Der Bär

Als der Bär das erste Mal in unsere Straße kam, hielten ihn alle für einen dicken alten Mann, der so tat, als sei er ein Bär. In Wirklichkeit war er doch ein Bär, dem es nur super gut gelang, so zu tun, als sei er ein dicker Mann, der einen Bären imitiert. Man merkte es unter anderem daran, dass er auf einem Auge schielen konnte, wenn er wollte.
Was jetzt?
Wie, was jetzt?
Was merkte man unter anderem daran? Welche Augenfarbe hatte denn der Bär? Und woran hast du erkannt, dass es keine Bärin war?
Blaubraungrüngelblich. Er hat im Stehen gepinkelt und gestunken. Und ich habe noch nie von einem dicken Mann mit einem vollkommen unlustigen Gemüt gehört, der von sich aus auf einem Auge geschielt hätte, so zum Spaß.
Na, das ist jetzt ja aber mal ein Beweis.
Sag ich doch. Also, der Bär nannte sich Hartmut und behauptete, er könne uns vor Schutzgelderpressung beschützen. Um das zu demonstrieren, holt er ein langes Bärenmesser, eine Axt, ein Seil und ein Stück Kreide aus seinem Bauchsack. Dann schielte er wieder auf einem Auge.
Was für ein Blödsinn.
Wieso?
Bären haben keine Bauchsäcke.
Nee, jetzt, der hatte aber einen. Mit dem Messer hat er dann vom Seil ein Stück abgeschnitten, mit der Kreide einen Kreis auf den Bürgersteig gemalt und ist dann Seil gesprungen. Fünfundvierzig Minuten.
Wie langweilig ist das denn?
Dabei hat er die Axt mit dem Stiel auf dem Kopf balanciert.
Ach.
Und Werner saß auf seinem rechten Fuß.
Tatze. Bei Bären heißt das Tatze.
Ok, Tatze.
Und das Schutzgeld?
Das weiß ich jetzt auch nicht mehr.
Günter?
Ja, Gisela?
Aber nicht, dass du mir den Bären mit nach Hause bringst.
Manno.

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