Kissen. Mützen. Ranzen.

Erzähl mal eine kurze Geschichte mit Kissen, Mützen und Ranzen.

Ok. Betrachten wir das Ganze (das Leben, die Welt und das allgemeine Befinden) von einem abstrakten Standpunkt aus, so sind Kissen, Mützen und Ranzen wie Menschen. Kissen zum Beispiel häufen sich gerne auf Sofas (was Menschen ebenso machen), und Mützen halten sich in Ritzen, Spalten und Mützenbehältnissen auf. Gut, werden einige sagen, ich habe noch nie von einem Menschen gehört, der sich in einem Mützenbehältnis aufgehalten hätte, aber. Das Aber sparen wir uns einfach, denn, wie schon gesagt, wir betrachten das Ganze abstrakt, und da machen Mützen dasselbe wie Menschen: Sie verkriechen sich und tun so, als seien sie nicht da.

Ranzen ist das Lieblingswort all derjenigen Menschen, die sich unter Ranzen auch etwas ganz anderes vorstellen können (als Ranzen). Ranzen könnte, wieder im abstrakten Sinne, auch soviel heißen wie Schlafen oder Ratzen: Ich geh jetzt mal ne Runde ranzen. Ranzt der schon wieder? Meine Güte, habe ich geranzt! Egal, was man daraus macht, verstehen tut es eh keiner.

Zum Schluss noch dieses: Entgegen der oben behaupteten Annahme, Kissen seien wie Menschen, habe ich noch nie von einem Kissen gehört, das sich mit einer Mütze verkleidet vor einen Bankschalter stellt und mit einer Waffe herumfuchtelt: Obacht! Dies ist ein Überfall. Packen Sie alles Geld in diesen Ranzen, sonst setzt es was.

Was für ein Blödsinn.

Schlaflos

Hans, was geht?
Es gibt Tage, an denen ich morgens wo hin muss. Und da bin ich dann die Nacht vorher so aufgeregt, dass an Schlaf nicht zu denken ist.
Schlaflos aufgeregt?
Ja, ich liege hellwach auf dem Rücken und denke mir: Och, jetzt könnte ich mal schön einschlafen, damit ich morgen früh fit bin. Aber Pustekuchen. Ich liege wach und wälze mich.
Und?
Wenn ich doch endlich am Einschlafen bin, so im Moment des Hinübergleitens, brüllt mich diese fiese Stimme an: Hallo, Hallo! Geht doch, jetzt bist du am Einschlafen. Und Zack, bin ich wieder hellwach.
Zack?
Beim nächsten Mal genau dasselbe. Ich bin schon halb im Nirwana, ganz locker und bereit für den ersten Traum: HeiHo, HieHo, da sind wir aber froh! Wir schlafen jetzt schon fast. Boing! Und aufgewacht.
Boing?
Das sag ich der Stimme ja auch immer.
Was machst du dann?
Ich drehe mich um und tu so, als gäbe es diese Stimme nicht.
Und hilft das?
Nö. Nach zwei Minuten fängt sie an und singt mir ein Schlummerlied über den Sandmann. Eine halbe Stunde. Kurz vorm Schlafen kommt Highway to Hell. Peng! Wach.
Peng?
Neulich habe ich aus Frust Gänseblümchen gezählt, erst die Blümchen, danach die Blätter. Und, was soll ich sagen, bei etwa siebenhundertfünfzehn fein sortierten Gänseblümchenblütenblättern meldet sie sich: Obacht, Hans! Da stimmt was nicht, du hast dich verzählt. Und Bumms! Alles wieder auf Anfang.
Wie grausam. Und wann schläfst du endlich ein?
Wenn die Stimme sagt: So, ich bin dann mal weg.
Ach?
Kurz darauf klingelt der Wecker.
Man gut Hans, dass du nicht so viele Termine hast.
Sag ich doch.

Gartenlyrik

Beim Birnbaum von diesem Herrn im Havelland,
der Hans irritiert im Garten stand.
Ihm wollte partout nicht in den Sinn,
wo komm ich her, wo soll ich hin?

Ein Wurm dort drüben links im Garten
wollte nicht auf den Spaten warten.
Schob sich und sein Gekröse
durch den Garten mit Getöse.

Welch ein Singen, welch ein Zirpen!
Drosseln, die durch den Garten schwirpen!
Schwirpen? Was ist das denn?

Das Gedicht vom Birnbaum hatte Hans längst vergessen,
am besten wäre jetzt was zum Essen.
Da sprach der alte Herr Fontane,
ein Stückchen Kuchen? Vielleicht mit Sahne?

Später kam eine goldene Gans vorbei,
und legte dem Hans ein Ei oder zwei.
Du hast hier so herumgelungert,
sahst aus, als seist du schon verhungert.

Zum Schluss guckte neben der Gartenhecke
der zweigeteilte Wurm um die Ecke.
Er kannte nun den Sinn des Lebens:
Vor Spaten flüchten ist vergebens.

Nicht Gereimtes:
Begrabt mein Herz beim Birnbaum
oder neben dem Birnbaum.
Von mir aus auch dahinter oder davor.
Hauptsache ihr lasst es nicht irgendwo herumliegen.

Pfützenverführung

Gut, meine Affinität für Wörter mit ü (üch würde am lübsten alles mit ü schreiben), ist ja bekannt, aber Pfützenverführung hat da jetzt nichts mit zu tun. Pfützenverführung ist das, was man erlebt, wenn man an einem typischen Nachregentag (der Tag nach einem großen Regen und überall warten Pfützen), an drei hintereinander liegenden, schön geformten, bräunlich gefärbten, klackermatschartig gefüllten Pfützen vorbeikommt. Die erste Pfütze weckt in mir einen Reiz, ein Hauch von Kindheit durchzieht mein Denken, Erinnerungen an die Zeit, als ich vier oder fünf gewesen bin (kennt doch jeder). Mehr passiert nicht. Die Pfütze wird kurz betrachtet, die Gedanken schweifen ab, ich gehe weiter. Dann kommt die zweite Pfütze und mit ihr die Mahnung Giselas (die wo meine Frau ist), ich solle es lieber sein lassen, das brächte nur Ärger. „Es“, um das es hier geht, ist eine verbotene Handlung, ein unerlaubtes Tun, eine Art Verdorbensein, meint Gisela, und ich gebe hier nur ihre Mahnungen an mich weiter. Trotzdessen und ungeachtet aller Warnungen Giselas halte ich einen Schuh (neuer Wildlederwanderschuh, Gummisohle, teuer) so gerade eben in die Pfütze, als hätte ich alles im Griff, als könnte hier, an dieser zweiten Pfütze, niemals etwas passieren. Ein paar Wellen schlagen, die Sohle etwas tiefer ins Wasser drücken (so weit wie möglich), mehr ist ja gar nicht gewesen, da muss man jetzt nicht groß Alarm schlagen. Das tue ich aber (Alarm schlagen), als die dritte Pfütze rechts vorbeizieht. Aus den Augenwinkeln betrachtet, ruft sie nach mir, lockt mich mit einem verführerischen Pfützenlächeln: Mach’s doch! Tu es! Und, was soll ich groß drum herum reden, ich gehe ein Stück weiter, drehe mich um und springe mit Anlauf, mit Schwung, mit Karacho und großem Hallo mit beiden Füßen voran in dieses braune Freudenbad, dieses Schlammloch, dieses mach-mich-dreckig-Dings und stampfe mit den Füßen, steppe den Schlammtanz und mache das, was wir alle mit vier, fünf Jahren gemacht hätten.

Gut, ich bin jetzt etwas älter als vier oder fünf, sage ich zu Gisela. Ja, die Schuhe waren neu und sind jetzt hinüber, nicke ich ihr zu. Ja, du hast Recht, Gisela, das war eine wirklich dämliche Idee. Aber Spaß gemacht hat’s trotzdem.

Warten

Die ersten 10 Minuten. Ich lehne mich entspannt zurück, mein Atem ist ruhig, alles in Ordnung, ich bin pünktlich. Die nächsten 10 Minuten überlege ich, was ich alles getan habe, um pünktlich bei meinem Termin zu sein. Nach einer halben Stunde fällt mir ein, dass ich unbedingt Rosen für Gisela mitbringen muss. Weitere 15 Minuten später weiß ich auch warum. Nochmals fünfzehn Minuten und ich weiß, dass es vollkommen sinnlos war, pünktlich zu kommen. Nach einer Stunde erinnere ich mich, weswegen ich hier sitze. Es ging um dieses Dingens. Der Mann neben mir stöhnt seit einer halben Stunde nicht mehr so wie in der ersten halben Stunde. Das Kind hustet allerdings immer noch. Ich räuspere mich, als jemand in den Warteraum tritt und sich suchend umschaut. Ist es jetzt besser, auf sich aufmerksam zu machen oder wartet man lieber unauffällig ab? Weitere zwanzig Minuten verstreichen, ohne dass der Mann neben mir stöhnt oder atmet. Ich bin der festen Überzeugung, er ist tot, vor Langeweile gestorben, muss aber nicht sein. Nochmals eine halbe Stunde. Mein Steiß gibt Warnsignale und meine Blase piepst. Ich rutsche unruhig vor und zurück, bis sie hupt. Irgendwann entdecke ich mit den Fingern die unter meinen Stuhl festgebackenen Kaugummis. Das Kind hustet seltsam anders, die Mutter hat es aufgegeben so zu tun, als habe sie ihr Handy ausgeschaltet. Sie telefoniert seit einer Dreiviertelstunde offen mit ihrer Freundin über den Nachbarn von gegenüber, wo immer Gegenüber auch liegen mag. Das Kind tritt mir gegen das Schienbein, der Mann rechts von mir sackt in sich zusammen und beginnt leise aber stetig zu schnarchen. Ich atme erleichtert auf und berechne die Wartezeit in Zwanziger-Einheiten, geteilt durch die Schnarcher des Mannes, das Husten des Kindes und die Häufigkeit, mit der die Mutter „Nee, näh?“ sagt. Nach weiteren zwanzig Minuten bewegt sich zum ersten Mal die Raufasertapete. Mir wird einiges bewusst, von dem ich vorher überhaupt keine Ahnung hatte. Ich befinde mich im Innern eines tödlichen Strudels voller fanatischer Raufaserhubbel. Die Hubbel wollen, dass ich mit ihnen spiele und ihnen Namen gebe. Eine mir vollkommen unbekannte Frau öffnet die Tür und steckt den Kopf herein: Der Herr Sowieso wurde zu einem dringenden Termin gerufen, die Software ist letzte Woche ausgetauscht worden und arbeitet noch nicht richtig, und sie selbst hatte heute morgen einen Unfall ohne Personenschaden. Außerdem sei jetzt Mittagspause, es könne noch etwas dauern. Ich heuchle Verständnis, zücke meine Axt und, äh, wache auf. Was für ein Alptraum.

Neulich beim Griechen

Da war ich also neulich beim Griechen, ich weiß, da geht man ja nicht mehr hin, heute geht man zum Japaner, aber, ich war eben beim Griechen. Und da kommt dieser Grieche an meinen Tisch und fragt: Was darf’s denn sein? Ein Thesaurus vielleicht? Ich will das jetzt nicht unsinniger machen, als es war, aber er fragte tatsächlich: Thesaurus? Nun gut, sagte ich zu mir, dann leg ich mal los. Als erstes hätte ich gerne rechts einen Finger mehr, damit ich, während ich vor Verzweiflung über die Situation meinen Kopf mit beiden Händen stütze, mit dem sechsten Finger rechts in der Nase bohren kann. Dann möchte ich einen Plan fürs Leben haben, ein Treffen mit einem netten älteren Herrn, der mir erklärt, woher wir kommen und wozu wir eigentlich da sind, und ich würde gerne den Autor des Buches „Der Sinn des Lebens“ treffen und ihm erklären, wie das hier wirklich abgeht. Weiterhin hätte ich gerne eine Tasche, in der immer Geld und was zu essen ist, einen Hund ohne Fehl und Tadel, Freunde ohne Hintergedanken, ein wirklich gutes Theaterstück, einen Sitzsack und einen großen gelben sprechenden Vogel. Fragt er, der Grieche: Und was dazu? Ouzo? Sage ich: Gut, dann nehme ich einmal Gyros, Tzatziki (sag mal ein Wort mit zwei tz), ein Bier und einen Ouzo. Ich fand, das er fand, dass wir eine gelungene Konversation hatten, wie man eben so spricht über dies und das, wenn man gefragt wird, was man denn gerne hätte. Und? Noch einen Thesaurus obendrauf?

Geschmacksverstärker

Hallo Hans, wir haben gehört, dass du seit neuestem als Geschmackverstärker arbeitest. Was haben wir uns denn darunter vorzustellen? Bist du unter die Mikroben gegangen?
Nee, nee. Ich arbeite nur reelle Sachen, nix Mikro. Ich arbeite dort drüben im Bio-Restaurant „Feed me“, mittags eine und abends zwei Stunden. Der Bernd hat mich angesprochen, er hätte da so eine Idee.
Der Bernd, so. Wer ist denn der Bernd? Gibt’s vielleicht noch einen anderen Bernd, von dem wir wissen müssten? Oder nur diesen einen „der Bernd“?
Der Bernd ist der Besitzer vom Feed me und voll Ök. Der ist so total Ök, dass er, na, wie heißt das Dingens, dass er, na dieses Ding, mit dem man, äh…
Käse hobelt? Hans. Ök? Was ist Ök? Wir kennen Ok, aber kein ‚voll Ök‘ vom ‚der Bernd‘.
Also, der Bernd ist so total ökologisch-biologisch orientiert…
…dass er Käse mit dem Holzhobel hobelt?
Nee, nicht das ich wüsste. Ich hab beim Bernd noch nie einen Holzhobel gesehen. Geht das überhaupt, mit einem Holzdingens Käse hobeln?
Nicht wirklich, Hans. Aber was ist denn jetzt mit dem Bernd? Und was macht ein Geschmacksverstärker im Bio-Restaurant?
Der Bernd…
Der Bio-Bernd, meinst du.
Der Bernd ist so Ök, dass er auf jeden Geschmack im Essen verzichtet. Sein ganzes Essen schmeckt dermaßen nach nichts, dass er eben mich gefragt hat, ob ich nicht sein Geschmacksverstärker sein möchte.
Und wie geht das?
Ich setze mich beim Mittagessen zu den Leuten an den Tisch, die sich, nur so als Beispiel, ein vollkommen geschmackloses Stück Pizza mit Tomaten und Käse und Salami ohne alles bestellt haben. Und wenn die dann anfangen sich zu wundern, warum die Pizza nach nichts riecht und so wirklich nach überhaupt nichts schmeckt, beuge ich mich vor und sage: Hmhmm.
Hmhmm?
Genau. Oder: Wow! Oder: Echt lecker! Man, das schmeckt! Wie super ist das denn? Schleck, schleck.
Schleck, schleck? Hans, du spinnst!
Nee, echt jetzt. Abends gibt dann fades Kotelett, farbloses Gemüse und leblose Kartoffeln, da muss ich mich richtig ins Zeug legen.
Hmhmm? Schleck, schleck? Danke für die Informationen, Hans. Wir gehen jetzt Currywurst essen.
Oh, echt? Ich komme mit.

Anfängerstaubsaugen

Hallo, herzlich willkommen zu unserem Anfängerkurs: Mit dem Staubsauger auf Augenhöhe. Kommen wir gleich zur ersten Frage: Was ist die wichtigste Voraussetzung für eine gute Beziehung zwischen Ihnen und ihrem Teppich? Falsch, nicht der Staubsauger. Ebenso falsch, der Staubsaugerbeutel ist es auch nicht. Richtig, der junge Herr drüben rechts: Der Staub. Ohne Staub brauchen wir gar nicht erst anfangen zu saugen, das wäre so, also würde man, äh, nächste Frage: Wo finden wir Staub? Unterm Bett? Richtig. Unterm Tisch? Richtig. Im Staubsaugerbeutel? Fast richtig, ja, da finden wir Staub, da soll er ja auch hin, also bringt uns das jetzt nicht wirklich weiter, wie war noch ihr Name? Hans? Kommt mir irgendwie bekannt vor. Na gut, wer von Ihnen hat schon mal gestaubsaugt? Sie da hinten: Wie haben Sie sich dabei gefühlt? Ach, Sie wollen darüber nicht sprechen, gut so, geht ja auch keinen etwas an. Was das hier vorne sein soll am Staubsauger? Das ist das Staubsaugerrohr, Hans, richtig? Und ob wir hier auch über Staubsaugerphobien reden werden? Und Wollmäuse? Natürlich sprechen wir über Wollmäuse. Von mir aus auch über Phobien. Sie haben Angst vor ihrem Staubsauger? Nicht, es ist nicht ihr Sauger sondern der ihrer Frau? Auch gut. Sie haben Angst vor ihrer Frau? Ah, ich verstehe, Sie wollen sich drücken. Drückeberger bitte den rechten Ausgang, wir treiben hier ernsthafte Studien. Was das da neben dem Staubsauger sein soll, Hans? Das ist mein Frühstück. Ob man das auch einsaugen könnte? Aber natürlich, ups, jetzt ist es weg. Hans? Nehmen Sie doch bitte auch gleich den rechten Ausgang, ich glaube, wir beide werden heute nicht warm miteinander. Wo war ich stehengeblieben? Die Staubsaugerdüse, ach ja, die.

Ich, Supermodel

Meine Karriere als Supermodel geht, da ich vor kurzem die Altersgrenze für Supermodels überschritten habe, zu Ende, es ist Zeit für einen kurzen Rückblick.
Zu Beginn meiner Karriere trat ich als die berühmte Zahnreihe für Blender in Erscheinung, Sie erinnern sich? Ich werde noch heute auf meine Zahnlücke und den abgebrochenen Schneidezahn angesprochen.
Danach kam die Werbung mit meinen behaarten Unterarmen. Ich mit freiem Oberkörper auf dem Motorrad in der Wüste, wehende Unterarmbehaarung, auf dem Kopf war ja nix zum wehen, und plötzlich schießt dieser Riesendübel von rechts ins Bild und fegt mich von der Straße. Der Spot selbst machte einfach überhaupt keinen Sinn, der Dübelhersteller ging pleite, aber ich wurde durch den Dreh sehr populär, vor allem wegen meines überraschten Gesichtsausdrucks, als der Dübel mich traf. Unter uns: Dieser fiese Sack von Produzent hatte mich nicht vorgewarnt, dass da noch dieser Dübel käme, meine Überraschung war vollkommen echt.
Bald darauf mein kurzer Auftritt als Unterhosenmodel, leider ohne meinen Körper, der Kunde hatte bekanntlich beschlossen, sich ausschließlich auf die Unterhose ohne Inhalt zu konzentrieren.
Meine Mitwirkung bei dem Versuch, die Zielgruppe der Einäugigen zwischen 16 und 36 über eine ausgesucht teure Sonnenbrillenwerbung anzusprechen, hatte leider diese negativen Begleitumstände, ich musste vor Gericht zugeben, doch noch beide Augen benutzen zu können und wurde als Betrüger gebrandmarkt. Ich bekam zwei Jahre lang keinen einzigen Auftrag, bis schließlich mein Auftritt als „Der Bauchnabel“ die Werbewelt erschütterte. Ich weiß es noch wie heute, wie ich mit meinem in den zwei auftragslosen Jahren angewachsenen Bauch voran ins Studio wankte, das knappe T-Shirt auszog und vom Regisseur des Spots mit Tränen in den Augen umarmt wurde, ich sei sein Hero, sein Bauchnabelgott. Gut, es war letztlich ein einfacher Spot für Tiefkühlkost und von mir und meinem Bauchnabel sah man so gut wie nichts, weil ich in dem Spot gar nicht mehr vorkam, aber wir, der Regisseur und ich, wir hatten unseren Spaß.
Heute, im Rückblick, würde ich alles wieder genauso machen, bis auf diese Sache mit dem Riesendübel. Mein Bauchnabel und ich sind jederzeit bereit. Vielleicht noch ein Spot für einen beleibten, glatzköpfigen, ganzkörperbehaarten Brillenträger, das wäre noch mal was.