Ich glaube, ich bräuchte

Ich glaube, ich bräuchte mehrere von mir. Zum Beispiel einen, der mich daran erinnert, was ich gestern gegessen habe, wenn mich der Schluckauf überfällt. Oder einen, der morgens für mich aufsteht, die Zähne putzt, die Zeitung holt, und mir das gemachte Frühstück ans Bett bringt, wenn ich dann alles geklärt habe, was ich morgens so zu klären habe. Und einen, der für mich abnimmt. Und einen, der mich beim Laufen überholt, stehenbleibt, auf mich wartet und den Rest mit mir zusammen läuft. Und einen, der für mich stolpert oder sich den Kopf an einer Regalbrettecke stößt. Einen, der für mich in Hundescheiße tritt und einen, der der Bananenschale ausweicht. Und einen, der sich für mich die Nachrichten anguckt, einen, der die Werbung ausblendet, einen der für mich hustet, wenn es im Kino richtig spannend wird, einen, dessen Handy klingelt, wenn im Theater gerade jemand ‚Psst‘ macht, und einen, der sich das alles ausdenkt.
Ich glaube, ich bräuchte auch jemanden, der für mich streitet, der sich ärgert, der sich missmutig äußert, dann muss ich das nicht machen. Ich versöhne mich, freue mich und rede mit Blumen, Wolken und Puppenspielern über dies und das. Ich gucke aus dem Fenster den Flugzeugen hinterher und pflücke mir das Gute vom Leben. Ich glaube, das mach ich.

2 comments on “Ich glaube, ich bräuchte

  1. Finde ich gut. Das mache ich jetzt auch.
    Schweizerisch angehauchte Grüße aus Riedenburg,
    Daniela

  2. schindelschwinger sagt:

    Zum thema schluckauf fällt mir folgendes ein:
    Melosinen. Krawehl! Krawehl! Taubtrüber Ginst im Musenhain. Trübtauber Hain im Musenginst. Krawehl! Krawehl..

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