Bademeisterbauch

Anbei einige Anmerkungen über Projektionen, Bademeister und dicke Bäuche.

Ich bin ein Projektor. Wir sind Projektionsflächen, wir werden projiziert und wir projizieren uns.

Aha. Ich, Bademeister des Freibades Boltenhagen, bin eine Werbefläche. Hunderte von Augenpaaren sind auf mich gerichtet, wenn ich das große Becken umrunde, einsam, wölfisch, steinernen Blickes, Knick-Spreiz-Senk-und-Plattfuß. Da heißt es: Bewege dich ganz natürlich, sei Du selbst, sei wie Du immer bist: Selbstbewusst, freundlich mit einem Hang zur Unnahbarkeit, distanziert höflich, intelligent oberflächlich. Und: Ziehe den Bauch so ein, dass niemand merkt, dass Du gerade den Bauch einziehst. Ich bin sozusagen dieser Baywatch-Typus, kernig unterernährt, immer wachsam, immer gut drauf, immer hungrig. Als Projektionsfläche stellen sich die Leute genau das vor. Und im Prinzip bin ich auch so. Ich habe auch eine gewisse Ausstrahlung, zumindest stelle ich mir das vor, wenn ich mich mir vorstelle, wie ich da um den Pool hechle.

Zunächst habe ich nichts Witziges über Projektionsflächen gefunden. Dann habe ich festgestellt, dass nur eine Sache noch witziger ist: Die Aussage „Ich bin ein Toaster“ aus dem Film „Simon, der Außerirdische“. Dass das witziger ist, liegt daran, dass niemand außer mir diesen Film kennt. Außerdem kann ich mir diesen Imperativ von Kant einfach nicht merken. Ging der nun „Was die Kuh nicht will, will der Bauer schon lange nicht.“ oder „Geb dir keine Mühe, der Bauer der hat Kühe.“?

Mir sind dann doch noch zwei Dinge eingefallen: Dass wir Projektionsflächen sind, wenn andere uns beobachten, und dass wir ein Bild projizieren, wenn wir uns beobachten lassen. Und als was man meinen dicken, runden Bademeisterbauch auch sehen kann: Tiefenentspanntes Bauchmuskelfleisch.

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