Königliche Freiheit

Fragte der erste Page nach dem Mittagessen den König: Möchten eure Hoheit heute selbst aufstoßen oder soll der erste Page das für Ihn übernehmen?
Antwortete der König: Er möge stoßen, was er könne. Und dann: Hinfort.
Der König veranstaltete mit der Hand ein Art hoheitliches Hinfort wedeln und widmete sich seinem Vorhaben, als derjenige Monarch in die Geschichte einzugehen, der seinem Volk die Freiheit geschenkt hatte. Sagte also der König in die Runde: Ich schenke allen meinen Untertanen für jetzt und immer die Freiheit, äh, wie viele Untertanen waren es noch gleich?
Antwortete die Runde: Oh, Eure Denkwürdigkeit. Wir sind zwölf Untertanen und ein Page.
Verfügte also der König: Gut, so sei es denn. Ihr seid alle frei.
Hoheit?
Ja, Volk?
Was sollen wir denn jetzt machen?
Na, ihr könntet zum Beispiel einen Kuchen backen und eure Freiheit feiern.
Der König wiederholte seine wedelnde Hand von vorhin und entließ sein Volk nach draußen vor das Schloss. Er für seinen Teil hatte heute genug Freiheit verschenkt.

Am nächsten Morgen versammelte sich sein jetzt freies Volk wie immer in der großen Halle vor dem Thron und erwartete auf eine Beschwerde und eine Frage Antwort vom König.
Fragte der König: Was war eurer Begehr?
Antwortete das Volk: Oh, Hoheit. Wir haben nun eine Nacht freiheitlichen Schlafs hinter uns. Uns ist langweilig, kalt und wir haben noch nicht gefrühstückt. Können wir nicht wieder unfreie Untertanen sein und zurück ins Schloss kommen? Hier ist es eindeutig schöner.
Der König nickte verständnisvoll und antwortete in einer langen und sehr umständlichen Rede. Er verwendete verschiedene ungenaue Fremdwörter und nickte gelegentlich an den Stellen seiner Rede, die er selbst nicht recht verstand. Zusammenfassend meinte er dann zu seinem Volk: Ach, scheiß auf Geschichte und Freiheit. Wenn ihr wollt, seid ihr alle wieder Untertanen. Frühstück für alle.

Und so lebte dieses seltsame Volk mit seinem seltsamen König noch lange und zufrieden im Zustand der Unfreiheit.

2 comments on “Königliche Freiheit

  1. Da hast Du ja mal wieder ein großes Wort gelassen ausgesprochen!
    Sonnige Grüße,
    Daniela

    1. Kay Hüttner sagt:

      Danke zurück aus dem dunstig-grauen Norden, Kay

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