Perfeckter Samstag.

Gut, ich sag jetzt mal so dahin, was mir gerade durch den Kopf geht, nämlich das mit dem letzten Zeitmagazin, der Beilage zur Zeit, ja, DER Zeit, ob ich die immer lese oder nur mal so darauf aufmerksam machen will, wie gebildet ich bin? Ich lese ja gar nicht alles und wenn, dann das Zeitmagazin nur auf dem Klo. Und im letzten Zeitmagazin geht es, genau, um Design, um großes Design und kleines Design und minikleine, nachgebaute Designermöbel, und, und darauf will ich jetzt hinaus, um kleine Menschen in kleinen Räumen. Oder so. Jedenfalls kleine Räume, winzige Räume, wo die Leute dann all ihre Sachen haben, ganz toll und vollgestellt und so, der eine nannte sich „Nomade“ und brauchte sowieso keinen Platz, klasse, Nomade würde ich mich auch nennen, wenn ich nicht wüsste, wo ich hingehöre oder wo ich bleiben will. Na, wie auch immer, es ist mir ja irgendwie unangenehm, aber ich halte es in kleinen Räumen nicht aus, das ist so, äh, so klein. Das wollte ich nur mal sagen. Ach ja, das waren alles junge kleine Leute in den kleinen Räumen, und als ich jung war, war mir das auch egal, wo ich gewohnt habe, Hauptsache irgendwo und nicht unter einer Brücke. So weit dazu.

Und deshalb bin ich dann auch raus auf die Straße zum Einkaufen, was ja zu einem perfeckten Samstag dazugehört. Ich also raus und werde direkt vor der Haustür fast von einem Fahrradfahrer überfahren, fast, natürlich, Fahrradfahrer fahren einen immer nur fast über den Haufen, niemals ganz, jedenfalls nicht hier in Hamburg, vielleicht auf dem Dorf, aber nicht hier, hier tun die nur so. Ich spüre trotzdem jedes Mal wieder den Hauch des Todes oder den Hauch der Pedale, wenn man so will.

Ich also zum Edeka, Einkaufen mit Genuss, und stehe da an der fünften Kasse von sechs gefüllten Kassen, Musikstöpsel im Ohr, voll laut, und werfe einen kurzen Blick zum Eingang, da stehen doch tatsächlich Uhhliie und Mumie, der eine mit einer halbvollen, der anderen mit einer leeren Bierflasche und brüllen sich gegenseitig zu, dass der eine (Uhhliie) doch bitte an den anderen (Mumie) denken möge, wegen dem Bier und so, er (Mumie) könne doch nicht einfach jetzt mit dem halbvollen Bier in den Laden, das macht man doch nicht, also brüllt er los „E Uhhliie, deng an das Bier!“, während Uhhliie schon halb weg ist und sich nochmal umdreht und zurückbrüllt, damit Mumie auch wirklich Bescheid weiß: „Nee, klar Mumie, kein Problem. Bier? Wolltest du auch Bier? Ich bring dir dann eins mit, kannste ja hinterher bezahlen.“ Das Gute war, dass ich jetzt auch Bescheid wusste.

Ja, und ich dann zurück nach Hause mit dem Lauch oder Porree, das ist doch dasselbe, oder? Sieht jedenfalls gleich aus, Lauch und Porree, und wenn ich den Zettel wegschmeiße, merkt da sowieso keiner den Unterschied, und dem Hack und der Milch und Sonnenblumenöl. Sonnenblumenöl! Wer kauft denn Samstags Sonnenblumenöl? Stand aber auf dem Zettel, und dann kauf ich das eben und schlepp zwei dicke Tüten zur nächsten Ampel und wuchte die eine Tüte mit dem Arm nach oben um diesen dämlichen Drücker zu drücken, der für das Bitte-Bitte-ich-will-jetzt-rüber, und ich drücke und die Ampel wird sofort, augenblicklich, ohne fünfminütige Verzögerung rot. So was auch. Das passiert alle hundert Jahre einmal. Das nenne ich einen perfeckten Samstag, oder wie jetzt?

Günter?
Ja, Gisela?
Ich hab das alles gehört.
Mir doch egal.
Auch das mit dem Porree.
Mist.
Und perfekt spricht man nicht mit ck, nie Günter.
Na, toll.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.