Das große Schubidu

Das große Schubidu begann an dem Tag, als es der Mücke gelang, dem Elefanten ins Ohr zu stechen, ganz hinten, da, wo er auf keinen Fall mit seinem Rüssel dem Jucken entgegen kratzen konnte. Der Elefant machte, so wie es seine Art war, seine Frau Gisela verantwortlich und trat ihr gegen ihr vorderes rechtes Schienbein. Gisela kippte um und stellte sich eine Woche tot oder imitierte einen elefantenmäßig todesähnlichen Zustand. Sie atmete flach, trank im Liegen Wasser aus einer Pfütze und ignorierte alle Aufforderungen, doch bitte endlich wieder aufzustehen. Gisela hatte, anders als andere Elefanten, glücklicherweise ein Gedächtnis, das nur genau eine Woche zurück reichte. Am Ende der Woche hatte sie vergessen, weswegen sie sich hingelegt hatte und erhob sich. Günter, ihr Elefantenmann, der mit dem Mückenstich im Ohr, stimmte augenblicklich das große Schubiduhuhu an. Um keine schlafenden Hunde (oder Elefanten) zu wecken, entschuldigte er sich allerdings nicht bei seiner Elefantenfrau, nicht dass ihr hinterher noch irgendetwas wieder einfiel. Das Ende des großen Schubiduhuhus war ein hinterbeiniger Stepptanz, den Günter in der staubigen Savanne auf ein gedachtes Parkett hinlegte, so als sei er der Gott des Stepptanzes. Im Hintergrund ging, riesenhaft rötlich und dem Anlass entsprechend, die Sonne unter. Alle Menschen, Tiere, Pflanzen und sonstige Geister der Savanne hielten für einen kurzen Moment inne, starrten auf den stepptanzenden Elefanten und kratzen sich, soweit sie einen hatten, am Hinterkopf. Das taten sie solange, bis jemand mit der Hand abwinkte und sagte: Ach, das ist ja das große Schubiduhuhu. Das hab ich aber auch wirklich lange nicht mehr gesehen. Wie schön.

Seit dieser Zeit hat das große Schubidu niemand mehr gesehen. Das mag daran liegen, dass keiner richtig hinguckt oder einem beim genaueren Hingucken Zweifel kommen, ob das, was er da sieht, auch wahr ist. Günter jedenfalls hat seiner Frau nie wieder gegen das Schienbein getreten. Er steppt jetzt lieber.

2 comments on “Das große Schubidu

  1. Da ich mich im Moment etwas „giselaig“ fühle, wüsste ich gerne, wie ich meinem Günter das Steppen beibringe…?
    Grüße aus Riedenburg,
    Daniela

  2. schindelschwinger sagt:

    Das Ende des großen Schubiduhuhus war ein tanzbeiniger hinterstepp, den Günter in der savannigen Staube auf ein parkettiges Dach hinlegte, so als sei er der Stepp des Gotttanzes …
    Natürlich entschuldigte günter sich nicht bei gisela, weil auch er nicht mehr wusste, wofür er sich hätte entschuldigen sollen…

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