Teppichverlust

Mal was ganz anderes. Es ist ja bekannt, dass Teppiche sinnbildlich für alles mögliche stehen. Glaube ich. Oder meine mich zu erinnern. Oder irgendjemand hat mir davon erzählt. Wie auch immer, Teppiche sind nicht nur Teppiche, sondern auch was ganz anderes. Zum Beispiel kann man von einem Teppichverlust sprechen, wenn man etwas ganz anderes meint. Da steht Teppich nämlich für ‚Realität‘. Wenn also jemand nicht mehr ganz da ist (nicht hier sondern dort oder woanders), dann spricht man auch von Realitätsverlust. Damit sich das nun nicht ganz so beleidigend anhört, wenn jemand zu jemand anderem sagt: „Also hör’n ’se mal, Sie ham ja wohl einen kompletten Realitätsverlust!“, könnte man doch einfach runterkommen von der hohen Palme der Besserwisserei, sich downen oder coolen oder wie das heißt, und ganz kurz, so zwischen Tür und Angel, anmerken: „Sagen Sie mal, haben Sie etwa Ihren Teppich verloren?“. In einem Meeting mit dem kompletten Firmenvorstand der Firma in der man arbeitet, von der man lebt, auf deren Wohlwollen und Weiterbeschäftigung man angewiesen ist, käme die Anmerkung: „Meine Güte! Wo haben Sie denn Ihre Teppiche gelassen?“ doch ansprechend ehrlich und der Situation angemessen rüber, oder? Besser als: „Ham Sie ’n Rad ab?“

Anderes Beispiel: Ich gehe spazieren oder Walke mit Stöckchen so durch die Gegend oder trabe als Sparjogger langsam um eine Ecke und trete, unbeabsichtigt aber von anderen beobachtet, in einen Haufen Hundescheiße. Ich weiß, man soll nicht ‚Scheiße‘ sagen, meint zumindest meine Mutter, aber ‚Hundekot‘ oder ‚Hundeenddarmausscheidung‘ bringt eben nicht dieses Gefühl rüber, das man hat, wenn man tatsächlicherweise derjenige welche ist, der in diejenige welche hingetreten ist. Und um also in solch einem Moment lautstark auf das eigene Missgeschick aufmerksam zu machen (diejenigen, die’s gesehen haben, wissen sowieso Bescheid, die andern sollen’s jetzt auch noch hören), brüllt man zukünftig nicht mehr: „Ach du Schande, ich bin in Hundescheiße getreten!“, sondern: „Oh, mein Gott, wie weich ist dieser Hundeteppich!“

Noch ein paar Beispiele.
„Ich habe Teppich.“ statt: „Ich habe eine leichte Magenverstimmung, Kopfschmerzen, Ellenbogenziehen und eine verdrehte Wirbelsäule aufgrund beidseitiger Spreiz-Knick-Senk- und Plattfüße.“
„Ham’se mal ’nen Teppich?“ anstelle von „Ham’se mal ’nen Euro?“
Frage: „Wie geht’s denn ihrem Chef, diesem miesen Widerling von zahlungsverschleppendem Etwas?“ Antwort: „Ist vom Teppich überfahren worden.“

Wie wir sehen, stehen Teppiche für einiges. Mir fällt da noch der Bundesteppich ein oder das Bundesteppichamt oder…

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