Archiv für den Monat: April 2010

Chattanooga Choo Choo

“Hallo Hans. Du siehst so seltsam aus. So mürrisch.”
“Ja, mürrisch.”
“Das steht dir aber gar nicht, dieses Mürrische.”
“Ist mir doch egal.”
“Also, Hans, so kommen wir doch nicht weiter. Sag mal »Chattanooga«”
“Chattanooga.”
“Toll Hans. Ein bißchen mehr Elan. Vielleicht mit einem leichten Hüftschwung.”
“Chattanooga.”
“Oh mein Gott: Elvis lebt!”
“Chattanooga.”
“Wahnsinn, Hans. Und jetzt noch »Choo Choo« hintendran. Und los.”
“Chattanooga Choo Choo.”
“Prima. Und? Bist du noch mürrisch?”
“Also irgendwie nicht. Meine Mürrischkeit…Mürrischlichheit…mein Mürrischismus ist jetzt total weg. Soll ich noch mal mit der Hüfte…?”
“Danke, Hans, lieber nicht. Wir sind ja fast am Ende mit unseren morgendlichen Übungen zur Erheiterung des Daseins. Zum Abschluss vielleicht noch zwei drei Worte für den Tag zum Üben. Ok, Hans?”
“Alles ok bei mir. Leg los.”
“Solipsismus. Emphatie. Folgerichtigkeit. Was davon kennst du, Hans?”
“Nichts.”
“Versuch’s mal.”
“Solipsismus ist wenn man mit den Lippen so macht.” (Hans macht einen Kussmund.)
“Super.”
“Emphatie ist dasselbe nur ohne Zähne.”
“Und folgerichtig beenden wir jetzt das Gespräch. Danke Hans.”
“Chattanooga.”

Wofür man Freunde hat

Jimbo: “Ich glaub’, ich steh auf einem A.”
Robert (rasant das K durchquerende Nashorn): “Vorsicht da vorne, bitte nicht stehenbleiben. Das gilt auch für Baby-Elefanten.”
Gisela (links auf dem Ypsilon): “Ich will ja nichts sagen, aber das Ypsilon steht irgendwie schief.”
Gudrun (rechts auf dem Ypsilon): “Draußen ist alles Roger. Keine Probleme. Alles Roger. Quietsch-Piep-Over-And-Out.”
Adele (links hinter dem A): “Kicher. Kicher. Kuckuck. Huhu.”
Jimbo: “Ich will nicht auf einem A stehen. Ich wollte noch nie auf einem A stehen. Ich fühl’ mich einfach nicht wohl auf einem A.”
Humphrey (Nilpferd quer in der Mitte): ”Pass auf, Du, Du, Elch, Du.”
Elch (ist einer und heißt so): “Ich finde das jetzt total doof, dass Leute ihren Hund Hund nennen.”

Die Beatles (oben auf dem K): “Wir finden den KAY TOTAL TOLL. Könnte uns bitte jemand hier runterhelfen?”
Adele: “Huhuu. Isch bin dodal begeischderd vom A.”
Jimbo: “Ich mach gleich einen Haufen.”
Babyfant: “Ich würd’ jetzt auch gerne mal was sagen.”
Jimbo: “Hast du gerade.”

Briefe von oben

Hallo ihr Lieben,
nach Jahren mühevoller Handarbeit seitens meiner Frau (die großen Flicken), meiner Kinder (die kleinen Flicken) und meiner selbst (technische Anleitung zum Zusammennähen der großen und kleinen Flicken zu einer Ballonhülle, Gasanzünden, Fliegen), ist vor einigen Minuten endlich der große Moment gekommen: Der erste selbstgebaute Heissluftballon Hamburg Altonas hat abgehoben. Von unserem Dach. Welch ein gigantischer Ausblick. Ich schreibe dies im ersten Moment der vollkommenen Euphorie…

Meine Freunde,
wie ihr alle sicherlich erfahren habt, ist mir vor ein paar Stunden ein erstes Abheben mit unserem Heissluftballon gelungen. Ich bin frohen Mutes, ebenso Wuffi, den ihr alle als unseren alten, betagten Foxterrier kennt. Weiterhin an Bord: Mehrere Flaschen Wasser, ein mit Handkurbel anzutreibender kleiner Ofen und eine Packung Hundekekse. Wir steigen immer noch…

Anverwandte, Trauzeugen und Schwiegereltern,
ich kann es nicht oft genug betonen, wie so oft in den letzten Tagen: Ihr fehlt mir, Verzeihung, uns. Ja, wir sind noch wohlauf, der Wuffi und ich. Wir fliegen jetzt schon seit Stunden nach Westen, Land ist keines mehr zu entdecken. Von hier oben sieht Sylt übrigen fast so aus wie Großbritannien. Wußtet ihr, dass Hundekekse gar nicht so schlecht schmecken, wie man denkt? Unser Wasser reicht noch mindestens einen Tag…

Lieber Gott,
schön, dass wir uns hier oben mal begegnet sind. Ich finde es sehr beruhigend, dass es auch für Wuffi einen Himmel gibt, einen Hundehimmel, und dass du nie jemanden vergißt. Die letzten zwei Wochen hier draußen an der frischen Luft waren doch sehr anstrengend. Ich denke, ich werde diese meine letzte Nachricht in die letzte leere Wasserflasche stecken und über Bord werfen. Dass es soviel Ozean gibt auf unser schönen Welt, ist mir erst jetzt wirklich klar geworden…

“Rudi?”
“Ja, mein Schatz?”
“Liest du schon wieder Jules Verne auf dem Dachboden?”
“Nein, mein Liebling. Das würd ich nie tun, das weißt du doch.”

Sebastian Vettel gibt niemals auf

Da bin ich ganz sicher. Der nicht. Der gibt niemals auf. Und wenn der fünfzig Mal nacheinander ausscheidet, weil der Motor kaputt ist oder die Bremse oder ihm jemand reinfährt oder er jemand anderem oder es regnet oder schneit oder der Himmel stürzt ein. Sebastian Vettel gibt niemals auf. Der zeigt den Pole-Position-Finger, den aufrechten, supergestreckten, leicht zitternden Zeigefinger in die Kamera und freut sich auf das Rennen. Immer. Vor dem Ausscheiden und vor dem nächsten Rennen. Sebastian Vettel. Siegertyp, nicht weil er immer gewinnt, sondern weil er immer den Gewinn erwartet.

Also mache ich morgens noch vor dem Aufstehen dasselbe. Als Erstes nach dem Klingeln des Weckers oder einfach als Erstes, wenn ich ohne Klingeln aufwache, oder einfach so, wenn ich gar nicht geschlafen habe, weil die nächtlich drückenden Gedanken mal wieder so drückend nächtlich waren, immer morgens noch vor dem Aufstehen, liegend im Bett recke ich die rechte Hand in die Höhe mit ausgestrecktem, leicht zitternden Zeigefinger. Dreimal hintereinander gereckt gestreckt der Pole-Position-Finger von Sebastian Vettel. Das tut so gut. Und dann fährt dir jemand in die Seite mit dem Ellenbogen oder mit der Faust oder mit ebenfalls gestrecktem Finger in die Seite, da wo’s am meisten kitzelt. Meine Frau. Und die fragt mich, ob der Kaffee schon fertig ist. Damit ich Bescheid weiß. So leben Gewinner. Und Gewinnerinninninnen.

Immer auf die Reihenfolge achten

Yoh-Baby-yoh-Baby-yoh. Und hinten immer dran bleiben. Nicht drängeln, nicht knabbern und nicht auflaufen. Ich bitte euch.
Wer sagt eigentlich, dass Jimbo immer vorne geht?  Im Prinzip könnte ich das auch.
Wer hat das gesagt? Adele*?
Kicher. Kicher.
Bitte, wenn ihr das so haben wollt. Ich mach’ hier jederzeit Platz. Kein Problem. Ich mach mich doch nicht zum Affen.
Du bist ein Affe.
OK-OK-OK. Wer wollte denn heute unser Leergut sammeln und es um viertel vor sechs abends beim Edeka am Flaschenautomaten abgeben? Unbedingt am Tag vor Karfreitag. Wer war denn das bitte?
Du, Jimbo. Du hast doch immer diese Ideen.
Na gut. Aber ihr trinkt den ganzen Tag Cola. Cola, Cola, Cola. Irgendwie muss die ja auch bezahlt werden.
Angola gönnt ich mir dodsaufen.
Sehr witzig Robert. Du weißt, dass Cola stumpfe Hörner macht?
Was heißt hier stumpf? Hier ist überhaupt nichts stumpf. Ich hasse Erdmännchen, hab’ ich das schon gesagt?

Du Jimbo? Ja, John? Ich bin nicht John. Paul? Auch nicht. George? Ringo?
Ok, Johnpaulgeorgeandringo, was wollt ihr?
Dürfen wir auch eine Flasche in den Automaten werfen?
Oh, mein Gott. Nicht schon wieder diese Diskussion. IHR SEID ZU KLEIN. IHR SEID SO KLEIN, IHR KÖNNTET UNTER DEM FLASCHENAUTOMATEN DURCHLAUFEN OHNE EUCH DEN KOPF ZU STOSSEN. NEIN, IHR DÜRFT DAS NICHT.

Dürfen wir dann “Yellow Submarine” singen?
Auf jeden Fall. Im Edeka. Heute abend. 18:00 Uhr Flaschenautomat. John, Paul, George and Ringo rocken das U-Boot. kein Problem.

*Adele ist das Okapi hinten mit den langen Ohren. Adele ist diesmal die Einzige, die tatsächlich in die Kamera guckt. Kicher. Kicher. Die vier kleinen Erdmännchen mitte-rechts sind die leibhaftige Inkarnation der Beatles kurz vor ihrer Entdeckung. Von Robert ist rechts am Rand nur noch das Horn ins Bild gerückt. Jimbo ist wie immer der unscharfe Affe.