Lord Conroy Darbow Earthmyst III.

Wie schon im vorherigen Artikel erwähnt, verstarb Lord Conroy, der älteste bekannte Indianer der Welt, mit 114 Jahren, weil er absurderweise rückwärts auf seinem Pony durch einen Wald ritt. Dabei dengelte er mit seinem schon haarlosen Hinterkopf an einen tiefhängenden Ast und das war’s dann. In einem äußerst freundlichen Kommentar wurde auf eine anschließende Auferstehung Lord Conroys als Lori Lemur hingewiesen, erstaunlich ist der dazu gelieferte Videobeweis.

Das es nun leider nicht mehr möglich ist, Interviews mit Lord Conroy zu führen, bekanntlich sprechen Tote und Lemuren recht wenig, folgen hier nun einige wertfrei zusammengestellte Anekdoten aus dem Leben des großen Indianers.

Wie Lord Conroy zu seinem Namen kam
Als junger Indianer traf Conroy den sehrsehrsehr berühmten und völlig uneitlen Häuptling Sitting Bull. Der hatte gerade eine Schlacht erfolgreich geschlagen und war in Geberlaune. Da er nichts weiter besaß, verschenkte er Namen. So kam Conroy zu Darbow und Earthmyst. Der eine Name erinnerte Sitting Bull an eine koffeinfreie Kaffemarke, den anderen verstand er als Würdigung eines vollkommen unbekannten Erdnebelgeistes – wovon Sitting Bull jedoch niemandem etwas mitteilte. Er vergab Namen und Conroy Darbow Earthmyst durfte sehn, wie er damit zurechtkam.
Später traf Conroy dann den „Mann, den sie Pferd nannten“. Der war, wie er behauptete, Lord und zu Hause gäbe es noch einen Lord mehr, nämlich seinen Vater. Conroy war begeistert. Zu Ehren dieses zweilordigen Mannes, eines, unter uns gesagt, lausigen aber charakterköpfigen Schauspielers, gab er sich nun selbst den Lordstitel und zwar den dritten in der Reihenfolge der Lords, von denen er wußte. So kam Lord Conroy zu seinem Namen.

Wie Lord Conroys Frau hieß und wie er sie rief
Lord Conroys Frau war eine als Kind mit ihren Eltern nach Amerika eingewanderte und dann von Indianern gekidnappte Finnin. Kennt man ja. Braucht man auch gar nicht drüber zu lamentieren, das ist nun mal so. Sie hieß Mielikki Lemmikki Kastelhelmi Hakaleinen Holopainen Jupp, womit sie in der Summe zwei Namen mehr besaß als Lord Conroy, wenn man seinen Titel nicht mitzählte. Conroy entschied daher kurz nach der Hochzeit, sie ‚Frau‘ zu nennen, nicht dass da jemand noch auf falsche Gedanken käme. Als ‚Frau‘ starb, trauerte Conroy Darbow Earthmyst siebzig Tage und Nächte. Er hatte ‚Frau‘ sehrsehrsehr geliebt und, wenn sie in den kalten Winternächten ganz nah beieinander lagen, leise Mielikki gerufen, sein heimlicher Lieblingsname.

Unerfüllte Erwartungen

Als Gregor Samsa an diesem einen, ihm bestimmten Morgen aufwachte, hatte er gewisse Erwartungen an den neuen Tag. Sein Pech, dass er, als Bestandteil einer Geschichte Franz Kafkas, auf dem Rücken liegend die Augen öffnen musste. Nichts an diesem und allen anderen Tagen wurde so, wie er sich das vorgestellt hatte. Er blieb den Rest seines Lebens ein Käfer.

Harry Houdini, der weltbekannte und sehr kurze (um die 150 cm) Entfesselungskünstler, hatte geplant, seinen Lebensabend als Rentier in Florida, genauer gesagt in Key West, mit einer riesigen Ansammlung Mai Tais, Kaluhas und ein paar netten Pokerpartien zu verbringen. Er starb nach einem Faustschlag in den Magen an einer Appendizitis mit anschließender Bauchfellentzündung im Alter von nur 52 Jahren.

Paris, Silvesterabend 1970. Der Exilperuaner Ramon Ramon Jaime Mueller entscheidet sich spontan, seinem Leben ein Ende zu setzen. Er plant einen unerlaubten, tödlichen Sprung vom Eiffelturm. Als er dort ankommt, darf er sich in eine Schlange von einem halben Kilometer Länge einreihen. Am frühen Morgen des ersten Januar 1971, nachdem er Achtstundenundfünfundvierzigminuten angestanden hatte und endlich in den Fahrstuhl nach oben (ins Glück, in den Tod) steigen durfte, war er so entnervt vom langen Warten, dass er unverrichteter Dinge (und lebend) wieder nach Hause marschierte. Er starb (seltsamerweise) im Alter von 98 Jahren in Key West während einer Pokerpartie. Das hatte er nicht erwartet.

Der älteste bekannte Indianer der Welt (Lord Conroy Darbow Earthmyst III., genannt „der fliegende Pinguin“) starb mit 114 Jahren rückwärts auf einem Pony durch einen Wald reitend, weil er mit seinem Kopf an einen niedrighängenden Ast andengelte. Seine letzten Worte: „Verfluchte Sch$%§$!“ – tatsächlich hatte er sich seinen Tod etwas heroischer vorgestellt.

Der Sachbearbeiter Horst P. der AOK Nord, zuständig für die Inseln Pelworm, Poel, Borkum und Norderney litt Zeit seines Lebens an einem kleinen Sprachfehler. Er sagte immer Bellworm, Böll, Porkum und Morderney. Deswegen, so meinte er, wurde er bis zu seiner Rente im Jahre 1989 nie befördert. Recht hat er gehabt. Die Welt ist unfair, hinterlistig und gemein.

Der dramatische dänische Schauspieler Rumgard Rasmussen spielte nie den Hamlet im berühmten ‚Det kongelige Teater‘ in Kopenhagen – auch wenn er sich das so sehr gewünscht hatte. Stattdessen wurde er an der deutsch-dänischen Grenze bei Padborg berühmt als der ‚Poelsemann‘ (erste Tankstelle rechts, dann links hinten auf dem Parkplatz). Risted Hotdog med det hele en roede poelser. Roede groede med floede. Tak for det.

Ich habe gestern Lotto gespielt. Keine Zahl richtig, auch nicht die Zusatzzahl. Das hatte ich mir anders vorgestellt.

Als Gott

„Als Gott SonneMondundSterne endlich fertiggestellt und sich ein paar Tage ausgeruht hatte, kamen IHM noch ein paar Ideen zu Varietäten von Adam und Eva, einfach so, um der ganzen Sache ein bisschen mehr Pfiff zu geben. Also erschuf ER am elften Tag einen Mann mit sehr vielen Haaren am ganzen Körper außer am Kopf. Dann erschuf ER (nacheinander): Einen Inder, einen Chinesen, einen grünäugigen Indianer, eine fischäugige Mongolin, einen armen Russen und einen reichen, einen habgierigen Vermieter, eine gemeingefährliche Toilettenfrau, eine hübsche Friedhofsgärtnerin und ihren Hund Rumba, einen schwulen Barbier samt Freund, ein trauriges Ehepaar, einen einarmigen Banditen, einen Müllwagenfahrer, eine freundliche Damenoberbekleidungsfachverkäuferin mit Hang zu romantischen Groschenromanen und eine Frau Doktor der Vergleichenden Literaturwissenschaften (und Mathe, Physik, Astrophysik, Griechisch und irgendwas mit China). Danach erschuf Gott einen zwiebelessenden Gesundheitsfanatiker, einen Akupunkteur mit schlechtem Gewissen und eine ältere Dame mit Rollator auf dem Weg zum Einkaufen. ER erdachte und kreierte einen bigotten, amerikanischen Prediger, einen infamen, verlogenen Dreckskerl und einen Mörder, anschließend ein Huhn, einen Hahn und einen Mann, dem von Geburt an das rechte Ohr fehlte. ER erfand eine kränkliche Hausangestellte, einen holländischen Honk und einen Hundebesitzer mit Depressionen und Plattfüßen, einen bärenstarken Zirkusartisten und eine elfengleich herum hüpfende Frau mit kleinen, schiefstehenden Schneidezähnen, einen Liebhaber mit nachlassender Sehstärke und einen schwergewichtigen, birnenförmigen Tierschutzfanatiker, einen somnambulen Briefmarkensammler und eine ätherisch riechende, spielsüchtige Dirne, einen drogenabhängigen komischen Bäcker und einen sinnentfremdet lächelnden Komapatienten, einen freiheitsliebenden Sozialhilfeempfänger und einen Menschen mit Beinen wie Korkenzieher. ER erschuf einen talentierten Maler und Bildhauer, einen verrückten Aktionskünstler, eine sinnliche Tänzerin, einen hilflosen Sänger und die Beatles. Und nach all dem und allem anderen und noch viel mehr erschuf ER dann ganz zum Schluss MICH.“
„Danke, Hans. Jetzt wissen wir Bescheid. Wir hatten gedacht, Du wärst einfach so geboren worden.“

Bademeisterbauch

Anbei einige Anmerkungen über Projektionen, Bademeister und dicke Bäuche.

Ich bin ein Projektor. Wir sind Projektionsflächen, wir werden projiziert und wir projizieren uns.

Aha. Ich, Bademeister des Freibades Boltenhagen, bin eine Werbefläche. Hunderte von Augenpaaren sind auf mich gerichtet, wenn ich das große Becken umrunde, einsam, wölfisch, steinernen Blickes, Knick-Spreiz-Senk-und-Plattfuß. Da heißt es: Bewege dich ganz natürlich, sei Du selbst, sei wie Du immer bist: Selbstbewusst, freundlich mit einem Hang zur Unnahbarkeit, distanziert höflich, intelligent oberflächlich. Und: Ziehe den Bauch so ein, dass niemand merkt, dass Du gerade den Bauch einziehst. Ich bin sozusagen dieser Baywatch-Typus, kernig unterernährt, immer wachsam, immer gut drauf, immer hungrig. Als Projektionsfläche stellen sich die Leute genau das vor. Und im Prinzip bin ich auch so. Ich habe auch eine gewisse Ausstrahlung, zumindest stelle ich mir das vor, wenn ich mich mir vorstelle, wie ich da um den Pool hechle.

Zunächst habe ich nichts Witziges über Projektionsflächen gefunden. Dann habe ich festgestellt, dass nur eine Sache noch witziger ist: Die Aussage „Ich bin ein Toaster“ aus dem Film „Simon, der Außerirdische“. Dass das witziger ist, liegt daran, dass niemand außer mir diesen Film kennt. Außerdem kann ich mir diesen Imperativ von Kant einfach nicht merken. Ging der nun „Was die Kuh nicht will, will der Bauer schon lange nicht.“ oder „Geb dir keine Mühe, der Bauer der hat Kühe.“?

Mir sind dann doch noch zwei Dinge eingefallen: Dass wir Projektionsflächen sind, wenn andere uns beobachten, und dass wir ein Bild projizieren, wenn wir uns beobachten lassen. Und als was man meinen dicken, runden Bademeisterbauch auch sehen kann: Tiefenentspanntes Bauchmuskelfleisch.

Über Langeweile

Langeweile ist das, was die Ägypter hatten, als sie auf die Idee kamen, die Pyramiden zu bauen. Langeweile hatte derjenige, der die Wüste erfunden hat. Langweile ist das, was man empfindet, wenn man mit Drei-Tage-Grippefieber im Bett liegen muss. Tot sein ist zum stinken langweilig, ebenso herbstliche Blätter zusammen harken, Treppen fegen und Bücher über Statistik lesen. Langeweile ist auch eine Frage des Standpunkts. Wäre ich zum Beispiel der  Chefstatistiker des statistischen Bundesamtes für Statistik und statistische Berechnungen, gehört, statistisch gesehen, Langeweile zum Arbeitsalltag und ist somit nicht langweilig. Bin ich tot, weiß ich nicht mehr, was Langeweile ist und als Harke wäre es für mich das Größte zu harken. Als Wüstengecko würde ich dem Erfinder der Sanddüne die Füße küssen und als Chefägypter fände ich eine Pyramide einfach total cool. Uncool und bis zum Abwinken langweilig ist: Waschmittelfernsehwerbung, Bierwerbung, Kinder-Bueno-Werbung, Werbung für jegliche Art von Autos, sonstige Süßigkeiten und Outdoor-Kleidung.

Und hier ein Statement zur Kurzweiligkeit: Die Beatles sind nicht nur ok, sie sind die ok-sten überhaupt. Ich sag nur: All you need is love. Das ist nicht langweilig, war nie langweilig und wird niemals langweilig werden. Wenn jemand morgens aufwacht und ihm ein fröhliches Love love love über die Lippen kommt, dann geht an diesem Tag alles. Alles gelingt, alles ist richtig und fühlt sich gut an. Nichts an diesem Tag wird langweilig sein, Happyness all over the world. Das Leben ist ein Ponyhof und der Urlaub ist zu Ende.

Nackicht

„Hallo, hallo Hans! Wie siehst Du denn aus? So, so -“
„Nackicht?“
„Das trifft es ziemlich genau, Hans. Im Prinzip, also auf den ersten Eindruck, wenn man nicht so genau hinguckt, siehst du vollkommen exakt und in aller Totalheit absolut und übersichtlich nackt aus. Das hat bestimmt einen Grund, oder?“
„Ja. Genaugenommen zwei Gründe. Der erste ist, dass meine Unti zur Wäsche musste.“
„Moment, Hans. Was meinst Du mit ‚meine Unti‘? Doch nicht wohl das, was wir jetzt vermuten?“
„Doch, doch. Ist natürlich auch ein ungünstiger Zeitpunkt, jetzt, hier im Waschsalon. Aber sie wollte unbedingt gewaschen werden.“
„Und da hast Du die Chance genutzt und gleich alles andere mit gewaschen.“
„Ja. Da fühlt sie sich auch gleich wohler. Nicht so allein in der Waschtrommel und so. Ihr wisst schon.“
„Deine Unti. Wir reden hier im Ernst von Deiner Unti?“
„Unti und Hemdi und Hosi und Socki links und rechts. Und Unterhemdi natürlich.“
„Unterhemdi. Und deshalb stehst Du also schöpfungsentsprungen, gleichsam selbstnatürlich auf den Grundlagen dieses unseres freiheitlichen Waschsalons und wartest nackicht auf deine Wäsche?“
„Ja, wenn ihr das so sehen wollt. Im Prinzip schon. Aber eigentlich steh ich hier barfuß auf den Fliesen und frier mir einen ab. Außerdem gucken die Leute schon komisch.“
„Tja, Hans. Wie das wohl kommt.“
„Hab ich auch schon gedacht. Und deshalb habe ich mir diesen zweiten Grund ausgedacht. Nämlich mehr so künstlerisch-existentialistisch. Grundlage ist der Gedanke der persönlichen Unabhängigkeit von allem und der freie Wille.“
„Von allem?“
„Von all dem und allem anderen. Ich stehe hier, weil ich nicht anders kann und nicht, weil meine Unti dreckig ist. Ich bin eine Art Protest als Kunstwerk.“
„Genau das denkt man als erstes, wenn man Dich hier so sieht: Mein Gott, was für ein Kunstwerk!“
„Seht ihr, das hab ich mir nämlich auch überlegt. Wenn man sich den Leuten so zeigt, wie man wirklich ist, dann kommt dabei auch echt was rüber.“
„Und was kommt da so rüber?“
„Philosophie. Impressionismus. Existenzminimum. Nähe und Zuversicht.“
„Kostenloser, grenzenloser Spaß?“
„Ja genau. Kost ja nix, ist alles umsonst.“
„Umsonst, Hans. Das kann man sehen. Oh, ich glaube deine Unti ist fertig.“
„Ja, jetzt kommt der Trockner. Halbe Stunde. Dann ist alles erledigt.“
„Gut Hans. Wir gehen jetzt erst mal nach draußen und klären die Leute auf. Die haben schließlich auch ein Recht auf das, was wir jetzt wissen.“
„Ok. Alles klar. Soll ich noch ein bisschen Zappeln oder Steppen?“
„Nee, nee, bloß nicht Hans. Das lass jetzt mal. Man soll es auch nicht übertreiben. Nackicht an sich reicht schon. Zappeln stört da nur diesen immanenten Prozess des Protestes, wenn Du verstehst, was wir meinen.“
„Immanent ist gut. Dann setz ich mich einfach ans Fenster und winke den Leuten zu. Das geht doch oder?“
„Ja, ja. Hans. Super Idee das. Und Tschüs.“

Der vierte-Stock-Blog macht jetzt zwei Wochen Urlaub. Hans suchen und seine Unti.

Was ich mir für Deutschland wünsche…

Deutschland soll niemals von Aliens besetzt werden.
Eine Alienbegrüßungsanlage wie die Schiffsbegrüßungsanlage in Willkomm-Höft an der Elbe.

Eine offizielle Genehmigung zum Anbau von Reis in der Hamburger Innenstadt.
Eine unbegrenzte Ausfuhrgenehmigung für Spieluhren, Gartenzwerge und Kassettenrekorder auch in Krisengebiete.
Die Abschaffung von Fahrstühlen.
Ein im Grundgesetz festgeschriebenes Recht auf die Benutzung von Ikea-Möbeln ohne komische Anmerkungen von Ikea-Design-Gegnern.
Bushaltestellen im vierten Stock.

Mikroben.
Mikroben, die weggeworfene Kaugummis fressen.
Mikroben, die nicht eingesammelten Hundeauswurf vernichten und die entsprechenden Hundebesitzer großflächig mit roter Farbe markieren.

Freiheit. Gleichheit. Brüderlichkeit. Gerechtigkeit. Atmungsaktive Turnschuhe für alle.
Zimmerpflanzen mit Geschmack wie Ahoi Brause Waldmeister.
Holzschuhe, früher Botten genannt, mit hinten zu.

Das Gefühl, das ich hatte, als ich das erste Mal einen Bundeswehr Parka trug, damals, als es noch total cool war, einen Bundeswehrparka zu tragen.
Das Gefühl, das Brokdorf damals doch nicht ans Netz gegangen ist.
Das Gefühl, gut aufgehoben zu sein und in einer sicheren Welt zu leben.
Das Gefühl, dass die Aliens auch nicht mehr das sind, was sie einmal waren.

Ein Mars, ein Snickers und ein Raider.

Gute Werbung.
Gute Produkte.
Gute Menschen.
Gute Nacht.

Le Tartar

„Guten Morgen. Ich hätte gerne 350 Gramm Tartar.“
„Aha.“
„Ja. Und ich würde gerne wissen, ob der Tartar da frisch ist.“
„Moment bitte. Günter komm doch ma. KS.“
„Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“
„Was ist denn KS?“
„Klugscheißer.“
„Oh.“
„Ja, also, was wollten Sie bitte?“
„Ich wollte wissen, ob der Tartar frisch ist.“
„Das heißt Tatar. Wie Tata. Nicht Tartar. Wir sind hier schließlich nicht in der Mongolei.“
„Und der Tata? Ist der denn frisch?“
„Selbstverständlich von heute. Ist heute morgen gemacht worden.“
„Heute also. Irgendwann heute morgen? War’s noch dunkel oder schien schon die Sonne?“
„So gegen 6:30 Uhr. Müsste hinkommen.“
„Sechsdreißig. Nicht nullsechshundert? Oder nullsechshundertfünf?“
„06:30 Uhr. Können wir jetzt weitermachen? Die Leute hinter Ihnen werden langsam ungeduldig.“
„Vonner Kuh oder nem Bullen?“
„Was jetzt?“
„Der Tata.“
„Kuh.“
„Milchkuh? Braun oder Schwarzbunt?“
„Schwarzbunt.“
„Name des Vaters?“
„Auch Günter.“
„Nicht Ihr Vater. Der der Kuh.“
„Ludger.“
„Ludger? Das ist doch kein Name für eine Kuh.“
„Ein Bulle. Der hieß ‚Ludger von der Höh komm ich auf euch nieder‘.“
„Was ist das denn für ein Name?“
„Weiß ich auch nicht. Steht so im Schlachtbuch.“
„Und die Kuh? Wie hieß die?“
„Halbzeitpfiff.“
„Ach.“
„Der Bauer ist Mittelfeldspieler beim FC.“
„War die Kuh glücklich?“
„Ilse! Komma. War die Gisela eigentlich glücklich?“
„Ich dachte die hieß Halbzeitpfiff?“
„Gisela Halbzeitpfiff. Stand neben Bianca Borntobewild.“
„Der Bauer war irgendwie ein bisschen anders, oder?“
„Die Kuh war glücklich. Vorne wie hinten.“
„Was soll das jetzt wieder heißen: Vorne wie hinten?“
„Ja, wir hatten mal ’ne Kuh, die war vorne glücklich und hinten rum depressiv. Vorne Hui und hinten Pfui sozusagen.“
„Das Tata – von wo ist das denn jetzt?“
„Tatar. Das heißt Tatar. Von oben. Mittehintenoben. Nähe Popo. Noch Fragen?“
„Nee, dann nehm ich das jetzt.“
„So, macht vierfuffzich.“
„Und die Tüte?“
„Welche Tüte?“
„Kostet die extra?“
„Ich hau Ihn’n gleich die Tüte.“
„Also nix extra. Von wo is die denn?“
„Indien. Wir lassen unsere Tata-Tüten nur in Indien fertigen. Von einarmigen Nonnen unter Wasser geklöppelt.“
„Bitte?“
„Keine Kinderarbeit. Echte Nonnen. Sieht man doch, oder?“
„Auf der Tüte steht ‚Made in China‘.“
„Waren chinesische Nonnen. Der Nächste bitte.“