
Autofahrer geben niemals bei gelb Gas und fahren bei rot über die Ampel.
Fußgänger gehen nie bei rot über die Straße.
Fußgänger sehen in der Fußgängerzone einander in die Augen und machen höflich Platz.
Fußgänger schmeißen niemals ihren Abfall auf den Boden.

Alle stellen sich hinten an.
Niemand geht beim Edeka an die Kasse und fragt den ersten in der Schlange: Lassen Sie mich vor?

Keiner trinkt mit seinen Freunden jeden Morgen um zehn Bier in der Öffentlichkeit.
Niemand rotzt auf den Gehweg.
Keiner spukt Kaugummi auf den Bürgersteig.

Fahrradfahrer fahren niemals auf dem Gehweg.
Fahrradfahrer fahren niemals von hinten kommend so dicht an einem vorbei, dass man den Hauch des Todes spürt.
Fahrradfahrer fahren niemals quer über eine Kreuzung.
Fahrradfahrer halten immer bei rot.

Alle sagen danke oder bitte.
Die Leute riechen nicht.
Die Leute benehmen sich.
Die Kinder von Leuten in Restaurants benehmen sich.
Kellner sind freundlich.
Die Leute wissen, was Benehmen ist.
Niemand entsorgt seine alte Wohnzimmergarnitur bei den Papier- und Glascontainern.

U-Bahn-Fahrgäste gucken hin, wenn etwas passiert, wobei sie helfen könnten.
Autofahrer gehen nicht vom Gas und glotzen, wenn ein Unfall passiert ist, bei dem sie nicht mehr helfen können.

Die Leute sind nicht eitel.
Fernsehmoderatoren sind nicht eitel.
Politiker sind nicht eitel.
Politiker lügen nicht.
Die Leute lügen nicht.
Politiker sind immer auf den Vorteil der anderen bedacht.
Autoverkäufer sind am Wohl ihrer Kunden interessiert.
Zeitungsausträger sind zuverlässig und motiviert.

Energiesparlampen sind billig, geben sehr gutes Licht und halten viel länger als Glühbirnen
Atomkraftwerke sind sicher.

Lügen haben kurze Beine.

Angst vor…

Du, Gisela?
Ja, mein Schatz?
Ich glaube, ich leide an Lutraphobie.
Ach, nee, an Angst vor Ottern. Wie witzig.
Warum ist das denn witzig?
Du weißt ja nicht mal, wie ein Otter aussieht.
Mhm.

Du, Gisela?
Ja, mein Lieblingsgemahl?
Was hälst du denn von Hippophobie?
Also, wirklich – wann hast du denn dein letztes echtes Pferd gesehn?
Gestern, im Fernsehn. Das Pferd hat so komisch geguckt.
Wie denn geguckt?
So menschlich.

Gisela, du mußt mir jetzt mal helfen.
Wobei denn?
Beim Kartoffelschälen.
Angst vor Kartoffeln?
Mach jetzt bitte keine Witze. Optophobie, totale Optophobie.
Guter Einfall. Angst, die Augen zu öffnen. Ganz toll und praktisch überall zu gebrauchen.

Gut. Dann eben: Metathesiophobie.
Angst vor Veränderungen?
Ja. Ham se alle. Schulreformgegner. Atomkraftwerklaufzeitverlängerer. Priester.
Da magst du Recht haben. Die Kartoffeln schälst du jetzt aber trotzdem.

Chattanooga Choo Choo

„Hallo Hans. Du siehst so seltsam aus. So mürrisch.“
„Ja, mürrisch.“
„Das steht dir aber gar nicht, dieses Mürrische.“
„Ist mir doch egal.“
„Also, Hans, so kommen wir doch nicht weiter. Sag mal »Chattanooga«“
„Chattanooga.“
„Toll Hans. Ein bißchen mehr Elan. Vielleicht mit einem leichten Hüftschwung.“
„Chattanooga.“
„Oh mein Gott: Elvis lebt!“
„Chattanooga.“
„Wahnsinn, Hans. Und jetzt noch »Choo Choo« hintendran. Und los.“
„Chattanooga Choo Choo.“
„Prima. Und? Bist du noch mürrisch?“
„Also irgendwie nicht. Meine Mürrischkeit…Mürrischlichheit…mein Mürrischismus ist jetzt total weg. Soll ich noch mal mit der Hüfte…?“
„Danke, Hans, lieber nicht. Wir sind ja fast am Ende mit unseren morgendlichen Übungen zur Erheiterung des Daseins. Zum Abschluss vielleicht noch zwei drei Worte für den Tag zum Üben. Ok, Hans?“
„Alles ok bei mir. Leg los.“
„Solipsismus. Emphatie. Folgerichtigkeit. Was davon kennst du, Hans?“
„Nichts.“
„Versuch’s mal.“
„Solipsismus ist wenn man mit den Lippen so macht.“ (Hans macht einen Kussmund.)
„Super.“
„Emphatie ist dasselbe nur ohne Zähne.“
„Und folgerichtig beenden wir jetzt das Gespräch. Danke Hans.“
„Chattanooga.“

Wofür man Freunde hat

Jimbo: „Ich glaub‘, ich steh auf einem A.“
Robert (rasant das K durchquerende Nashorn): „Vorsicht da vorne, bitte nicht stehenbleiben. Das gilt auch für Baby-Elefanten.“
Gisela (links auf dem Ypsilon): „Ich will ja nichts sagen, aber das Ypsilon steht irgendwie schief.“
Gudrun (rechts auf dem Ypsilon): „Draußen ist alles Roger. Keine Probleme. Alles Roger. Quietsch-Piep-Over-And-Out.“
Adele (links hinter dem A): „Kicher. Kicher. Kuckuck. Huhu.“
Jimbo: „Ich will nicht auf einem A stehen. Ich wollte noch nie auf einem A stehen. Ich fühl‘ mich einfach nicht wohl auf einem A.“
Humphrey (Nilpferd quer in der Mitte): „Pass auf, Du, Du, Elch, Du.“
Elch (ist einer und heißt so): „Ich finde das jetzt total doof, dass Leute ihren Hund Hund nennen.“

Die Beatles (oben auf dem K): „Wir finden den KAY TOTAL TOLL. Könnte uns bitte jemand hier runterhelfen?“
Adele: „Huhuu. Isch bin dodal begeischderd vom A.“
Jimbo: „Ich mach gleich einen Haufen.“
Babyfant: „Ich würd‘ jetzt auch gerne mal was sagen.“
Jimbo: „Hast du gerade.“

Briefe von oben

Hallo ihr Lieben,
nach Jahren mühevoller Handarbeit seitens meiner Frau (die großen Flicken), meiner Kinder (die kleinen Flicken) und meiner selbst (technische Anleitung zum Zusammennähen der großen und kleinen Flicken zu einer Ballonhülle, Gasanzünden, Fliegen), ist vor einigen Minuten endlich der große Moment gekommen: Der erste selbstgebaute Heissluftballon Hamburg Altonas hat abgehoben. Von unserem Dach. Welch ein gigantischer Ausblick. Ich schreibe dies im ersten Moment der vollkommenen Euphorie…

Meine Freunde,
wie ihr alle sicherlich erfahren habt, ist mir vor ein paar Stunden ein erstes Abheben mit unserem Heissluftballon gelungen. Ich bin frohen Mutes, ebenso Wuffi, den ihr alle als unseren alten, betagten Foxterrier kennt. Weiterhin an Bord: Mehrere Flaschen Wasser, ein mit Handkurbel anzutreibender kleiner Ofen und eine Packung Hundekekse. Wir steigen immer noch…

Anverwandte, Trauzeugen und Schwiegereltern,
ich kann es nicht oft genug betonen, wie so oft in den letzten Tagen: Ihr fehlt mir, Verzeihung, uns. Ja, wir sind noch wohlauf, der Wuffi und ich. Wir fliegen jetzt schon seit Stunden nach Westen, Land ist keines mehr zu entdecken. Von hier oben sieht Sylt übrigen fast so aus wie Großbritannien. Wußtet ihr, dass Hundekekse gar nicht so schlecht schmecken, wie man denkt? Unser Wasser reicht noch mindestens einen Tag…

Lieber Gott,
schön, dass wir uns hier oben mal begegnet sind. Ich finde es sehr beruhigend, dass es auch für Wuffi einen Himmel gibt, einen Hundehimmel, und dass du nie jemanden vergißt. Die letzten zwei Wochen hier draußen an der frischen Luft waren doch sehr anstrengend. Ich denke, ich werde diese meine letzte Nachricht in die letzte leere Wasserflasche stecken und über Bord werfen. Dass es soviel Ozean gibt auf unser schönen Welt, ist mir erst jetzt wirklich klar geworden…

„Rudi?“
„Ja, mein Schatz?“
„Liest du schon wieder Jules Verne auf dem Dachboden?“
„Nein, mein Liebling. Das würd ich nie tun, das weißt du doch.“