Eines Tages, es war im Herbst, über den Wiesen lagen morgens feuchte Nebel, Raureif bedeckte Pflanzen, die leise zitterten, Hunde bellten erst ab mittags, entdeckte Lord Conroy (eigentlich Lord Conroy Earthmyst III., Nachfahre vom Hieronymus Vogelhut und der indianischen Häuptlingsschwester Kicherndes As, aber das spielte zum Zeitpunkt der Entdeckung keine Rolle), an genau solch einem klammen Morgen, der einem alten Indianer Gedanken an bitterlich kalte Winter und frierende Gesäßbacken auf frierenden Ponies unterjubelt, an solch einem Morgen also entdeckte Lord Conroy nach dem Aufstehen, er rekelte sich gerade schlafnackt vor seinem Tipi und kratzte lange und ausgiebig an sich herum (wo er kratzte, spielte keine Rolle, nicht einmal das er sich kratzte war von irgendeiner Bedeutung), da entdeckte Lord Conroy bei einem Blick auf die sich in einer Pfütze spiegelnden, gerade aufgehenden Sonne, wie alles so funktioniert und zusammenhängt in unserer Welt: Das Problem mit der Zeit, die mal langsam und mal schneller vergeht, und warum die Sonne einen blind werden lässt, wenn man sie zu lange anstarrt, was das Universum und das Kratzen gemeinsam haben, und auch, warum Frösche mal so quaken und mal anders, alles das verstand er ganz plötzlich und ganz genau. Da es aber nicht seine Art war, um solch ein Wissen viel Aufhebens zu machen, vielleicht sogar Tamtam zu schlagen oder ein lautes “Heiliges Kanonenrohr!” von sich zu geben, nickte er der Sonne einen freundlichen Gruß zu und ging, in sich selbst ruhend und leise vor sich hin pfeifend, zurück ins Tipi zu seiner Frau und zum ersten Kaffee dieses Tages. Man sollte, das wusste Lord Conroy, auch einfach mal so was wissen dürfen, nur so zum Spaß, ohne jedem gleich davon erzählen zu müssen.
Archiv für den Monat: Oktober 2011
Geschirrspüler & anderes.
Gisela, liebst du mich eigentlich so, wie ich dich?
Äh. Moment. Im Prinzip ja.
Und ansonsten?
Auch.
Oh, Gisela, was biste schön heute.
Wo, wo? Sag mir ganz schnell, wo?
Gisela! Ich finde nicht, dass du jetzt noch den Geschirrspüler ausräumen solltest, das kann ich doch morgen machen.
Ausräumen? Ich will ihn einräumen!
Ach so. Na, das kannst du natürlich halten wie du willst.
Fragiles Gleichgewicht.
Seit ich krampfhaft versuche, nicht an die Bankenkrise zu denken, denke ich ununterbrochen an Sachen, die mich nicht an die Bankenkrise erinnern. Ich denke richtig viel nach, so dass mir, mikroökonomisch gesehen, keine Haare mehr wachsen (außer aus der Nase). Makroökonomisch habe ich ja nicht viel zu melden seit mein Gewicht fällt. Und laut dem Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwuchs, müsste ich statt einem Haar vorne hinten Zöpfe flechten können.
Ich befinde mich, gesallschaftspalatisch im Ungleichgewicht, auch lalle ich gerne sannlase Gadanken vor mich han. Ich hupe, wenn ich mir zu schwer vorkomme, ich pfeife auf das Gegenteil. Baim Fernsehen schweifen meine Gadanken auch gerne mal in wait entfernte Welten ab, genauer gesagt zu Inseln, noch genauer zu den Sandwich-Inseln, die man hoffentlich essen kann.
Mir schwinden die Sinne, ich deliriere, klappere mit den Zähnen und bekomme von jedem, der mir ins verhungert-verhärmte Gesichtchen blickt, einen Euro geschenkt. Den lege ich dann bei meiner Bank an, nur so hält die das Gleichgewicht. Eine ganz grasse Schaise ist das, eine ganz grasse Schaise.
Perfeckter Samstag.
Gut, ich sag jetzt mal so dahin, was mir gerade durch den Kopf geht, nämlich das mit dem letzten Zeitmagazin, der Beilage zur Zeit, ja, DER Zeit, ob ich die immer lese oder nur mal so darauf aufmerksam machen will, wie gebildet ich bin? Ich lese ja gar nicht alles und wenn, dann das Zeitmagazin nur auf dem Klo. Und im letzten Zeitmagazin geht es, genau, um Design, um großes Design und kleines Design und minikleine, nachgebaute Designermöbel, und, und darauf will ich jetzt hinaus, um kleine Menschen in kleinen Räumen. Oder so. Jedenfalls kleine Räume, winzige Räume, wo die Leute dann all ihre Sachen haben, ganz toll und vollgestellt und so, der eine nannte sich “Nomade” und brauchte sowieso keinen Platz, klasse, Nomade würde ich mich auch nennen, wenn ich nicht wüsste, wo ich hingehöre oder wo ich bleiben will. Na, wie auch immer, es ist mir ja irgendwie unangenehm, aber ich halte es in kleinen Räumen nicht aus, das ist so, äh, so klein. Das wollte ich nur mal sagen. Ach ja, das waren alles junge kleine Leute in den kleinen Räumen, und als ich jung war, war mir das auch egal, wo ich gewohnt habe, Hauptsache irgendwo und nicht unter einer Brücke. So weit dazu.
Und deshalb bin ich dann auch raus auf die Straße zum Einkaufen, was ja zu einem perfeckten Samstag dazugehört. Ich also raus und werde direkt vor der Haustür fast von einem Fahrradfahrer überfahren, fast, natürlich, Fahrradfahrer fahren einen immer nur fast über den Haufen, niemals ganz, jedenfalls nicht hier in Hamburg, vielleicht auf dem Dorf, aber nicht hier, hier tun die nur so. Ich spüre trotzdem jedes Mal wieder den Hauch des Todes oder den Hauch der Pedale, wenn man so will.
Ich also zum Edeka, Einkaufen mit Genuss, und stehe da an der fünften Kasse von sechs gefüllten Kassen, Musikstöpsel im Ohr, voll laut, und werfe einen kurzen Blick zum Eingang, da stehen doch tatsächlich Uhhliie und Mumie, der eine mit einer halbvollen, der anderen mit einer leeren Bierflasche und brüllen sich gegenseitig zu, dass der eine (Uhhliie) doch bitte an den anderen (Mumie) denken möge, wegen dem Bier und so, er (Mumie) könne doch nicht einfach jetzt mit dem halbvollen Bier in den Laden, das macht man doch nicht, also brüllt er los “E Uhhliie, deng an das Bier!”, während Uhhliie schon halb weg ist und sich nochmal umdreht und zurückbrüllt, damit Mumie auch wirklich Bescheid weiß: “Nee, klar Mumie, kein Problem. Bier? Wolltest du auch Bier? Ich bring dir dann eins mit, kannste ja hinterher bezahlen.” Das Gute war, dass ich jetzt auch Bescheid wusste.
Ja, und ich dann zurück nach Hause mit dem Lauch oder Porree, das ist doch dasselbe, oder? Sieht jedenfalls gleich aus, Lauch und Porree, und wenn ich den Zettel wegschmeiße, merkt da sowieso keiner den Unterschied, und dem Hack und der Milch und Sonnenblumenöl. Sonnenblumenöl! Wer kauft denn Samstags Sonnenblumenöl? Stand aber auf dem Zettel, und dann kauf ich das eben und schlepp zwei dicke Tüten zur nächsten Ampel und wuchte die eine Tüte mit dem Arm nach oben um diesen dämlichen Drücker zu drücken, der für das Bitte-Bitte-ich-will-jetzt-rüber, und ich drücke und die Ampel wird sofort, augenblicklich, ohne fünfminütige Verzögerung rot. So was auch. Das passiert alle hundert Jahre einmal. Das nenne ich einen perfeckten Samstag, oder wie jetzt?
Günter?
Ja, Gisela?
Ich hab das alles gehört.
Mir doch egal.
Auch das mit dem Porree.
Mist.
Und perfekt spricht man nicht mit ck, nie Günter.
Na, toll.
Die Anwesenheit des Nichts.
Das Nichts (das Nix) ist da zu Hause, wo eine Seifenblase platzt. Und ein Schatten die Wand längs läuft. Oder da, wo jemand die Klospülung zieht. Da ist dann nichts mehr, wo vorher was war. Das ist das Nix im Sinne von gar Nix oder Klonix.
Da ist nichts, ja, wirklich, da ist überhaupt nichts, oder äh, doch, da ist was. Das ist superkalifragilistischexpiallegetisch.
Eine Null ist übrigens nicht nichts (nix nix), sondern ein ausgedachtes, eiförmiges Ö (ohne ö-Punkte, also Önix) zwischen plus und minus eins. Die Null trennt das Gute vom Bösen (das Plusnix vom Nullnix).
Im Vordergrund ist ja nichts zu sehen (siehnix), aber da, was ist das? Oh, ja, es ist, äh, Tschitti Tschitti Bäng Bäng.
Günter?
Ja, Gisela?
Hör endlich auf so rumzuzappen. Und wenn doch, dann lass bitte deine Kommentare.
Manno!
Oropax
Für den empfindlichen Milchbauern:
Was soll jetzt dieses Rumgemuhe, mit Oropax herrscht endlich Ruhe.
Für den eiligen Engel:
Ob oben oder auch hienieden, Oropax bringt Frieden.
Des Teufels letzte List: Dass Gott sein Oropax vergisst.
Für den geschmacksneutralen Koch:
Wozu denn dieses Rumgemecker, auch Oropax schmeckt ganz schön lecker.
In the year 2525.
Im Jahre 2525 werde ich eine amorph transparent transzendente Lebensform sein, die sich nicht erinnern kann, wann sie das letzte Mal etwas gegessen hat. Durchsichtig und sphärische Laute murmelnd, werde ich mit meiner Familie rund um ein Lagerfeuer sitzen und imaginäre Marshmallows anstarren. Ab und zu werde ich mich selbst befruchten, wobei ich einen kleinen Gedanken fliegen lasse und ein hellklingendes ‘Pling’ von mir gebe. Für jedes Pling wachsen in einer anderen Welt zur selben Zeit einem Engel seine Flügel. Beim Gedanken an Essen hört man von mir ab und an ein launisches ‘Platsch’, wobei der Engel in der anderen Welt seine Flügel wieder verliert. Langsam, ganz seicht, von Tag zu Tag, werde ich ein klitzekleines bisschen wahnsinniger. Wenn es soweit ist, wechsle ich dann den Beruf und werde Verbotsschildeerfinder.
Mein Lieblingsverbotsschild wird den Text haben: Du darfst in der U-Bahn nicht pupsen.
Zager & Evans: http://vimeo.com/26796416