Danke sagen

Hans, ist es wahr? Du hast geübt? Was denn?
Danke sagen.
Wie das? Warum musst du das extra üben, jeder kann doch Danke sagen.
Nee, nicht jetzt normal Danke wie beim Schlachter oder beim Friseur. Danke für die Wurst oder Danke für die Frisur, die hätte ich auch selber hinbekommen.
Du warst beim Friseur? Wieso das denn?
Nur so zum Beispiel. Wenn der Friseur mit einem fertig ist, kann man Danke sagen oder: Ich danke Ihnen, Ihrer Mutter, Ihren Kindern, Ihrer ganzen Familie und dem Volk von dem Sie weg sind, dass Sie sich herabgelassen haben, hienieden unter uns Menschlichen ein Dasein als Friseur zu fristen und dass Sie ihren ersten wirklichen Schnitt bei mir versucht haben. Danke, danke, danke.
So bedankst du dich für einen zehn-Euro-Schnitt? Ist das nicht ein bisschen übertrieben, Hans?
Nur zum Beispiel. Neulich war ich ja bei der Oscar-Verleihung und als ich dann dran war…
Dran war? Du hast einen Oscar bekommen? Für welche Rolle, Hans? Sag schon.
Ist nur ein Beispiel, ich finde, man sollte vorbereitet sein, wenn es soweit ist. Nicht wie diese Schauspieler, die vor totaler Überraschung heulend hinter dem Mikro stehen, schnappatmend versuchen ihr Makeup nicht zu verschmieren, um dann kurz vor der Ohnmacht ihren Eltern und dem Regisseur zu danken. Wenn mir das passiert, bin ich vorbereitet. Ich habe meine Dankesrede immer dabei, soll ich mal?
Klar, Hans, mach nur. Uns überrascht nichts mehr an dir.
Danke, dass Gandhi in echt anders aussieht als der Gandhi im Film Gandhi und dass das gar nicht der echte Gandhi war, sondern ein anderer, der so getan hat, als sei er Gandhi. Danke, dass ich manchmal glaube, dass ich der einzige bin, der diesen Unterschied bemerkt hat. Danke, dass ich deshalb zum Film gegangen bin und trotz Segelohren, großer Füße und der Silhouette einer Kegelrobe diese Chance erhalten habe. Danke an meine Mutter für meine unbeschwerte Kindheit und die Werbespots für Hansaplast, Pattex und Ich-bin-zwei-Öltanks, und danke an Onkel Rudi, der mir mit sechs Jahren erklärte, was Rheumatismus ist. Danke, dass ich nicht aussehe wie der Hund unseres Nachbarn und auch nicht wie unser Nachbar selbst, dann hätte ich womöglich nur die Nebenrolle bekommen. Danke an Gisela für den ersten Kuss und ihren anschließenden Kommentar, danke für das erfolglose Vorsprechen bei E.T. als E.T und danke für meine erste klitzekleine Sprechrolle in dem vollkommen unbekannten B-Movie ‚Der Tag an dem John Denver Leaving on a Jet Plane veröffentlichte‘. Danke, Danke, Danke.
Hans?
Ja?
Du hast jetzt nicht einen Rheumatismus-geplagten, übergewichtigen, hässlichen, außerirdischen Hund mit Gandhi-ähnlichen Lebensansichten gespielt, der so singt wie John Denver?
Nee, phft, die Rolle hatte George Clooney in Batman, glaube ich.

2 comments on “Danke sagen

  1. Lieber Kay,
    jetzt weiß ich gar nicht, was ich sagen soll – Danke für den Dank?
    Na, da fällt mir doch etwas besseres ein…
    Morgen…

    Gute Nacht!

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