Le Tartar

„Guten Morgen. Ich hätte gerne 350 Gramm Tartar.“
„Aha.“
„Ja. Und ich würde gerne wissen, ob der Tartar da frisch ist.“
„Moment bitte. Günter komm doch ma. KS.“
„Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“
„Was ist denn KS?“
„Klugscheißer.“
„Oh.“
„Ja, also, was wollten Sie bitte?“
„Ich wollte wissen, ob der Tartar frisch ist.“
„Das heißt Tatar. Wie Tata. Nicht Tartar. Wir sind hier schließlich nicht in der Mongolei.“
„Und der Tata? Ist der denn frisch?“
„Selbstverständlich von heute. Ist heute morgen gemacht worden.“
„Heute also. Irgendwann heute morgen? War’s noch dunkel oder schien schon die Sonne?“
„So gegen 6:30 Uhr. Müsste hinkommen.“
„Sechsdreißig. Nicht nullsechshundert? Oder nullsechshundertfünf?“
„06:30 Uhr. Können wir jetzt weitermachen? Die Leute hinter Ihnen werden langsam ungeduldig.“
„Vonner Kuh oder nem Bullen?“
„Was jetzt?“
„Der Tata.“
„Kuh.“
„Milchkuh? Braun oder Schwarzbunt?“
„Schwarzbunt.“
„Name des Vaters?“
„Auch Günter.“
„Nicht Ihr Vater. Der der Kuh.“
„Ludger.“
„Ludger? Das ist doch kein Name für eine Kuh.“
„Ein Bulle. Der hieß ‚Ludger von der Höh komm ich auf euch nieder‘.“
„Was ist das denn für ein Name?“
„Weiß ich auch nicht. Steht so im Schlachtbuch.“
„Und die Kuh? Wie hieß die?“
„Halbzeitpfiff.“
„Ach.“
„Der Bauer ist Mittelfeldspieler beim FC.“
„War die Kuh glücklich?“
„Ilse! Komma. War die Gisela eigentlich glücklich?“
„Ich dachte die hieß Halbzeitpfiff?“
„Gisela Halbzeitpfiff. Stand neben Bianca Borntobewild.“
„Der Bauer war irgendwie ein bisschen anders, oder?“
„Die Kuh war glücklich. Vorne wie hinten.“
„Was soll das jetzt wieder heißen: Vorne wie hinten?“
„Ja, wir hatten mal ’ne Kuh, die war vorne glücklich und hinten rum depressiv. Vorne Hui und hinten Pfui sozusagen.“
„Das Tata – von wo ist das denn jetzt?“
„Tatar. Das heißt Tatar. Von oben. Mittehintenoben. Nähe Popo. Noch Fragen?“
„Nee, dann nehm ich das jetzt.“
„So, macht vierfuffzich.“
„Und die Tüte?“
„Welche Tüte?“
„Kostet die extra?“
„Ich hau Ihn’n gleich die Tüte.“
„Also nix extra. Von wo is die denn?“
„Indien. Wir lassen unsere Tata-Tüten nur in Indien fertigen. Von einarmigen Nonnen unter Wasser geklöppelt.“
„Bitte?“
„Keine Kinderarbeit. Echte Nonnen. Sieht man doch, oder?“
„Auf der Tüte steht ‚Made in China‘.“
„Waren chinesische Nonnen. Der Nächste bitte.“

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