Bericht vom letzten Kongress

Anbei ein kurzer Bericht vom letzten Götterkongress in der Stadthalle von Überunterfurt am letzten Wochenende. Die Eröffnungsrede hielt wie jedes Jahr seine Obergottheit Achim, Vorsitzender und Gott ohne besondere Zuständigkeitsbereiche. Achim sprach über sein Lieblingsmotto: ‚Da wo ich bin, ist vorne.‘ und über die angedachten Steuersenkungen (auf die Hälfte) für ihn und seine Nebengötter oben auf dem Podium. Nach einer kurzen Denkpause der anmutig lauschenden Kongressgötter wurde seine Rede mit lang anhaltendem Applaus bedacht.
Anschließend kam es zu einem kleinen Affront, als der Gott der verwaltungstechnischen Vorgänge (kennt sich aus mit Vorstandsbezügen, Kassenwartswahlen und Beisitzerverantwortungsbereichen) behauptete, drei Gottheiten hätten ‚über die Stränge geschlagen‘. Jeder im Saal wusste von den nicht näher beschriebenen Vorgängen, hätte aber niemals erwartet, dass öffentlich darüber gesprochen werden würde. Der Gott der kleinen Geheimnisse (aus Fulda) und der Gott der möglichen Sichtweisen (aus Bottrop) ließen sich für die spätere Fragestunde auf die Liste vom Gott der Verzeichnisse und Auflistungen setzen.

Der Gott des üblen Geruchs, der Gott der Barhäuptigen und der Gott der altersbedingten Krankheiten zogen nach einer kurzen Beratung in einer Ecke der in göttlichem Gelb gehaltenen Stadthalle von Überunterfurt die Konsequenzen und traten von ihren Ämtern zurück. Die nicht weiter ausgeführten Vorgänge bezogen sich auf sie. Sie wussten das, die Kongressgötter wussten es, und der Gott der waghalsigen Unterstellungen ebenfalls.

Zum Abschluss des Kongresses am späten Abend (der Gott der Abenddämmerung hatte mal wieder sein Bestes gegeben) erschienen einige der berühmten Altgötter, unter anderem der Gott der Ehemaligen und der Gott der in Schande Zurückgetretenen, auf dem Podium und winkten tränenreich und sehnsüchtig bewegt den noch anwesenden Kongressgöttern zu. Die Gottheit der Mode und die Göttin der Farbdesigner nickten sich vielsagend quer durch den Saal zu. Einer der Altgötter hatte wie immer seinen gelben Pullover an, ein anderer (der Gott der verblichenen Erinnerung) die selben abgelaufenen Schuhe vom letzten Jahr.

Die Schlussrede hielt wie im letzten Jahr die übellaunige zweite Vorsitzende (Göttin der Kühlaggregate und Froster) mit einem an dieser Stelle nicht wieder zu gebenden Witz über einen unbedeutenden Gott aus dem Norden (den Gott der Sanddünen und Sandvorspülungen).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.