Glücksmomente. Fisch.

Ein Fischbrötchen, zumal eines mit Bismarckhering, hat zwei Seiten, eine, die schmeckt, und eine, die gut aussieht. Sowohl Aussehen (vor dem Essen), als auch Geschmack (während des ersten Bissens), sind seltene Glücksmomente, frei nach dem Motto: Mein Gott, was hatte ich jetzt Lust auf ein Fischbrötchen! Die Ernüchterung folgt in der Regel kurz danach, das Brötchen ist nicht halb so knusprig, wie es aussieht und der Fisch scheint schon seit dem Tod des alten Bismarck auf einen Esser zu warten. Und, um den Pott voll zu machen (oder den Kohl rund oder wie man das so sagt), nachher liegt dieses Fischbrötchen den Rest des Tages ausgesprochen und unglaublich quer im Magen (mit jedem Aufstoßen wird man an Bismarck erinnert), dass man auf diesen einen Moment des vorfreudigen Wasser-im-Mund-Zusammenlaufens-beim-Anblick-eines-Fischbrötchens lieber verzichtet hätte, zugunsten des Magens natürlich und der Erinnerung an Bismarck. Soweit zu Fischbrötchen.
In die selbe Kerbe der unmöglichen Glücksmomente schlägt übrigens geräucherter Fisch, der in seiner geruchsmäßigen Anmutung (Wie lecker riecht das denn?), also in seiner rauchgeschwängerten Duftanbiederung, die einem beim Eintritt in die Halle einer Fischräucherei entgegen wabert, der Räucherfischgeruch also, der so unübertroffen verführerisch daherkommt, der als zu essender Fisch jedoch in seinem Fettgehalt, und in dem sich an das Fischessen anschließende Völlegefühl, unüberbietbar ist. Es soll, so heißt es in einschlägigen Fischbuden, nichts geben, was dem vergleichbar wäre, und nichts, was dagegen helfen könnte. Ein unfettes, frisch geräuchert riechendes Fischbrötchen mit noch zappelndem Bismarckhering, das wäre vielleicht eine Alternative. In Asien wird ja auch gegrillte Grille gegessen. Oder Wurm. Oder so.

Aus dem Rahmen dieser Betrachtung fällt selbstverständlich der niemals zu übertreffende Geruch frisch gemähten Grases, und die Brise, die einem von einer windig-aufgewühlten Ostseebucht entgegen streicht. Nichts kommt da ran, außer man würde das Gras essen und den Durst mit einem Schluck Ostseewasser löschen. Aber das macht ja keiner.

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