Herbsteszeit

Abends war der Tag wie immer: Die Sonne ging unter, ich nahm noch einen Schluck Wasser und schlief in einer Art Ohnmachtsanfall sofort ein. Kurz darauf ging es dann los mit dem Traum. Wie schon Eingangs erwähnt, fühle ich mich im Herbst immer wie eines dieser Blätter, die gelblich-braun ihr Leben hingeben, wie jetzt, das hatte ich noch nicht erwähnt? Da kann man mal sehen, wo ich mit meinen Gedanken bin, jedenfalls, auch wenn ich es noch nicht erwähnt hatte, wie jetzt, das mit dem Blatt und dem gelblich-braun hatte ich doch schon erwähnt? Ja gut, gerade eben, ok, wenn man das so sieht dann ja, ich also auf dem Boden liegend vor diesem Baum, ich als Blatt natürlich, wie jetzt, natürlich ist das in diesem Traum von dem ich gerade erzähle, oder sehe ich aus wie ein Blatt? Sieht irgendetwas an mir aus wie ein Blatt? Ok, die gelbliche Haut unter den Augenringen mag den einen oder anderen an ein Blatt erinnern, aber sehe ich aus wie ein Blatt? Nein, also kann ich jetzt fortfahren? Ich also in diesem Blätterhaufen unter dem Baum, natürlich waren da auch andere Blätter, klar oder? Es ist Herbst, H-E-R-B-S-T, und ob da auch Igel waren? Wo jetzt? Und wieso überhaupt Igel? Ich bin da dieses Blatt im lauen Herbstmorgensonnenaufgang und dämmere langsam versiechend vor mich hin, mein kurzes Blätterleben zieht wie ein Film vor mir vorbei, in Schwarzweiß oder Farbe? Meine Güte: Farbe! Ja, in diversen Grüntönen zieht da also mein bisheriges, auf Monate beschränktes Dasein an mir vorüber und Sie fragen mich nach Igeln? Gut, wenn Sie es unbedingt wissen müssen: Rechts neben dem Plätzchen, das ich mir im Traum als Blatt als Landepunkt meines Herabfallens ausgesucht hatte, steckte im Laubhaufen ein Igel. Kann ich jetzt? Wie Männchen oder Weibchen? Woher soll ich das denn wissen? Können Sie einen männlichen von einem weiblichen Igel unterscheiden? Im Traum? Hah! Wenn Sie ihn umdrehen? Warum sollte ich als im Herbstwind segelndes Blatt einen Igel umdrehen? Ich scheiß auf Ihren Igel, Igel interessieren mich nicht. Darf ich jetzt? Also beruhigen wir uns wieder, wo war ich, ach ja, ich liege da also als gelblich-verblichenes Blatt unter dem Baum, da kommt Gott vorbei in Gestalt eines Grüne-Latzhose-Trägers mit Gebläse und Kopfhörer, Gott trägt keine Kopfhörer? Woher wollen Sie das denn wissen? In meinem Traum trug er, wie jetzt Ohrschutz? Sie meinen, dass was er da trägt war kein Kopfhörer? Wieso auch? Wieso sollte Gott beim Laubblasen Kopfhörer tragen? Das weiß ich doch nicht, ich bin ja nicht Gott, ich bin dieses Blatt zu seinen Füßen, Gummistiefel? Jawohl, Gott trägt Gummistiefel bei der Arbeit, darf ich jetzt? Also, jetzt kommt’s, er, wer? Er natürlich, Gott in Gestalt eines Landschaftsgärtnerfachgehilfen, meine Güte, er will gerade sein Gebläse voll auf mich draufhalten, gut vielleicht war es auch ein Laubsauger, aber das spielt hier überhaupt keine Rolle, ja, wenn Sie meinen, dann spielt es doch eine, wie dem auch sei, er hält genau auf mich zu, pustend oder saugend ist mir da in meinem Traum total egal, die Igel? Was die Igel gemacht haben? Dazu äußere ich mich nicht. Er hält also auf mich drauf und genau da geht diese Maschine übern Jordan, wieso übern Jordan? Das sagt man doch so, sie geht also genau in dem Moment kaputt, Maschinen gehen nicht übern Jordan? Keine Ahnung, wie sie da rüber kommen, fliegen? Vielleicht schmeißt jemand kaputte Maschinen einfach über den Jordan auf die andere Seite nur um die dort drüben zu ärgern, was weiß ich denn, mir jedenfalls als Blatt, als dämlich-gelbes, ist in meinem Traum nichts passiert, das ist doch ein gutes Zeichen oder was sagen Sie, da kann man sich doch richtig freuen morgens beim Aufstehen? Da kann einem so ein regengetränkter grau-nebliger Herbsttag wie heute überhaupt nichts, da steh ich dann doch voll drüber. Ob ich noch etwas von den Igeln gehört habe? Nein, nicht dass ich wüsste, vielleicht auch übern Jordan? Was weiß ich denn?

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