Cockerspaniel

Ein alter Spruch unter Seglern besagt: Trau niemals einem Cockerspaniel. Einer der Sprüche Salomons (der es nicht in die Bibel geschafft hat) lautet: Alles Glück dieser Welt ist ein Cockerspaniel, der nicht bellt. Bei den Mayas klagte man: Von der Wiege bis zur Bahre findest du Cockerspaniel-Haare. Und von Bismarck, diesem alten Hundefreund (er liebte nur die großen Hunde), stammt die Aussage: Hätte ich keinen Schnauzer, hätte ich einen Pudel, aber niemals einen Cockerspaniel.
Woher stammt diese anscheinend tief verwurzelte Abneigung gegen Cockerspaniel? Gibt es ein menschliches Urerlebnis, welches uns für immer mit dem Cockerspaniel verbindet? War der erste Biss in die Wade vielleicht der eines Cockerspaniels?
Wir können diese Frage nicht beantworten, glauben wir doch, der Cockerspaniel sei ein Hund. Mitnichten! Der Cockerspaniel ist, auch wenn er anmutig über eine grüne Wiese läuft, in Zeitlupe Cockerspaniel-like und elegant im Hundelaufgegenwind seine Cockerspaniel-Ohren entfaltet, dass sie wie Engelsflügel wirken, und auch wenn er ein wenig treu doof und hundeübertrieben daherkommt („Hach, was bin ich für ein glücklicher Hund.“), der Cockerspaniel ist, wir müssen es so deutlich sagen, wie wir. Er ist ein Hund wie du und ich, denn, ähäm, er trägt Perücke. Im echten Leben gibt es gar keinen Cockerspaniel, alles an ihm ist Täuschung, Illusion und Machwerk. Er imaginiert Ohrattrappen, arbeitet mit Haarimplantaten und seine so zauberhaft geschwungenen Cockerspaniel-Wimpern sind aus China importiert und angeklebt. In Wirklichkeit ist der Cockerspaniel ein haarloses Etwas ohne Namen. Jawohl.

Günter?
Ja, Gisela?
Ach nichts.

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