Der Stiefelmann.

Stiefelmann wurde der Indianer im Tipi nebenan genannt, jedenfalls von Lord Conroy. Für alle anderen war das der verrückte Indianer, der immer in Stiefeln herumlief. Soweit dazu.

An einem Morgen im Dezember steckte Lord Conroy kurz den Kopf aus seinem Tipi hinaus in die kalte, neblige Welt des ersten Advents. Es schneite einen leisen, vereisten Kälteschnee und Eiskristalle glitzerten auf den Grashalmen. Vor dem Tipi des Verrückten stand ein behaarter, fast nackter Indianer in Ballerinas und rosafarbenem Tütü. Er hielt einen Arm elegant in die Höhe und drehte eine Pirouette. Lord Conroy schluckte, als diese haarige Primaballerina ihn ansah und meinte: Ich habe auch Pumps, rote Pumps. Willste mal sehen?

Ein paar Tage später, morgens, Nebel, traritrara, Weihnachtstag, und von den Tannenspitzen sah Lord Conroy bunte Lichtlein blitzen. Vor dem Tipi des Verrückten stand diesmal ein in samtiges Rot gekleideter, dickbäuchiger, weißbärtiger, freundlich dreinblickender älterer Herr mit einem riesigen Sack auf dem Rücken. Wieder der Blick hinüber zu Lord Conroy: Ich muss dann mal los die Geschenke verteilen.
Lord Conroy, verständnisvoll und hintersinnig wie immer, lächelte und dachte bei sich: Der Stiefelmann, das ist der Stiefelmann. Es gibt ihn wirklich.

 

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