Ich also in den Laden rein

Ich also in den Laden rein und als erstes sagt sie zu mir: Hallo. Ich zu ihr ebenfalls: Hallo. Das ist so schön unverbindlich und unverkrampft, kommt bei mir besser an als: Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen, da sag ich dann immer gleich zu mir, leise und in der dritten Person: Ihm? Ihm können Sie nicht helfen. Ihm ist überhaupt nicht zu helfen, da ist nichts recht zu machen heute, ihm ist nämlich von Grund auf Übel. Dann guck ich hoch, ist ein Klamottenladen oder Schuhe oder Sport oder Sale oder Sonderverkaufe von bäste ware ausse ganze weld oder Angora Unterwäsche, ich guck also hoch und frag ihn oder sie oder wer auch immer wagte zu fragen, ob ersiees mir helfen könne: Haben Sie auch Seife? Nein, mein Herr, wir führen keine Seife. Und welche mit Orangengeschmack? Haben Sie welche, die wie frischgepflückte Orangen riecht? Auch nicht, mein Herr, wir verkaufen DOB, Damenoberbekleidung. Grüne Seife vielleicht? Oder Seife mit der man auch einen Pool reinigen kann? Nicht? Das ist schade. Dann gehe ich wieder raus, weil ich sowieso keine DOB kaufen wollte und es auf den Tod nicht ausstehen kann, wenn mich beim Reingehen schon jemand von der Seite anspricht: Kann ich Ihnen helfen? Wie in der Sesamstraße: Hey Du! Ich? Psssssst! Willst Du ein A kaufen? Nein, ich will kein A kaufen, sag ich dann zu dem Mann im Mobilfunkladen, dunkelhaarig, schlechten Geschmack im Mund, keine Freunde und wenig Hirn, sag ich zu dem: Handpuppen von Grobi führen Sie aber nicht? Ist klar, sagt er und ist kurz davor mir bedenkenlos eine aufs Maul zu hauen, geh ich doch besser wieder raus und sag noch im Rausgehen: Ein E? Wollen Sie ein E kaufen? Oder K wie Kermit? Ist rein aus Frust das mit den Leuten in den Läden, die Läden sind mittlerweile so verdammt groß leer oder groß und leer oder vollkommen und absolut vereinsamt und die Sachen sind deshalb so teuer, dass man ohne Hals rein und mit so einem Hals wieder rauskommt. Neulich eine Mütze mit Schal, sehr schick, sehr wollig, dieser total moderne gebrauchte Look nach etwas, das meine Oma auch so gestrickt hätte, neulich also Mütze und Schal auf den Tresen gelegt in diesem Laden, sagt er zu mir: Super Auswahl super die Sachen stehn dir echt super hundertachtzig Euro bitte. Das selbe im selben Tonfall meinte er dann zum nächsten Kunden nur mit einem höheren Preis. Den hatte ich sowieso gefressen, weil er auch noch den passenden Pullover dazu gewählt hatte, hab ihn dann vorgelassen wegen Portemonnaie suchen und Geld vergessen und Karte auch und so. Also frage ich den Typen hinterm Tresen, ob man hier auch rote Beete bekommen könne und wenn nicht dann wo. Draußen bin ich dann zur Information rüber ran an die Frau hinterm Informationsstandorttresen mit integriertem Fernseher im Displayquerformat inklusive gelangweiltem Gähnen dieser Frau da hinterm Tresen auf die Frage, wo ich denn bitte die Servicewüste finden könne, dort sei doch das mit den Schafen? Welche Schafe? Mufflons, sage ich, hier ist doch diese Ausstellung mit den Mufflons und dem Schäfer und seinen Hunden? Häh? Ist hier nicht das Outdoormuseum Kiekeberg (ausgesprochen im improvisiert-englischen ich-habe-mich-verlaufen-Tonfall: outdoormjusium keikiebörg?) Woraufhin sie natürlich sofort den Wachdienst ruft, der kommt angewackelt im Anzug, schlabbrig-grauer Faltenwurf, viel zu groß und ausgebeulte dunkle Wanderturnschuhe für die endlosen Tagesreisen im Einkaufszentrum, und fragt mich doch ernsthaft, und fragt mich doch wirklich ernsthaft: Na, wie können wir Ihnen denn helfen? Da sag ich doch wieder zu mir selbst ganz leise das mit dem Grundübel und ihn frage ich nach Seife mit der man auch Autos waschen kann, aber nur kleine Autos, die von Matchbox mit den Hotwheels, er wisse schon, aber nicht dass hinterher die Hotwheels kaputt wären oder so. Er nickt Wachmannweise und zieht von dannen auf eine weitere Runde durch den Einkaufspalast. Die Dame hinter dem Tresen unter dem bunt flackernden Hilfsfernsehprogramm mit Dauerwerbung für die Dinge, die wir alle schon haben, ist eingenickt und zur Seite gesackt. Vielleicht ist sie auch einfach nur gestorben, denke ich, und erwecke sie mit einem kurzen Fingerschnippen wieder zum Leben. Ich geh dann mal wieder, sag ich, sagt sie: Ja, Schafe. Ich mich auch.

One comment on “Ich also in den Laden rein

  1. schindelschwinger sagt:

    guten morgen bruderherz und alles gute zum geburtstag!
    mögen die sorgen dir immer fern bleiben! hakuna matata!
    http://www.youtube.com/watch?v=3IuLjWoEtr8&feature=related

    lass dir die krabbeltiere schmecken, schleimig – aber vitaminreich!

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