Ich sag mal: Huitzilopochtli und Quetzalcoatl

Also, wer demnächst auf einer Housewarming-Party oder einem Kunst-Event oder einem Treffen unter Freunden bei Wein und Bier mal richtig Eindruck machen möchte, lässt in einem Nebensatz die Namen der beiden aztekischen Göttergrößen Huitzilopochtli und Quetzalcoatl fallen. Der Satz könnte ungefähr so lauten: „Ich würde mal sagen, der Huitzilopochtli und der Quetzalcoatl, die ja beide vom selben Vater, aber von verschiedenen Müttern herstammen, – der Vater ist übrigens der bekannte Mixcoatl -, sind keine Zwillinge, sondern sehen nur so aus.“ Dann müsste man natürlich auf diesem Housewarming, Event oder Treffen wie selbstverständlich die Brieftasche öffnen und dort, wo andere die Fotos ihrer Liebsten bei sich tragen, die zwei folgenden Bilder hervorholen und herumzeigen.

Links der Huitzilopochtli und rechts sein Bruder Quetzalcoatl

 

Interessant wäre es noch, auf die horrend anstrengenden Opferbräuche der alten Azteken einzugehen, besser nach dem Essen, aber vor der Nachspeise, die nämlich darin bestanden, den Opfern, zumeist Gefangenen von feindlich gesinnten Stämmen, bei lebendigem Leibe das Herz mit einem Steinmesser herauszuschneiden. Zur ausführlichen Beschreibung der Opferung selbst sollte man vielleicht nur übergehen, wenn man bereit ist, den Nachtisch in gemütlicher Einsamkeit zu genießen oder, auf erwähntem Kunst-Event, den Rest des Abends alleine vor den ausgestellten Kunstwerken zu verbringen. Eine weitere Einladung zu irgendeiner anderen Housewarming-Party irgendwo auf dieser Welt hätte sich dann ja auch erledigt.

Falls jemand tatsächlich mit den beiden Götterjungs Huitzilopochtli und Quetzalcoatl die Öffentlichkeit beeindrucken möchte: Vorsicht mit der Aussprache! Nicht dass man mitten im Huitzilopochtli ins Stocken gerät.

Zwei Quellenangaben noch: Die Namen der beiden Götter tauchen (neben anderen) in dem schön zu lesenden Buch „Götter Gräber und Gelehrte“ von C.W.Ceram auf. Eine Liste der aktuellen aztekischen Götternamen findet sich, wie sollte es anders sein, beim allseits beliebten Wikipedia: Liste der Aztekengötter.

Nach dem Regen

„Hallo Hans. Du bist heute mal wieder durch die Gegend gejoggelt. Wie war’s denn?“
„Ich bin nicht gejoggelt, ich bin gelaufen.“
„Entschuldigung Hans. Wir wussten nicht, dass Du das so genau nimmst. Aber wie war es denn nun?“
„Super.“
„Toll Hans. Wusstest Du, dass die meisten Männer um die vierzig plötzlich anfangen Sport zu machen und es doch nicht schaffen, irgendwie körperlich in der Nähe von Bruce Willis zu landen? Und Bruce Willis ist mindestens 10 Jahre älter als um die vierzig. Und dass sie nach einer halben Stunde Laufen total kaputt sind und trotzdem behaupten: Das war super?“
„Nee, das wusste ich jetzt nicht. Man gut, dass ich nicht mehr um die vierzig bin. Und könntet ihr vielleicht kürzere Fragen stellen? Bei diesen ganzen Nebensätzen und Einfügungen komme ich immer in Tüttel und weiß nicht mehr, was ich antworten wollte.“
„Ok, Hans. Das verstehen wir. Was hat Dir denn beim Laufen besonders gefallen?“
„Der Typ mit dem freilaufenden Kampfhund, der plötzlich vor mir stand.“
„Vor dir stand ein freilaufender Kampfhund?“
„Sag ich doch. Und der Besitzer guckte etwas bösartig grinsend und machte mich mit erhobenem Zeigefinger darauf aufmerksam, dass ich mich vorsichtig bewegen solle, immerhin sei das ja ein Kampfhund.“
„Und was hast du gemacht?“
„Ich habe mich vorsichtig bewegt und ihn gebeten, den Hund anzuleinen.“
„Was er natürlich sofort getan hat.“
„Natürlich nicht. Hatte ich irgendwie auch nicht erwartet.“
„Und was hat Dir noch gefallen beim Laufen.“
„Das Grün der Blätter nach dem Regen.“
„Oh. Wir werden poetisch.“
„Das war so unglaublich grün, das Grün. So, so grün eben. Wie Salat.“
„Salat?“
„Das ist mal eine echt kurze Frage. Damit kann ich was anfangen. Die Blätter an den Bäumen sahen aus wie frischer Salat aus der Werbung für einen Burger.“
„Vielleicht satiniert?“
„Häh?“
„Sahen die Blätter wie satiniert aus? Satiniert wie Satin.“
„Ach, Satäng. Nee, die sahen nicht wie Satäng aus, eher satt. So ein sattes, helles, aber nicht aufdringliches Grün. Mehr ins gelbliche. Südhangmäßig. Goldig grün, könnte man vielleicht sagen. Oder blinzelnd.“
„Ein blinzelndes Grün? Ist es das, was Du uns sagen willst, Hans?“
„Im Prinzip ja. So lebendig. Als hätte jemand die Blätter gerade rausgehängt nach der Wäsche zum Trocknen.“
„Danke für das Gespräch, Hans. Gehst Du morgen wieder Laufen?“
„Klar, doch.“

Über persönliche Niederlagen

Hier eine Liste von persönlichen Niederlagen, von denen behauptet wird, dass sie trotz allem irgendwie nicht so schlimm sind:

  • Riesiger Marktplatz. Leer. Beim ausschweifenden Erklären des architektonisch und kulturhistorisch einmaligen Marktplatzensembles tritt man in den einzigen, frischen Haufen Hundekot in der Mitte des Platzes.
  • Es regnet genau an der Stelle, an der man steht. Nicht rechts oder links daneben. Niemand anderes wird nass.
  • Die Sonne scheint. Alle sind fröhlich, alle werden superschnell braun. Niemand bekommt eine unangenehm juckende Sonnenallergie mit Pusteln. Eine vorbeifliegende Möwe kackt einem auf die Schulter.
  • Beim Essen im Restaurant erhält man das einzige sehnig und trocken durchgebratene Stück Fleisch.
  • Beim Telefonieren draußen im Garten: Hörer zwischen Schulter und Ohr eingeklemmt, um für die Kinder im Planschbecken ein witziges Gesicht zu ziehen. Das Telefon ist das neueste, superteure iPhone. Es fällt während des Gesprächs ins Planschbecken. Die Kinder lachen.
  • Gartenarbeitsunfälle mit Harke, Forke, Spaten oder beim Rasen vertikutieren.
  • Haushaltsarbeitsunfälle mit Abwaschbürste, Geschirrhandtuch, heißen Herdplatten oder einem undichten Geschirrspüler.
  • Ausparken in der Tiefgarage. Einparken in der Tiefgarage. Aus- und Einparken auf einer viel befahrenen, rechtskurvigen Hauptstraße.
  • Sehr schnell und selbstbewußt Rennradfahren mit kaputter Handbremse ohne Helm auf abschüssiger Straße.
  • Allabendliche Sitzungshoheit über die Fernbedienung. Immer. Dann sind die Batterien alle oder der Fernseher kaputt.
  • Genial Kochen ohne Ahnung und Anleitung, anschließend das Silbertablett mit Akopatz sauberschrubben.
  • Weihnachtsessen an Weihnachten zum ersten Mal gekocht. Zerkocht. Verkocht.
  • Im falschen Moment eines der folgenden Wörter von sich geben: Upsala. Ohlala. Hoppla. Knorke. Dufte.

So, liebe Sonne, jetzt reicht's

Zehn Grad am 15.05. ist ein Arschloch! Um das mal ganz deutlich zu sagen. Ich erwarte, dass Du Dich ab morgen, nein, ab jetzt sofort anstrengst und mal so richtig scheinst. Verstanden?

Ich bin jetzt ein bisschen enttäuscht. Ich hatte gedacht, ich hätte mich klar ausgedrückt. Wärme, Sonnenschein, fünfundzwanzig Grad, aber Zack, Zack.

Ok. Wenn Du nicht willst, dann klären wir das jetzt mal zwischen uns. Wenn es mich hier nicht gäbe, hättest Du, äh, zum Beispiel nichts, was Du im Sommer braun werden lassen kannst. Also, wenn sich jetzt nicht bald was tut, bin ich weg.

Hatte ich irgendwie erwähnt, dass ich Beziehungen habe? Nach ganz oben? Über mir wohnt Herr Schmidt. Dem kann ich gerne mal Bescheid sagen.

Ich erwarte Sonnenstrahlen, gelblich blitzende, luftflirrende, wassererwärmende Lichtwellen, genau jetzt und hier. Warte, ich zeig noch mal wo: Hier!

Auf unserem Balkon gibt es nicht eine vertrocknete Pflanze, Mitte Mai! Ich bitte dich. Das kann jetzt nicht Dein Ernst sein. Letztes Jahr um diese Zeit zerbröselte selbst mein Kaktus, weil ihm zu heiß war.

Blick von meinen Balkon in den Garten am 15.Mai 2009:

Und was ich noch sagen wollte: Ich will Dir ja nicht drohen, aber ich kann Kung-Fu und, wenn ich will, rhythmische Bodengymnastik.

Warum habe ich immer Recht?

Ich wurde neulich in einem kurzen Gespräch bei einem kurzen Kaffee gefragt, warum ich immer Recht hätte. Ich wusste darauf nicht sofort eine Antwort, aber die Frage ließ mir keine Ruhe. Also ging ich in mich, und eine paar Tage später des Nachts, als die Zeit sich wie Kaugummi dehnte, sammelte ich die naheliegendsten Gründe. Hier also die Liste, warum ich immer Recht habe:

  • Ich sehe gut aus und komme sympathisch rüber.
  • Ich bin intelligenter als andere.
  • Ich heiße nicht Walter oder so ähnlich wie Walter.
  • Ich habe Humor.
  • In bestimmten Situationen habe ich keinen Humor.
  • Ich könnte in englisch Pommes mit Ketschup bestellen.
  • Ich kann kein Farsi (würde es aber gerne können).
  • Ich bin selbstbewusst, aber nicht eingebildet.
  • Ich habe schlechte Zähne, aber einen guten Zahnarzt.
  • Ich habe an der Stelle, wo viele nichts haben, Gehirn.
  • Ich habe an den Stellen, wo viele ihr Gehirn haben, keine Haare.
  • Mein Gehirn funktioniert besser als andere Gehirne.
  • Ich stehe mit meinem Gehirn auf Du und Du.
  • Ich duze mich selbst.
  • Ich erzähle mir Witze.
  • Ich lese auf dem Klo.
  • Ich erzähle mir auf dem Klo Witze.
  • Ich sage nur etwas, wenn ich genau weiß, dass das stimmt, was ich sage.
  • Meistens sage ich nicht viel.
  • Manchmal zähle ich leise und sehr langsam bis zehn.
  • Manchmal beim Zählen tue ich so, als hätte ich die Zahl zwischen 6 und 8 vergessen. Dann frage ich wildfremde Menschen, ob sie da vielleicht eine Lösung wüssten.
  • Ich weiß, wann man fragen muss.
  • Ich weiß nicht immer, wen man fragen muss.
  • Ich hasse Multiple-Choice-Frage-und-Antwortspiele (obwohl ich immer gewinne).
  • Ich war der einzige, der bei Trivial Pursuit die Frage beantworten konnte: „Welcher Eishockey-Torwart hat etwa 80% aller Schüsse auf sein Tor gehalten?“ – Tretjak.

Nachdem ich in dieser Nacht die Liste mehrmals aufgestellt und nichts verworfen hatte, schlief ich beruhigt ein. Ich hatte einen Traum in dem niemand mich mochte. Ich habe die Liste niemals veröffentlicht.

Hinfort mit den trüben Gedanken

Hans, woran denkst du gerade?
An gar nichts.
Das geht nicht. Jeder denkt an irgendwas.
Ich nicht.
Hans?
Ok. Ich war auf einer Party. Da waren auch Kinder.
Kinder?
Es war eine Nachmittags-in-den-Abend-übergehende-Party-inklusive-Kinder.
Und?
Das eine Kind hatte das Laserschwert aus Star Wars.
Das echte, wirklich echte Laserschwert?
Nein, natürlich nicht. Ein nachgemachtes mit Geräuschen und grün leuchtender Laserschwertklinge.
Wow.
Ja, wow. Das habe ich auch gedacht. Hab es mir geschnappt und damit rumgefuchtelt. Dann hab ich dem Jungen, dem das Schwert gehörte, gesagt, ich sei jetzt wie Joda. Da hat er mich angeguckt, als käme ich vom Mars und ganz trocken erklärt: Joda’s Schwert sei gar nicht grün. Folglich könne ich auch jetzt nicht Joda sein.
Ein Schlaubatz.
Was?
Der Junge war also ein echter Schlaubatz.
Das kann man wohl sagen. Ich werde nie wieder mit einem Laserschwert vor seiner Nase herumfuchteln.

Und sonst, Hans? Noch andere Gedanken?
Ich habe eine neue Phobie erfunden: Die Angst, einen Witz zweimal zu erzählen.
Wie geht das denn?
Auf derselben Party habe ich so gegen sieben Uhr einen Witz erzählt.
Und?
Dann habe ich bis zwölf aufgepasst, dass ich den Witz nicht nochmal erzähle.

Hans?
Ja?
Wie machst du das, an nichts zu denken? Und kannst du das immer? Oder nur zeitweise?
Wenn ich will, kann ich zum Beispiel einen ganzen Sonntag vor dem Fernseher verbringen und an nichts denken.
Und dieses Nichts, wie sieht das denn aus? Hat das eine Farbe oder Geschmack? Ist das Nichts vielleicht durchsichtig?
Das Nichts sieht aus wie ein Rauhaardackel. Ein kleiner, rachsüchtig-hinterhältiger Rauhaardackel.
Das ist jetzt nicht dein Ernst, Hans.
Doch. Und es fletscht die Zähne, das Nichts, es knurrt und bellt und haut mit einem grünen Star-Wars-Laserschwert wild um sich.
Hans?
Und da ich das nicht lange aushalte, denke ich dann doch an irgendwas. An Spaghetti-Eis oder so.
Danke, für das Gespräch, Hans.

Zur Zeit gibt es keine Entwürfe

„Wenn ich das Dashboard meines Blogs aufmache, steht da immer: ‚Zur Zeit keine Entwürfe‘. Was ist denn damit gemeint?“
„Was bitte ist ein Dashboard?“
„Ein was?“
„Ein Dashboard.“
„Das ist das womit man Waschen tut.“


„Ach so. Und ein Blog? Was ist das?“
„Das ist das wo immer steht: ‚Zur Zeit keine Entwürfe‘ und Bestandteil meiner Frage.“
„Wie war noch die Frage?“
„Was ist damit gemeint?“
„Womit?“
„ZUR ZEIT KEINE ENTWÜRFE!!!!!!!“
„Ich glaube, damit ist gemeint, dass es im Moment keine Entwürfe gibt. Global gesehen, meine ich.“
„Danke.“
„Global und in Griechenland.“
„Jetzt weiß ich Bescheid.“
„Sonst noch Fragen?“
„Ich saß gestern beim Arzt im Wartezimmer. Gegenüber blätterte eine ältere Dame mit angestrengt arrogantem Gesichtsausdruck in einer Illustrierten. Vor ihr parkte ein Rollator der Marke Troja. Muss mir das irgendwas sagen?“
„Nö.“

Über die Zukunft

Hans. Machst Du dir Gedanken über die Zukunft?
Na, klar. In vierzig Jahren ist das Erdöl alle. Dann quietschen die Fahrräder.
Ach.
Und es gibt kein buntes Plastik mehr. Nur noch receyceltes Parkbankgrün und Fußmattenbraun.
Wie positiv, Hans. Noch etwas anderes, was die Zukunft bringt?
Elektro-Einrad-Autos. Handschmeichler aus einem schweinedarmähnlichen Material (wie Bratwürste). Tiere, die vorne und hinten gleich aussehen.
Oh oh.
Wiederverwertbare Zeitungsartikelinhalte. Reis mit einer Garzeit von fünf Sekunden. 800-seitige Instantromane.
Mensch, Hans.
Seife, Haarwaschmittel und Zahnpasta mit Geschmack wie Zuckerwatte.
Gibt’s schon.
Wasser mit und ohne Kohlensäure.
Gibt’s auch schon.
Mode von Leuten mit komischen Haarschnitten. Mode von Leuten mit normalen Haarschnitten. Mode von Leuten ohne Haare.
Hans? Geht’s noch?
Luftschiffe. Es wird Leute geben, die in Luftschiffen leben. Und Kekse essen, die krümeln. Und die Krümel fallen dann den Leuten unten auf den Kopf.
Hans?
Glühwürmchenlampen, die französisch sprechen und einen hinterindischen Dialekt, in dem der Buchstabe x keine Rolle spielt.
Hans? Wir gehen dann.
Kühe, die auf Hochhausdächern grasen und über den Rand kacken. Funktionierende, Wasser-auch-am-Rand-nicht-durchlassende Duschvorhänge. Nicht-fusselnde, dunkelblaue Badehandtücher von Möve.
Jetzt reicht’s aber, Hans.
Intelligente Unterhaltungen. Wirklich witzige Fernsehserien. Gutaussehende Politiker und gute Politik.
Mann, du bist aber auch einer, Hans.
Sprechende Echsen. Denkende Krapfen. Tanzende, kugelrunde Geleebananen.
Tschüs, Hans.
Katzenförmige, selbstwinkende Autoblinkanlagen. Bellende Haustüren. Barfüßige Glasscherben- und Hundekot-Warner. Parkplatzfreihalter. Bessere Einsichten.
Wir sind dann weg, Hans.