Nashorn und andere Gedichte

Nashorn
Das Panzernashorn „Pater Paul“ platscht planlos in ein tiefes Loch.
Dort sitzt es noch.

Hundehalter
Der Hundehalter Hubert H.
steht grübelnd vor dem Haufen da.
Ist das nun seines Hundes Haufen oder der vom Nachbarhund?
Der ist nämlich so rund,
sowohl der Haufen als auch der Hund.

Der Besserwisser
Am Besten ist es auf der Welt,
wenn er mal seine Klappe hält.
Noch besser für den ganzen Rest,
wenn er das Denken auch noch lässt.

Der freie Wille
Am Schlimmsten für den freien Willen,
sind Nachbarn, die im Garten grillen.

Tierische Schönheiten
Schöne Zähne, Augen, Beine
haben Haie, Kühe, Schweine.

Du sollst nicht Duschen gehn
Vom Himmel kommt heut nichts als Wasser,
das Duschen heute lass er.

Kung-Fu

Ich habe mein Kung-Fu wiedergefunden. Lag unter den Winterklamotten im Kleiderschrank. Neben den Schafwollsocken vom Handwerkermarkt. Ich hatte noch gedacht „Meine Güte, dass sieht ja aus wie mein Kung-Fu!“ und siehste, da war’s.

Ohne mein Kung-Fu geh ich eigentlich nicht aus dem Haus, aber das letzte halbe Jahr war schon komisch. Irgendwie Kung-Fu-los. Morgens müde, mittags kein Appetit und abends Überdruss. Mit meinem wiedergefundenen Kung-Fu sieht das Leben total anders aus. Irgendwie supererer. Ok. Ein vollkommenes Kung-Fu-Ok.

Ich hab mir mein Kung-Fu dann auch gleich wieder aufgesetzt. Ist klar, werden einige jetzt denken, sieht aus, als hätte er einen Fiffi auf dem Kopf, ein Haartrennteil, Haarersatzteil, Haaransatzdingsbums. Ist aber nicht so, ist ein inneres Kung-Fu außen getragen.

In manchen Gegenden der Welt werden Kung-Fu’s zum Trocknen auf die Leine gehängt:

Mein Ruhe-Kung-Fu liegt bei unter 60 Schlägen pro Minute. Dann ist aber auch totale Ruhe. Kurz danach kommt der Kung-Fu-todesähnliche-Zustand.

Mein Schlaf-Kung-Fu lege ich abends neben das Bett zum Wecker. Manchmal höre ich dann ein leises Schnarchen, eine Art Kung-Fu-Ratzen. Ist irgendwie beruhigend.

Mein Lieblings-Kung-Fu ist das, wo die dunkle Seite nach innen gedreht ist. Die dunkle Seite der Macht natürlich. Und wo er zu ihm sagt: „Luke, ich bin dein Vater.“

Das Haupt-Kung-Fu besteht aus Substantiv, Prädikat und Objekt. Recht hat er, mein alter Deutschlehrer. Ohne Substantiv ist Halbsatz.

Lieber ein buntes Kung-Fu auf dem Kopf als gar nichts.

Love, Love, Love.

Ich liebe deinen Mund nach einer Schüssel Schokoladenpudding.
Ich liebe deine Augen. Das eine guckt mich an, als ob es einen Silberblick hat, wo das andere ist, weiß ich im Moment nicht.
Ich liebe deine Zähne. Und das grüne Stückchen Spinat rechts oben zwischen Schneidezahn und dem daneben.
Ich liebe dich, wenn du kicherst und lächelst in der Nacht.
Ich liebe dich, wenn du ‚Nihilismus‘ sagst, auch wenn du nicht weißt, dass ich weiß, dass du weißt, dass ich nicht weiß, was das heißt.
Ich liebe dich, wenn ich nach dem Essen leise eine Tüte Chips esse und du so tust, als wäre das gar nichts.
Ich liebe dich, wenn du mir sagst, ich sähe super aus, trotz Doppelkinn und Bauchansatz links, rechts, vorne und, äh, hinten.
Ich liebe alles, was du sagst denkst fühlst und möchtest. Auch deine Taschen.
Ich liebe deine Schuhe und das, was du anhast, wenn du barfuß durch die Gegend läufst.
Ich liebe dich, wenn du beim Schluss von „Jerry Maguire“ heulst. Und beim Schluss von „Frühstück bei Tiffany“. Und mitten drin bei „Pretty Woman“. Und beim „Dschungelbuch“ wenn Balou zum ersten Mal auftritt und du jedes Mal (Tränen lachend) sagst, der hätte gar keine Ähnlichkeit mit mir.
Ich liebe dich trotzdem.
Ich liebe dich immer.
Ich liebe dich.

Angerufen

„Hans! Ist es wahr? Du hast es tatsächlich getan?“
„Wasdennwasdennwasdenn?“
„Du hast SIE angerufen?“
„Oh, das meint ihr. Na, klar hab ich sie angerufen.“
„Wie kam es denn dazu?“
„Ja, das war so. Als eines Tages Gott Hermann schuf und dann die Michaela…“
„Hans, Du meinst jetzt nicht Adam und Eva?“
„Ja doch. Als also Gott eines Tages…“
„Hans, wieso hast Du SIE angerufen?“
„Ich bin heute morgen aufgewacht und habe gedacht: Na, dann ruf ich eben mal Madonna an.“
„Und da hast Du das einfach gemacht? Was hat SIE denn gesagt?“
„Hallo, hier ist Jutta.“
„Äh, wie jetzt?“
„Ja, das hat mich auch gewundert. Aber ich bin dann ganz schnell dahintergekommen. Madonna tut am Telefon so, als sei sie Jutta, damit sie nicht von jedem Hans und Franz belästigt wird.“
„Hans und Franz?“
„Das sagt man doch so. Ich hab dann gesagt: ‚Ja, Tag auch Madonna, hier ist der Klaus.“
„Und Sie?“
„Nee, nee. Hier ist nicht die Madonna. Hier ist die Jutta.“
„Und Du?“
„Ja, nee, hier ist auch gar nicht der Klaus, hier ist der Hans.“
„Und Sie?“
„Hier ist immer noch Jutta.“
„Wie lange ging das denn so?“
„Ja, vieleicht achtzehn Mal.“

Stille. Dann grunzt jemand.
„Hans? Hast Du gegrunzt?“
„Ja, wieso?“
„Ja, wieso? Hans, überleg mal. Erst telefonierst Du mit Madonna und dann grunzt Du. Das muss doch was zu bedeuten haben.“
„Ich grunze nur, wenn ich mich wirklich wohl fühle.“
„Dann ruf doch morgen noch mal Madonna an.“

Teppichverlust

Mal was ganz anderes. Es ist ja bekannt, dass Teppiche sinnbildlich für alles mögliche stehen. Glaube ich. Oder meine mich zu erinnern. Oder irgendjemand hat mir davon erzählt. Wie auch immer, Teppiche sind nicht nur Teppiche, sondern auch was ganz anderes. Zum Beispiel kann man von einem Teppichverlust sprechen, wenn man etwas ganz anderes meint. Da steht Teppich nämlich für ‚Realität‘. Wenn also jemand nicht mehr ganz da ist (nicht hier sondern dort oder woanders), dann spricht man auch von Realitätsverlust. Damit sich das nun nicht ganz so beleidigend anhört, wenn jemand zu jemand anderem sagt: „Also hör’n ’se mal, Sie ham ja wohl einen kompletten Realitätsverlust!“, könnte man doch einfach runterkommen von der hohen Palme der Besserwisserei, sich downen oder coolen oder wie das heißt, und ganz kurz, so zwischen Tür und Angel, anmerken: „Sagen Sie mal, haben Sie etwa Ihren Teppich verloren?“. In einem Meeting mit dem kompletten Firmenvorstand der Firma in der man arbeitet, von der man lebt, auf deren Wohlwollen und Weiterbeschäftigung man angewiesen ist, käme die Anmerkung: „Meine Güte! Wo haben Sie denn Ihre Teppiche gelassen?“ doch ansprechend ehrlich und der Situation angemessen rüber, oder? Besser als: „Ham Sie ’n Rad ab?“

Anderes Beispiel: Ich gehe spazieren oder Walke mit Stöckchen so durch die Gegend oder trabe als Sparjogger langsam um eine Ecke und trete, unbeabsichtigt aber von anderen beobachtet, in einen Haufen Hundescheiße. Ich weiß, man soll nicht ‚Scheiße‘ sagen, meint zumindest meine Mutter, aber ‚Hundekot‘ oder ‚Hundeenddarmausscheidung‘ bringt eben nicht dieses Gefühl rüber, das man hat, wenn man tatsächlicherweise derjenige welche ist, der in diejenige welche hingetreten ist. Und um also in solch einem Moment lautstark auf das eigene Missgeschick aufmerksam zu machen (diejenigen, die’s gesehen haben, wissen sowieso Bescheid, die andern sollen’s jetzt auch noch hören), brüllt man zukünftig nicht mehr: „Ach du Schande, ich bin in Hundescheiße getreten!“, sondern: „Oh, mein Gott, wie weich ist dieser Hundeteppich!“

Noch ein paar Beispiele.
„Ich habe Teppich.“ statt: „Ich habe eine leichte Magenverstimmung, Kopfschmerzen, Ellenbogenziehen und eine verdrehte Wirbelsäule aufgrund beidseitiger Spreiz-Knick-Senk- und Plattfüße.“
„Ham’se mal ’nen Teppich?“ anstelle von „Ham’se mal ’nen Euro?“
Frage: „Wie geht’s denn ihrem Chef, diesem miesen Widerling von zahlungsverschleppendem Etwas?“ Antwort: „Ist vom Teppich überfahren worden.“

Wie wir sehen, stehen Teppiche für einiges. Mir fällt da noch der Bundesteppich ein oder das Bundesteppichamt oder…

Mitteilung über einen nicht veröffentlichten Brief

Ich habe im Urlaub einen dreiseitigen Brief an Herrn Gauck über Herrn Gauck, Herrn Wulff und die Bundespräsidentenwahlveranstaltung geschrieben, den ich nicht abgeschickt habe und hier auch nicht veröffentliche. Das wollte ich nur mal mitteilen. Stattdessen einige private Anmerkungen zum Thema.

Ich glaube nicht an Bundespräsidenten. Mit Pech bleiben die nur ein Jahr.

Wie kann man eigentlich neun Stunden damit zubringen, jemanden zu wählen, dessen Wahl von vornherein feststeht? Das ist doch Zeitverschwendung.

Ist 10-minütiges rhythmisches Klatschen nach einem gewonnenen dritten Wahlgang eine neue Form von gemeinschaftlicher Sportgymnastik? Eine Art Gruppenaerobic im Anzug?

Kann ein Bundespräsident anschließend, also nachdem er 10 Jahre Bundespräsident war, noch Bundeskanzler werden? Und verdient er dann dasselbe nochmal obendrauf?

Ich möchte nicht Bundespräsident werden. Ich wüsste gar nicht, was ich mit dem ganzen Geld machen soll, wenn ich mich nach einem Jahr seitwärts in die Büsche schlage.

Das Schönste an der Bundespräsidentenwahl war der Wahlkampf. Ganz Hamburg war vollgepflastert mit Plakaten der Kontrahenten. Über 30 Tage fanden alle drei Stunden in Hamburg gutbesuchte Wahlveranstaltungen statt. Ich hatte wirklich das Gefühl: Da bin ich mittendrin. Ich habe hier echt die Chance, etwas zu verändern. Meine Stimme zählt.

Das Zweitschönste an der Bundespräsidentenwahl waren die neun Stunden unerträgliche Spannung beim Warten auf ein endgültiges Ergebnis. Und selbstverständlich die unglaublich treffsicheren Kommentare der öffentlich-rechtlichen Medienvertreter.

Was sagt eigentlich ein Bundespräsident zu jemandem, den er nicht mag? Ihre Intelligenz unterfordert mich.

Lasse nie einen Bundespräsidenten im Regen stehen. Er könnte anwachsen.

Gedanken über Vögel

Vögel können fliegen, weil sie Unterarmmuskeln haben wie Supermann Oberschenkel (oder wie Arnold Schwarzenegger Gehirnstränge).

Vögel können fliegen, weil sie diesen unglaublich aerodynamisch geformten Körper haben. Bis auf diese Taube, die sich neulich vor meinen Augen aus dem 12.Stock in die Tiefe stürzte. Die hatte die Form einer getöpferten Teekanne, die Farbe eines Lehmklopses und obendrauf steckte sowas wie ein Stöpsel, das war wohl der Kopf.

Die beiden Taubenkinder, die diese Drecksviecher von Taubeneltern bei unseren Nachbarn einen Stock tiefer auf dem Balkon großziehen, nenne ich Scylla und Charybdis. Das sind die beiden Monster der griechischen Mythologie, die den Eingang zur Straße nach Messina bewachen oder die Straße selbst oder so. Es handelt sich auf jeden Fall um eine Wasserstraße, da bin ich mir sicher. Scylla ist das unangenehmere der beiden Taubenkinder. Es hat den Schnabel immer geöffnet und quiekt leise vor sich hin. Das Quieken hört sich unglaublich echt an wie: Ich bin klein, einsam und habe immer Hunger. Immer. Charybdis hat den stechenden Blick eines Mathelehrers, der einen Schüler beim Abschreiben erwischt hat. Es ist dieser gehässige Blick, kurz bevor der Lehrer dem Schüler mitteilt, dass er ihn erwischt hat.

Ein Möwenleben hat, ähnlich wie ein Taubenleben, nur einen Sinn, wenn man eine Möwe ist. Für einen Menschen macht ein Möwenleben einfach zu wenig her. Schreien. Jagen. Fressen. Kacken. Immerhin soll ja ein Möwenschiss auf Kopf oder Schulter Glück bringen. Das habe ich noch nie von Mensch oder Hund gehört.

Zumindest ein bisschen Dankbarkeit haben Tauben oder Möwen verdient. Ähnlich viel wie zum Beispiel Fliegen. Gäbe es keine Vögel, wäre der Himmel über Hamburg und anderswo doch ziemlich öde, leer und langweilig.