Im Ernst jetzt?

„Stellst Du bitte morgen früh meine Zahnbürste in die Ladestation?“
„Hans, was soll das sein?“
„Ja, äh, ein Lied. Ich habe ein Lied geschrieben über ein Paar, welches sich darüber einigt, wem am Abend und wem am Morgen die Ladestation der Zahnbürste gehört.“
„Und was ist so inhaltlich das Thema Deines Liedes?“
„Gesellschaftskritik, ein monumentales Liebesdrama und ein bisschen über Ladestationen.“
„Danke, Hans. Und das meinst Du im Ernst?“
„Wie ‚im Ernst‘? Ich meine hier gar nichts im Ernst.“
„Gibt es denn nichts auf der Welt, das Du wirklich wichtig nimmst, Hans?“
„Lass mich mal nachdenken, äh, nö. Nichts.“
„Ist Dir vielleicht etwas Besonderes passiert heute? Hast Du nichts zu berichten?“
„Doch. Das mit der Ladestation für die Zahnbürste.“
„Das hatten wir doch schon, Hans. Dein Lied, Du erinnerst Dich?“
„Nee, nee, nix Lied. Ich bin heute morgen aufgewacht, rechten Fuß raus auf den Bettvorleger, aufgestanden, ausgerutscht, Steiß gestoßen.“
„Die Ladestation, Hans.“
„Durch den Flur ins Badezimmer, linker Fuß kleiner Zeh: Hängengeblieben am Türrahmen vom Schlafzimmer. Eis aus dem Tiefkühlfach, Stirn an Tiefkühltruhe angedengelt.“
„Aha.“
„Geschimpft, geflucht, ins Bad. Badezimmerschränkchentür aufgerissen wegen Pflaster für Stirn und kleinen Zeh. Alles, ich meine wirklich alles, inklusive Schränkchen selbst, fällt runter, raus, rums.“
„Schlimm, Hans. Ganz schlimm.“
„Das Schränkchen hing über’m Klo. Und auf dem Schränkchen stand die Ladestation für die Zahnbürste.“
„Im Ernst jetzt?“
„Im Klo. Ich kann meine Zahnbürste künftig im Klobecken aufladen. Und dann kam das mit der Scheibe.“
„Welche Scheibe? Die Fensterscheibe im Badezimmer? Die auch noch?“
„Nee, die Scheibe Toast. Hatte sich im Toaster verklemmt. Ich mit dem Messer.“
„Hans, jetzt sag bitte nicht: Mit dem Messer.“
„Ich also mit dem Messer drin rumgepuhlt im Toaster. Richtig ordentlich einen gewischt bekommen.“
„Das wird ja echt tiefenphilosophisch hier, Hans. Tiefenphilosophisch.“
„Kopf zurück in’n Nacken. Knack.“
„Nackenknack?“
„Aber Hallo, sach ich mal.“
„Hans, Du redest so komisch. Hast Du etwa getrunken?“
„Nicht die Bohne. Einen Schnaps zur Beruhigung. Vor dem Kaffee. Und einen nachher. Anschließend bin ich dann verhaftet worden. Also nach dem vierten Schnaps“
„Verhaftet.“
„Ja, ich stand alkoholisiert, riechend, nackend im Flur draußen vor meiner Tür und zappelte wild mit den Armen, weil ich so dringend mal musste.“
„Warum bist Du denn nicht einfach wieder reingegangen?“
„Tür zu, Schlüssel steckte von innen.“
„Im Ernst jetzt?“
„Ja. Und da hätte wohl jeder ein Lied geschrieben, oder?“
„Danke, Hans. Wir wissen Bescheid.“

One comment on “Im Ernst jetzt?

  1. schindelschwinger sagt:

    ..darauf einen schnaps. prost! und bis sonntag!

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