Inwendig Liebe

Also, sprach das Wildschwein, äußerlich betrachtet bin ich ja auf Krawall gebürstet, aber inwendig, ganz tief in mir drin, kurz vor der tierischen Empfindsamkeit sozusagen, da bin ich nur Liebe.
Sie suhlen sich trotzdem gerne, oder?
Aber ja. Schlammbäder haben diesen Hauch von Vollkommenheit, so eine verworfene Dreckigkeit. Aber inwendig, da bin ich voller Liebe und Sauberkeit.
Und Sie schubbern Ihren Rücken an Bäumen?
Ja. Ich schubbere für mein Leben gern. Der Baum und die wilde Sau, das ist eine lebenslange Beziehung. Ich glaube, Bäume haben in sich drin auch Liebe. Die Liebe ist ja letztlich in allem.
Sie stinken?
Meistens.
Meisten manchmal oder meistens und manchmal auch noch?
Eher meistens. Ich stinke und dazu stehe ich. Inwendig aber, da bin ich wie eine Duftkerze, eine blühende Rose, ein Lavendelzweig. Eine Orgie an schönen Gerüchen sozusagen.
Sie sind aber ein Wildschwein?
Wildschwein hin, Sauhaufen her, wir sind doch alle das, was wir in uns haben: Ein jeder trägt da sein eigenes Päckchen.
Oh, eine philosophisch angehauchte, lieblich riechende Sudelsau. Kann man das so sagen?
Ganz genau.
Vielen Dank für das Gespräch. Wir gehen nie wieder Jagen.

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