Ich, Supermodel

Meine Karriere als Supermodel geht, da ich vor kurzem die Altersgrenze für Supermodels überschritten habe, zu Ende, es ist Zeit für einen kurzen Rückblick.
Zu Beginn meiner Karriere trat ich als die berühmte Zahnreihe für Blender in Erscheinung, Sie erinnern sich? Ich werde noch heute auf meine Zahnlücke und den abgebrochenen Schneidezahn angesprochen.
Danach kam die Werbung mit meinen behaarten Unterarmen. Ich mit freiem Oberkörper auf dem Motorrad in der Wüste, wehende Unterarmbehaarung, auf dem Kopf war ja nix zum wehen, und plötzlich schießt dieser Riesendübel von rechts ins Bild und fegt mich von der Straße. Der Spot selbst machte einfach überhaupt keinen Sinn, der Dübelhersteller ging pleite, aber ich wurde durch den Dreh sehr populär, vor allem wegen meines überraschten Gesichtsausdrucks, als der Dübel mich traf. Unter uns: Dieser fiese Sack von Produzent hatte mich nicht vorgewarnt, dass da noch dieser Dübel käme, meine Überraschung war vollkommen echt.
Bald darauf mein kurzer Auftritt als Unterhosenmodel, leider ohne meinen Körper, der Kunde hatte bekanntlich beschlossen, sich ausschließlich auf die Unterhose ohne Inhalt zu konzentrieren.
Meine Mitwirkung bei dem Versuch, die Zielgruppe der Einäugigen zwischen 16 und 36 über eine ausgesucht teure Sonnenbrillenwerbung anzusprechen, hatte leider diese negativen Begleitumstände, ich musste vor Gericht zugeben, doch noch beide Augen benutzen zu können und wurde als Betrüger gebrandmarkt. Ich bekam zwei Jahre lang keinen einzigen Auftrag, bis schließlich mein Auftritt als „Der Bauchnabel“ die Werbewelt erschütterte. Ich weiß es noch wie heute, wie ich mit meinem in den zwei auftragslosen Jahren angewachsenen Bauch voran ins Studio wankte, das knappe T-Shirt auszog und vom Regisseur des Spots mit Tränen in den Augen umarmt wurde, ich sei sein Hero, sein Bauchnabelgott. Gut, es war letztlich ein einfacher Spot für Tiefkühlkost und von mir und meinem Bauchnabel sah man so gut wie nichts, weil ich in dem Spot gar nicht mehr vorkam, aber wir, der Regisseur und ich, wir hatten unseren Spaß.
Heute, im Rückblick, würde ich alles wieder genauso machen, bis auf diese Sache mit dem Riesendübel. Mein Bauchnabel und ich sind jederzeit bereit. Vielleicht noch ein Spot für einen beleibten, glatzköpfigen, ganzkörperbehaarten Brillenträger, das wäre noch mal was.

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