Depression

Hans, was machst Du, wenn Du Depression hast?
Ehrlich?
Ja, Hans. Immer.
Ich pupse solange, bis ich vor Tränen lachen muss.
Und wenn das nicht hilft?
Musik hören, aus dem Fenster gucken, in der Nase puhlen, am Kopf kratzen, nicht nachdenken, nicht ans Telefon gehen, horchen ob es klopft und nicht die Tür öffnen, so tun als hätte ich ein Glasauge, so tun als hätte ich ein Holzbein, wütend werden, duschen, essen, Chips essen, Schokolade essen, Kekse essen, Hühner zählen, in Gedanken jemanden verprügeln, Hustenanfälle imitieren, Holz hacken, Streichhölzer suchen, Glühlampen auswechseln, hungern, Hals verrenken. Reicht das?
Fürs erste, Hans. Und was machst Du, wenn Du keine Depression hast?
Dasselbe.
Aha. Und sonst so?
Ich habe gedacht, ich feiere ganz groß das Fest der deutschen Einheit. So mit ganz vielen Leuten die mich alle mögen und gerne mit einem tollen Geschenk vorbeikommen.
Das ist ja interessant. Können wir auch kommen?
Ja gerne. Ihr wärt dann die ersten.
Wie ‚die ersten‘?
Na, alle anderen kommen nicht, können nicht oder wollen mit mir nichts mehr zu tun haben.
Hans, wirklich? Wie viele hast Du denn eingeladen?
Zwei.
Oh.
Ja, das hab ich dann auch gedacht.
Hans?
Ja?
Wir lieben Dich.
Super.
Hast Du wegen diesem Fest der Einheit Depression?
Das ist ja noch nicht.
Und wenn es dann doch ist? Hast Du dann Depression?
Nö, ich geh einfach auch nicht hin und pups mir einen.
Hans. Nächstes Mal reden wir über anderes, ok?
Ok.

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