Was ich können möchte

„Hans. Heute kommen wir zum Thema Wünsche, Sehnsüchte und sonstige Ungereimtheiten.“
„Häh?“
„Was möchtest Du gerne können, Hans? Gehe in Dich, denke nach und antworte erst dann.“
„Also, …“
„Erst nachdenken.“
zzzzzzzzzzzhhhhhmmmmmm

„Ich würde gerne ein Buch über die Kulturgeschichte der Neuzeit lesen, etwa 1.800 Seiten, und dann, wenn mich jemand fragt, wie ich denn die Essenz des Buches mit einem Satz oder zwei beschreiben würde, eine kluge, wohldurchdachte, genialisch anmutende Antwort geben. Einfach so. Aus dem Stand heraus. Und den Namen des Autors hintendran.“
„Super Wunsch das, Hans. Hast Du vielleicht noch etwas Einfacheres?“
„Ich würde gerne mit einem Griff in eine Tüte Salzstangen genau die Salzstange herauspicken, die am knusprigsten ist und die meisten Salzkrümel hat.“
„Äh, ja, Hans. Wie jetzt? Geh’n da auch Brezeln?“
„Nö. Nur Salzstangen. Dann würde ich gerne, in dem Moment, wo ich mir genau diese Salzstange raus fingere, einen wirklich witzigen, nicht anstößigen, intelligenten Witz erzählen, dessen Pointe nach etwa zwei kurzen Sätzen kommt. Ein Witz den jeder auf Anhieb versteht.“
„Hans, so kennen wir dich gar nicht.“
„Ich würde dann weiterhin auf diverse Bilder deuten, – das Ganze mit der Salzstange und dem Witz findet auf einer Vernissage von Daniel Richter im Keller der Hamburger Kunsthalle statt, zu der ich nicht gerade exklusiv, aber fast exklusiv eingeladen wurde, – und deute dann also auf einige der großflächig buntbemalten Bilder und erkläre ohne viel Brimborium deren Sinn, Inhalt, Herkunftsgeschichte und ihre Einordnung in die vielfältige Welt der modernen Malerei.“
„Daniel Richter? Woher kennst Du den denn?“
„Während ich da so vor mich hin parliere über dies und das und die Kunst im Allgemeinen, kommen die Museumsdirektorin, der Kurator für neuere und moderne Kunst und der zukünftig für Kultur und Wissenschaft zuständige Senator wie zufällig auf mich zu, begrüßen mich herzlich und fragen nach meinen Eindrücken und einem kurzen Exkurs über die gerade in Berlin zu Ende gegangene Frida Kahlo Ausstellung. Ich gebe treffsichere und anekdotenreiche Kommentare von mir, der Senator holt mir zum Dank ein kühles frischgezapftes Bier.“
„Hans, nun übertreibst Du aber. Ein frischgezapftes Bier? Vom Senator?“
„Ihr habt mich gefragt. Ihr wolltet das wissen.“
„Danke, Hans. Wir gehen in uns, denken nach und fragen nächstes Mal was anderes.“
„Ich hätte da noch mehr…“
„Nee, nee. Lass mal gut sein.“

One comment on “Was ich können möchte

  1. schindelschwinger sagt:

    ja, hans, und ich wünschte, dass es beim feilen meiner nägel nicht immer so nach horn röche!

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