Heizkosten

Der berühmte, leider schon verstorbene Indianer Lord Conroy Darbow Earthmyst III. traf sich, als er noch jünger und ein ab und zu ausreitender Indianer gewesen war, einmal im Monat mit seinem langjährigen Freund Roger, in Indianerkreisen bekannt als ‚Stelzbein-Roger‘, zum Lamentieren. Das Lamentieren fand in Lord Conroys Tippi statt, bei geschlossenem Tippi-Eingang, begleitet von einem rauchigen kleinen Feuerchen. Da sie viel zum Lamentieren hatten und die Zeit begrenzt war (Lord Conroys Frau ging einmal im Monat zu einer zweistündigen Tupperware-Party), setzten sie sich ans Feuer und legten sofort los. In der Regel lamentierte Lord Conroy als erster, Stelzbein-Roger antwortete.

Die Heizkosten.
Oh, ja.
Wasserverschmutzung.
Schlimm.
Giftige Schlangen.
Du sagst es.
Die Heizkosten.
Hatten wir schon.
Die Römer.
Meine Güte.
Die Griechen.
Die auch.
Atomstrahlen.
Die erst recht.
Politiker.
Unglaublich.
Die Heizkosten.
Da sag ich jetzt nichts zu.

Und wenn sie so am Lamentieren waren und in aller Bescheidenheit das Unglück der Welt mit ihrem eigenen Dasein verbanden, vergaßen sie alles um sich herum. Sie traten in den Zustand der Lamentier-Trance, etwas, was nur wenigen Indianern vergönnt war. Und in einem dieser Zustände glaubte Lord Conroy eines Tages eine Maus zu sehen, die sich durch ein Loch in der Rückwand des Tippis Zugang verschafft hatte. Die Maus setzte sich an das kleine rauchige Feuerchen und hielt ein Stück Marshmellow an einem Stock in die Hitze. Dabei pfiff sie ein Lied.
Roger?
Ja, Conroy?
Siehst du die Maus?
Ja.

Das war das letzte Mal, das irgendjemand die beiden Lamentieren sah.

One comment on “Heizkosten

  1. schindelschwinger sagt:

    ..und da es sich um die berüchtigte cosa-nostra-maus, al-bendetti, handelte, und sie grade ihren „train down memory lane“ nahm, pfiff sie dieses lied hier (genau wie bereits 1956 auf der zuchtbullenausstellung in hannover)

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