Tapirman nimmt Abschied

Ich sage hier und heute Goodbye, Tschüs, Adele und Servus, macht’s gut, bis dann, Ahoi, lebt wohl, weil, ich geh jetzt. Zwanzig Jahre habe ich hier im Zoo von Hamburg das Tapir gegeben, bin tagein tagaus in diesem wirklich furchtbaren Tapirkostüm herumgedackelt und habe die Besucher, die Hamburger, ja, die ganze Welt über das Wesen und Dasein des Tapirs aufgeklärt, jetzt ist es vorbei. Ich berichte nichts mehr über meinen empfindsamen Rüssel, mein feist swingendes Hinterteil oder meine enge Verwandtschaft zur Giraffe, die ja nichts anderes ist als ein schlimm verwachsenes Tapir mit Fehlfarbendruck. Ich werde nichts vermissen, nicht meine Tapirhufimitationen und auch nicht meine Besuche in den Hamburger Schulen als der Tapirman, der Superheld mit Tapirkostümumhang in rotem Schlüpfer. Meine Aufforderung an die Schüler der 6b, sie mögen mir doch bitte einen großen, freilebenden, nicht ausgestorbenen Vogel nennen, wurde mit Bibo! beantwortet, Bibo! Wo kommen wir denn da hin? Zwanzig Jahre Tapir und nicht ein Funken Respekt. Nein, nein, ich gehe im Unfrieden und beleidigen lass ich mich schon lange nicht mehr: Hey, du altes Tapir! Du Rüsselschnauze, du Glattlederwackelhintern. Es reicht. Ich entfleuche jetzt mit einen freundlichen Tapirgrunzer nach Australien. Dort gründe ich eine Modezeitschrift, ein Fitnessstudio für Mollige und einen Streichelzoo für Ratten. Selbst Schuld, sag ich da mal.

Der letzte Sommertag

Ich ging also in diesen Laden rein und fragte, ob sie noch einen letzten Sommertag hätten. Er, der Chef, neben ihm seine Frau Ilse, schüttelte bedauernd den Kopf, hier gäbe es nur Nägel, Schrauben und Beschläge, oder Ilse? Ilse nickte und bestätigte. Aber vielleicht noch im Keller irgendwo, ganz hinten unten rechts, da wo es schon muffig riecht, da liegt vielleicht noch einer? Nein, schüttelte er wieder den Kopf, etwas weniger bedauerlich, oder Ilse? Ilse nickte bestätigend. Oben im Regal vielleicht, hinter den Ersatzteilen für Bügeleisen und Elektrorasierer? Gucken Sie doch mal da, ich bräuchte nur einen letzten Sommertag, das wäre es dann auch schon. Er, im mittleren älteren Alter streckte seinen Rücken durch und meinte freundlich aber bestimmt ablehnend: Wir führen keine letzten Sommertage, wir machen in Schrauben, Eisenteilen und Kleinteileelektronik, was meinst du, Ilse? Ilse bestätigte mit einem Nicken. Und unterm Tresen? Vielleicht haben Sie noch einen letzten Sommertag unterm Tresen und wissen das gar nicht, nur einen Blick bitte. Er blickte, schüttelte den Kopf, sah seine Frau Ilse an, die auch noch mal nachschaute und ebenfalls bestätigend verneinte. Wir haben keine letzten Sommertage, haben wir auch nie gehabt, kriegen wir auch nicht mehr rein, zu wenig Nachfrage. Ich bräuchte nur einen einzigen, es kann auch gerne ein gebrauchter sein oder einer vom Vorjahr. Es muss jetzt auch kein Top-Modell sein, nur der letzte Sommertag, das müsste er schon sein. Was ist nun? Letzte Sommertage sind aus. Futschikato, verstehen Sie? Nada, nicht da, nix gut, wech, alle letzten Sommertage sind wech, oder Ilse? Ilse zuckte bedenklich missverständlich mit ihrer linken Schulter. Sehn Sie, ich wusste es doch, irgendwo haben Sie noch einen letzten Sommertag, vielleicht sogar etwas günstiger, mit ein bisschen Rabatt? Ilse übernahm jetzt langsam das Kommando in unserem kleinen Verhandlungsmarathon und verzog ihre bisher herabhängenden Mundwinkel zu einem Anflug von einem Lächeln. Dann stieß sie ihrem Mann einen Ellenbogen in die Seite: Nun hol ihn schon, den letzten Sommertag, gibt ja nicht so viele, die danach fragen. Eben, meinte er, genau deswegen. Er griff kurz und knapp unter den Tresen, dahin, wo er noch vor zwei Augenblicken völlig unbedarft nicht ein Fitzelchen von letztem Sommertag gesehen haben wollte und zog ihn hervor. Bitte, unser letzter, wirklich allerallerletzter Sommertag. Natürlich hätte ich ihn unbesehen sofort genommen, ich hätte ein Vermögen für ihn bezahlt, aber, nur um den Schein zu wahren, begutachtete ich ihn von allen Seiten, hob ihn hier ein wenig an, wertschätzte ihn, prüfte wie beim Pferdekauf die Zähne und zog meine Stirn kraus, um mir eine Anmutung von professionellem Letzter-Sommertag-Skeptizismus zu geben. Ich kaufe natürlich nicht jeden letzten Sommertag einfach so und meinte trocken: Die Ecke da hat einen Knick, oben drauf ist er etwas abgeschabt und links sieht er aus, als sei er schon mal vom Tresen gefallen. Was wollen Sie denn dafür haben? Er blinzelte und prüfte meine Aussagen, zögerte links, täuschte rechts, wackelte mit dem Kopf, nickte und puhlte mit den Fingern an der abgeschabten Stelle und blickte schließlich fragend in Ilses unerschütterliches Kleinteilehändlergesicht: Fünf? Fünf. Ok, ich nehme ihn.

Ich glaube, es hat noch nie jemand einen letzten Sommertag für fünf ergattert, ich glaube sogar, fünfzig wären nicht ausreichend gewesen, aber, was soll ich sagen, ich griff zu, ging vor die Tür und ließ ihn frei. Dann setzte ich mir meine Sonnenbrille auf und beobachtete, wie er langsam dahinging. Er war wirklich ein sehr schöner letzter Sommertag.

Fünf Minuten Gottes Ohr

Ich wäre gerne für fünf Minuten Gottes Ohr. Nee, echt? Von Gott das Ohr? Ja, klar. Das rechte Ohr oder das linke? Ist mir eigentlich egal, Hauptsache SEIN Ohr. Aber vielleicht hört er rechts besser. Na, dann nehm ich das. Und wenn er doch mit links mehr drauf hat? Ok, ok, ich versteh jetzt nicht ganz, was du willst. Rechts oder links, welches Ohr? Rechts. Und was machst du, wenn Gott, nur mal so zum Beispiel, mit seinem Thron zur Zeit neben einer Baustelle sitzt? Presslufthammer und sowas meinst du? Ja, er sitzt da und hält sich den ganzen Tag die Ohren zu und dann kommst du und willst ein Ohr von ihm sein. Ist ja nur für fünf Minuten, die machen doch bestimmt auch mal Pause. Wer? Na, die Bauarbeiter. Und dann kommst du und bist sein rechtes Ohr. Genau. Mhm. Was Mhm? Hast du schon mal was von Tinitus gehört? Gott hat kein Tinitus, Gott ist gesund. Aber nach so zwei drei Stunden Baustellenlärm, da können einem schon die Ohren klingeln. Meine Güte, vielleicht trägt er Ohrenschützer. Und wenn du mit deinen fünf Minuten dran bist, dann nimmt er sie kurz ab? Jawohl, das muss doch drin sein. Welche Farbe haben denn die Ohrenschützer? Weiß. Wieso weiß? Bei Gott da oben ist alles weiß, sogar die Straßen sind weiß geteert, klar oder? Ja, das hatte ich kurzfristig vergessen, da hast du recht. Gott sitzt also da oben auf seinem Thron in einem weißen Gewand, weiße Haare, weißer Bart, weiße Ohrenschützer und neben ihm baggert so ein Bauarbeiter wie wild ein Loch. Gott stiert also drei Stunden wie blöd diese weiße Einöde an, dann kommst du mit deinen fünf Minuten, ER nimmt die Ohrenschützer ab, und du bist sein rechtes Ohr. Ist es das, was dir vorschwebt? Eigentlich hatte ich mehr an die Inhalte gedacht, was die Leute so sagen zu Gott. In Kisuaheli? Wie jetzt, Kisuaheli? Na, die Kisuahelis reden doch auch mit Gott und wenn, dann in Kisuaheli. Kannst Du überhaupt Kisuaheli? Nee, nicht die Bohne, warum sollte ich ausgerechnet Kisuaheli können? Und wenn jetzt, genau in deinen fünf Minuten, die Kisuahelis dran sind, dann guckst du blöd aus der Wäsche. Du bist dann zwar Gottes rechtes Ohr aber verstehst kein Wort. Mhm. Ja, Mhm, das hätte ich jetzt auch gesagt. Und hast du dir mal überlegt, wie Gottes Ohren sich nach drei Stunden unter den Ohrenschützern anfühlen? Wie denn? Die sind heiß, feucht und jucken. Jedes Ohr fängt unter diesen Ohrschützern an zu jucken, so auch Gottes rechtes Ohr. Gottes Ohren jucken nie! Glaub mir, und was macht Gott dann nach den drei Stunden in deinen fünf Minuten als erstes? Äh. Ja, genau, er holt die beiden göttlichen Zeigefinger aus seinem weißen Gewand, steckt sie sich tief rechts und links in die Ohren und fängt an zu kratzen und zu wühlen. Wenn’s eben juckt. Ja, fünf Minuten kratzen und puhlen und wühlen im Ohr und um die Ohren herum und außen und hinten, bis sie rot leuchten. Gottes Ohren leuchten nicht, hab ich noch nie was von gehört. Durchblutung, kennst du bestimmt, Gott hat eine wahnsinnig gute Ohrdurchblutung, besonders, wenn er sie ausgiebig kratzt, seine Ohren. Du meinst wie Prince Charles? Der hat doch auch so sagenhafte Ohren. Genau, genau. Gott hat ungefähr so sagenhafte Ohren wie Prince Charles. Sag ich doch. Und was machst du nun? Ich glaube, ich möchte lieber fünf Minuten Gottes Auge sein. Aha. Dann gehen wir das jetzt mal durch.

Kochclown-Spaghettiparade

Hans, du siehst irgendwie anders aus, irgendwie…
Ja, ihr habt eine Frage?
Du hast, äh, Spaghetti auf dem Kopf, Hans, sehr viele Spaghetti.
Ach, da sind die gelandet, ich hatte mich schon gewundert.
Du hattest dich gewundert, Hans? Spaghetti? Kopf? Wärme?
Ja, ja ich weiß. Ich arbeite an meiner neuen Show. Ich mache mich nämlich selbständig.
Mit Spaghetti auf dem Kopf?
Ich werde Kochclown, habe ich mir überlegt, Kochclowns werden immer gebraucht.
Kochclown, Hans? Das sind ja ganz neue Perspektiven.
Ja, echt cool, oder? Ich glaube der Markt für Kochclowns muss ganz neu definiert werden. Und ich bin dann ganz vorne dabei, ich bin sozusagen der Vorreiter der Kochclowns, der Meisterclown, der Chefkoch, der, der das erfunden hat. Wird irgendwo ein Kochclown gesucht, fragen die Leute dann nach Hans. Wo ist Hans?, werden sie sagen, wenn jemand einen Kochclown braucht. Der Hans, der kann’s!, wird mein Slogan, hab ich mir überlegt. Toll, was?
Ja, klasse Hans. Hast Du lange überlegt?
Nö, eigentlich nicht. Jetzt, wo ihr das so fragt. Ich hatte gestern Abend die Idee und hab dann erst mal einen Businessplan gemacht.
Einen was?
Businessplan. Ich habe mein Geschäftsmodell niedergeschrieben, ein paar Hochrechnungen angestellt, das Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs nochmals nachgelesen und morgen geh ich dann zur Bank.
Hochrechnungen, Hans? Was für Hochrechnungen?
Na, wie viele Kochclowns der Markt verträgt, bis er gesättigt ist. Da muss man knallhart kalkulieren, direkt am Kunden sein, ohne dem geht da gar nichts. Zu viele Kochclowns verderben den Brei, wie man so sagt.
Apropos Kunden, Hans. Wir fragen uns gerade, was so ein Kochclown eigentlich macht?
Ja, das ist eine gute Frage. Da bin ich bei der Erstellung meines Businessplans dann auch drauf gekommen.
Die Serviette da, Hans, ist das dein Businessplan? Also, der ganze Plan?
Ja, super nicht? Das versteht dann auch jeder sofort, kurz und knapp. Ein Kochclown verdient, wenn es gut läuft, vielleicht so um und bei, oder auch mehr, je nachdem, wie man die Sache angeht. Vielleicht auch weniger.
Je nachdem?
Ja, ob ich mich mehr auf Privat- oder Firmenkunden stürze. Da ist das Modell dann etwas abweichend.
Du stürzt dich als Kochclown auf Kunden, Hans? Das klingt eher beunruhigend. Mit Messer oder einem Löffel?
Ja, das hab ich mir auch gedacht. Bei Privatkunden muss man davon ausgehen, dass die einen auch am Wochenende buchen, Samstags oder Sonntags, oder vielleicht auch Montags. Das nehmen ja viele auch noch als Wochenende. Ja, und Firmenkunden würden mich dann nur für die ganz großen Events buchen, Weihnachtsfeiern, Jahreshauptversamm-lungen und so. Oder Firmen, die kurz vor der Pleite stehen, die brauchen bestimmt auch mal was zum Lachen.
Tolles Geschäftsmodell, Hans. Aber was macht ein Kochclown denn so? Nur Kochen kann es ja nicht sein.
Witzig kochen. Das ist der Plan, total witzig kochen. Deshalb auch das mit den Spaghetti. Ich koch mir auf der Bühne ’nen Wolf, Wasser, Spaghetti, irgendein Gewürz, dass dem Ganzen den witzigen Pfiff gibt. Vielleicht wisst ihr ja eins, mir ist noch kein wirklich witziges Gewürz eingefallen. Muskatnuss vielleicht. Aber macht nix. Das Finale der Show ist dann die Kochclown-Spaghettiparade mit Ketchup.
Mit Ketchup? Und heißt das nicht Konfetti-Parade?
Ich koche also vor aller Augen diese wunderbaren Spaghetti fertig und werfe sie zum Trocken mehrmals hoch in die Luft. Irgendwann landen sie dann unabsichtlich auf meinem Kopf und alles lacht.
Alles lacht?
Ja, und dann hole ich den Ketchup und schütte ihn ordentlich drüber.
Drüber?
Über die Spaghetti. Das wirkt, sag ich euch.
Ja, Hans. Das ist wirklich total witzig. Spaghetti mit Ketchup. Und die Konfetti-Parade?
Da hol ich, wenn sich das Publikum wieder beruhigt hat, die Küchenschere raus und fange an zu schnibbeln. Immer kurze Stücke Spaghetti abschneiden und ins Publikum werfen. Das wird der Hammer, der Burner. Der totale Oberknaller.
Den Eindruck haben wir auch, Hans. Ein Oberknaller. Vielen Dank.

Tja

Tja, wisperte die Raupe direkt nach ihrer Geburt zur Mutter, die etwas pikiert auf dieses kleine haarige Monster starrte. Tja, hüstelte die kleine Raupe, kurz bevor sie den gerade vor ihr geschlüpften, älteren Raupenbruder vom Blatt geschubst und nochmals ihre Mutter fragend angeblickt hatte. Tja, und was machen wir jetzt?

Tja, grüßte die Raupe ein paar Tage später den Hund, der sie gerade entdeckt hatte und aufgeregt um sie herum tänzelte. Tja, räusperte sich die kleine Raupe, nachdem der Hund ihr mit seiner großen, schlabbrigen Zunge über den bepelzten Rücken gefahren war. Tja, nickte die Raupe freundlich zum Hund, der sich schließlich auf sein rückwärtiges Teil gesetzt hatte und sie mit seltsam fragenden Blick anstarrte, als sei sie soeben vom Mond gefallen. Tja, meinte die Raupe in bestem Oxford-Englisch, you can call me Raupe.

Tja, sprach die Raupe, nachdem sie das Erdbeerfeld kahlgefressen, sich in einen Kokon eingeschlossen und den Winter über gewartet hatte. Tja, sagte die Raupe, als sie nach drei Monaten anfing, in ihre Schutzhülle ein Loch zu knabbern. Tja, meinte die Raupe dann, als sie es endlich geschafft hatte, als Schmetterling ihr neugeborenes Leben zu begrüßen und sich mit ein, zwei Flügelschlägen in die Luft zu erheben. Tja, grinste die Raupe mit einem eleganten Hüftschwung und einem verworfen intrigantem Blick in die Runde auf all die anderen Kokons, in denen sich gerade das Leben rekelte. Tja, ich bin dann mal weg, ihr Flitzpiepen.

Tja, meinte eines Morgens der Gott aller Raupen zu seiner Schwiegermutter, mit der er nicht besonders gut konnte. Tja, wenn das so ist, sagte der Gott aller Raupen, nachdem er feststellen musste, dass alle seine Geschöpfe eines Tages auf und davon fliegen, nur er nicht. Tja, wenn es denn so nicht sein soll, meinte der Gott aller Raupen noch zu seiner Frau, bevor er sich das Bungee-Jumping-Seil um sein Hinterteil schwang und das ausprobierte, was seine Geschöpfe ihm allesamt vormachten. Tja, ist Fliegen schön, sprach er und sprang von der Brücke. Und dort hüpft er noch heute.

Der Hoppla-Effekt

Der Hoppla-Effekt tritt ein, wenn jemand über eine Unebenheit auf dem Gehweg ins Stolpern gerät, sich kopfschüttelnd umdreht und dann blind wie ein Fisch gegen einen Laternenpfahl rennt. Der Hoppla-Effekt tritt auch ein, wenn man auf einer Bananenschale ausrutscht und einem, während man die Beine im Fallen nach oben schleudert, einfällt, wie man die äußerst fiesen Schulanfängerwörter Rhythmus und parallel richtig schreibt, bevor man auf dem Boden aufkommt. Und der Hoppla-Effekt tritt ein, wenn jemand über eine Türschwelle stolpert, dann über eine Leiche, dann über einen herumstreunenden Hund, dann über ein vorbeieilendes Huhn, dann über den das Huhn verfolgenden Hahn, dann über den Bauern, dem Huhn und Hahn gehören, dann über eine zufällig herumliegende Bronzeplastik, die aussieht als sei sie von einem Künstler entwickelt worden, in Wahrheit aber den Abfallhaufen einer Bronzegießerei darstellt, dann über die Mutter des Chefs der Bronzegießerei, die, wie eine Walküre mit Namen Brünhilde, vor einem auftaucht und sich mit wehenden Haaren und schwellendem Brustvorbau und den Worten: Sie Wicht, Sie!, in den Weg stellt. Brünhilde kann dies tun, weil sie die Durchschnittsgröße von Müttern ihres Alters um etwa zwanzig Zentimeter überragt, was mehr ist, als ein zufällig Stolpernder ertragen kann, und weniger, als ihr Sohn, der Bronzegießereibesitzer, an Jahren gebraucht hat, um die Bronzegießerei in Grund und Boden zu wirtschaften. An dieser Stelle des Geschehens (wir erinnern uns: der Hoppla-Effekt) kann der Stolpernde (Türschwelle, Leiche, Hund, Huhn, Hahn, Bauer, Bronzeplastik, Brünhilde) nichts anderes tun als: Ups! zu sagen oder eben: Hoppla! Wer sind Sie denn jetzt? Und das wäre dann der gedoppelte Hoppler, mehrmals gestolpert und einmal versprochen, denn niemand sagt zu einer Brünhilde: Wer sind Sie denn jetzt?, ohne die Konsequenzen tragen zu müssen. Brünhilde holt da schon mal gerne aus und knallt einem ihre Handtasche vor den Latz.
Aber zurück zum Ausgangspunkt. Man kann ja über vieles stolpern, aber, äh, über welchen Ausgangspunkt reden wir jetzt? Ich habe irgendwie schon beim Huhn den Faden verloren, äh, da war doch ein Huhn, oder?

Love

Hans. Das neue Jahr ist schon ein paar Tage alt, wie ist dein Eindruck?
Ich liebe diese Wollpuschel, die ich nach drei ungeduschten Tagen (na, sagen wir mal nach zwei Tagen) in meinem Bauchnabel finde.
Danke, Hans. Das war jetzt nicht die Frage.
Ich liebe es, wenn meine Augen morgens im Spiegel an mir rauf und runter gucken und zuerst: Oh, mein Gott! sagen und dann: Naja, so schlimm ist das jetzt auch nicht.
Hans, was sagst du zum neuen Jahr?
Ich liebe es, dass mein T-Shirt nicht über meinem Bauch spannt, wenn ich die Luft anhalte.
Hans, mach ruhig weiter so.
Ich liebe es, mir nach fünf Tagen über den nicht rasierten Drei-Tage-Bart zu fassen und darüber zu sinnieren, ob eine Fünf-Tage-Bart mehr wert ist als ein Drei-Tage-Bart.
Hans, das neue Jahr hat jetzt schon 15 Tage.
Ich liebe es, im Winter den Rotz in der Nase nach oben zu ziehen.
Danke, danke, danke. Sonst noch was?
Ich liebe es, nee das sag ich jetzt nicht.
Uff.
Ich liebe das Leben am Morgen, am Mittag und am Abend.
Oh, wie poetisch.
Ich liebe Kondensstreifen am Himmel und im Kaffee.
Meine Güte.
Ich liebe Zebrastreifen und zebrafarbene Autoreifen, die aus Versehen über einen frisch gemalten Zebrastreifen gefahren sind. Ich liebe das Wort Zebra (und das Wort Gnu, aber das passt jetzt nicht ganz).
Super Hans, sonst noch etwas, dass du liebst? Nur so, damit wir mal eine Frage stellen, die auch beantwortet wird.
Ich liebe es, mich auf etwas gedanklich zu fokussieren und dann zu vergessen, was es war, auf das ich mich fokussieren wollte.
Fokussieren?
Ich liebe es, darüber nachzudenken, ob das, was ich so sage, auch mit mehr oder weniger Kommas in einem Satz einen Sinn ergibt.
Kommas, Hans?
Ich liebe, ähäm,
Ja, Hans?
Ich liebe, also sozusagen, äh, mich.
Danke, das hatten wir uns jetzt auch gedacht.

Staubsaugen verschieben

Die Liste der Gründe, das wöchentliche Staubsaugen auf den nächsten Tag zu verschieben, ist lang: Sorry, ich kann nicht Saugen, heute kommt doch Colt Seavers im Fernsehen. Krümmel ist explodiert, wir haben keinen Strom mehr und draußen gibt es radioaktiven Niederschlag, das ist ja wohl wichtiger. Ich bin Brillenträger und habe gerade eine Rippe verloren, den kleinen Zeh gebrochen, einen Schneidezahn am Waschbecken abgestoßen, einen allgemeinen Gedächtnisverlust, ich weiß einfach nicht mehr, was das ist, was ich da machen sollte, ich weiß ja nicht mal mehr, dass ich überhaupt da bin. Sehr gerne nehme ich auch: Ich bin über Nacht blind geworden, oder: Ich habe Hornhaut auf den Fingerkuppen vom gestrigen Baumfällen, ich fühle so gut wie nichts mehr, ich bin an den Händen total taub. Ich bekomme gerade heute die Ehrenbürgerschaft, ich bin ins Bundeskanzleramt bestellt, mir ist der Friedensnobelpreis verliehen worden und Kofi holt mich gleich zur Uno ab. Gar nicht hilfreich sind meine altbekannten Thesen: Der Staubsaugermotor klingt so komisch, ich geh mal los und reparier ihn schnell. Wir wurden von Außerirdischen besetzt, die sehr empfindlich auf Staubsaugergeräusche reagieren, oder: Der Staubsauger wurde versehentlich von Außerirdischen entführt, ich muss erst einen neuen besorgen. Ich komme gerade von meiner Expedition aus dem Amazons zurück und muss erst die Giftschlange in meinem Hosenbein loswerden. Muss die Queen etwa staubsaugen oder der Papst? Ich segne den Staubsauger und spreche ihn von jeder Schuld frei, ebenso alle sichtbaren und unsichtbaren Wollmäuse. Freiheit für die Wollmaus, nieder mit den Apparaten. Staub wird grundsätzlich überbewertet. Kein Mensch muss das tun, was ich tun muss. Drohungen helfen leider auch wenig: Ich glaube, ich springe. Ich kündige. Ich gehe zum Anwalt. Und wenn gar nichts mehr hilft, dann gebe ich mit einem leichten Stöhnen und einem Hauch von einem Ü mein geniales: Ümmer ich! von mir. Direkt im Anschluss hole ich den Staubsauger und sauge dann den verdammten Staub.

Der Blobb

Guten Tag, mein Name ist Blobb, Blobb Dülan. Ich haben den Blobb erfunden und besitze mehrere Fabriken, die Blobbs herstellen, aber das wissen Sie bestimmt. Ich verkaufe Blobbs in die ganze Welt, am besten läuft es in Brasilien, die sind da ganz wild auf Blobbs. Das mag daran liegen, dass die Brasilianer nicht genau wissen, was man mit einem Blobb machen soll, oder daran, dass die brasilianischen Blobbs grün sind, Amazonas-Regenwald-Grün. Sobald sie einen davon gekauft haben, kann man ihn vor lauter Regenwald schon nicht mehr wiederfinden – also kaufen Sie sich noch einen und schwören, beim nächsten Mal besser aufzupassen. Meine Blobbfabrik in Lappland wurde geschlossen, weil die Blobbs direkt nach der Produktion erfroren sind. In Indien soll es Blobbs geben, die sich nach Ablauf der Haltbarkeit auf einen zwei Meter hohen Nagel setzen und Witze meditieren. In Japan gibt es einen uralten Blobb von dem behauptet wird, er könne Sushi. Sie verstehen, Sushi? Der erste Blobb auf dem Mond ist immer noch dort oben. In besonders klaren Nächten meint man, er würde von da oben auf uns herunter grinsen. Die berühmten Blobbknollen unten auf den Weltmeeren kommen auch aus meinen Fabriken, und mein allerneuester Blobb kann beim Fliegen pupsen. In verschiedenen Regionen Afrikas wurde er verboten, dort können sie nur den fliegenden oder den pupsenden Blobb kaufen. Manche kaufen beide und schmeißen sie aus Protest einfach zusammen in die Luft, der eine fliegt, der andere pupst.

Wenn Sie möchten, können Sie sich mit folgendem Link etwas über den Blobb und meinen seltsamen Namen informieren. Wenn Sie auf der genialen Babbel-Speech-Seite von Google gelandet sind, klicken Sie links auf den kleinen „Anhören“-Lautsprecher, danach lassen Sie sich rechts die Übersetzung vorlesen. Anschließend wissen Sie, was ich meine. Ich hoffe, meine kurze Einführung in die Geschichte des Blobbs hat Ihnen gefallen. Seien Sie, ebenso wie ich, auf den nächsten Blobb gespannt.

http://translate.google.de/translate_t?hl=&ie=UTF-8&text=blob&sl=en&tl=de#en|de|blobb%20blobb%20blobb!%0D%0AMy%20Name%20is%20Blobb%20Dylan.

Experimentelle Fluchschule

Ich verfluche dich, du Hund, du räudiger. Ich verfluche die Haare auf deinen Armen und deinen Händen. Ich wünsche dir ewig knirschende Gelenke, Achselzucken und Kopfhautjucken. Ebenso deinen Kindern und Kindeskindern. Denen wünsche ich das auch. Jawohl. Extra. Versprecher, ich wünsche dir immerwährende unverständliche Versprecher und morgens Belag auf der Zunge. Ich verwünsche dich und banne diese Warze auf deine Nase, möge sie daran haften wie Pattex auf Pappe. Ich verdamme dich in die hinterste Ecke des Gartens, da wo es immer dunkel und feucht ist, du seelenloser Quarzsandfresser, du Zuchtwurm. Ewige Dunkelheit des Nachts und Unglück am Tage für dich, du Eule, du Eulenartiger, du Barthaarverfilzter. Undankbare Verwandte und leutselige Freunde mögen dich auf ewig missverstehen. Kröten sollst du schlucken und Schildkröten und Geckos und Bussardgekröse, genau, besonders Bussardgekröse. Niesen sollst du immer laut und heftig und schwitzen auch. Deine Nase soll dir abfallen, ein Doppelkinn wachsen und goldig rundliche Hüften. Und da wo andere im Fitnessstudio arbeiten, wirst du auf immer Chips essen. Vergebens soll jede Diät für dich sein und ewig sollen deine Füße riechen und niemals soll sich jemand im Freibad nach dir umdrehen und hinterherpfeifen. Zwietracht sei gesät in deine Wäsche, deine Socken sollen nie wieder zueinander finden, deine Unterwäsche sei für immer mit einem grünen Putzlappen gewaschen bei sechzig Grad. Mit Grausen sollst du die Wollmäuse in unserer Wohnung wachsen sehen und sie mit Namen benennen. Mögest du deinen Geschmack verlieren und deine Brille verlegen und auch die Fernbedienung für deinen Fernseher. Regen sei um dich und über dir und bei dir und in dir. Lallendes Gerede verlasse deinen Mund, blöde Gedanken und sinnloses Geschwätz. Stolpern wirst du bei jedem Schritt, deinen Weg immer verfehlen und niemals wissen, wo du eigentlich hin wolltest. Dein Wein werde dir sauer, dein Lachsfilet zu trocken, deine Nudeln verkocht, und deine Sauce Hollandaise wird niemals wieder schmecken. Du wirst Jammern und Wehklagen und dazu wirst du prüde werden. Du wirst nie wieder nackicht in die Ostsee springen und nie wieder einen Song mitsingen. Ich verbanne dich aus diesem Leben, dieser Welt, dieser Wohnung und aus unserer Küche. Gehölder, du hundiger! So, und nu kommst du.
Ok, Liselotte. Ich bring den Müll jetzt sofort raus. Kein Problem, wirklich nicht. Mach ich gerne. Kein Thema.