Pfützenverführung

Gut, meine Affinität für Wörter mit ü (üch würde am lübsten alles mit ü schreiben), ist ja bekannt, aber Pfützenverführung hat da jetzt nichts mit zu tun. Pfützenverführung ist das, was man erlebt, wenn man an einem typischen Nachregentag (der Tag nach einem großen Regen und überall warten Pfützen), an drei hintereinander liegenden, schön geformten, bräunlich gefärbten, klackermatschartig gefüllten Pfützen vorbeikommt. Die erste Pfütze weckt in mir einen Reiz, ein Hauch von Kindheit durchzieht mein Denken, Erinnerungen an die Zeit, als ich vier oder fünf gewesen bin (kennt doch jeder). Mehr passiert nicht. Die Pfütze wird kurz betrachtet, die Gedanken schweifen ab, ich gehe weiter. Dann kommt die zweite Pfütze und mit ihr die Mahnung Giselas (die wo meine Frau ist), ich solle es lieber sein lassen, das brächte nur Ärger. „Es“, um das es hier geht, ist eine verbotene Handlung, ein unerlaubtes Tun, eine Art Verdorbensein, meint Gisela, und ich gebe hier nur ihre Mahnungen an mich weiter. Trotzdessen und ungeachtet aller Warnungen Giselas halte ich einen Schuh (neuer Wildlederwanderschuh, Gummisohle, teuer) so gerade eben in die Pfütze, als hätte ich alles im Griff, als könnte hier, an dieser zweiten Pfütze, niemals etwas passieren. Ein paar Wellen schlagen, die Sohle etwas tiefer ins Wasser drücken (so weit wie möglich), mehr ist ja gar nicht gewesen, da muss man jetzt nicht groß Alarm schlagen. Das tue ich aber (Alarm schlagen), als die dritte Pfütze rechts vorbeizieht. Aus den Augenwinkeln betrachtet, ruft sie nach mir, lockt mich mit einem verführerischen Pfützenlächeln: Mach’s doch! Tu es! Und, was soll ich groß drum herum reden, ich gehe ein Stück weiter, drehe mich um und springe mit Anlauf, mit Schwung, mit Karacho und großem Hallo mit beiden Füßen voran in dieses braune Freudenbad, dieses Schlammloch, dieses mach-mich-dreckig-Dings und stampfe mit den Füßen, steppe den Schlammtanz und mache das, was wir alle mit vier, fünf Jahren gemacht hätten.

Gut, ich bin jetzt etwas älter als vier oder fünf, sage ich zu Gisela. Ja, die Schuhe waren neu und sind jetzt hinüber, nicke ich ihr zu. Ja, du hast Recht, Gisela, das war eine wirklich dämliche Idee. Aber Spaß gemacht hat’s trotzdem.

2 comments on “Pfützenverführung

  1. Axel sagt:

    VERDAMMT….zu spät.

    Genau da wollte ich auch rein neulich.

    Gehe ich halt meinem Lüdden hinterher, die 5jährigen finden eh immer die besten Pfützen 🙂

  2. schindelschwinger sagt:

    pfütze pfütze pfatze, pfütze pfütze pfatze..willst du eine richtige pfütze haaaaaaaaabenn….musst du im geschäft nach pfützeklo fraaaaagen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.