Morgen: Apfelbaum.

Und wenn ich wüsste, dass ich morgen einen Apfelbaum pflanzen müsste, würde ich noch heute die Welt untergehen lassen. Äh. Wenn es morgen Pflaumen regnete, würde ich heute doch keinen Apfelbaum pflanzen, wie albern wäre das denn? Und wenn es mich morgen nicht mehr gäbe, würde ich heute noch einen Saum an meiner neuen Hose umnähen lassen. Oder einen Flohzirkus gründen. Oder mich gedanklich auf Weihnachten vorbereiten. Oder jemandem beim Bungee-Jumping zugucken. Oder Einparken lernen und Skateboard fahren. Oder im Kopf multiplizieren. Eine Schnürsenkel- und eine Kleiderbügel-Fabrik bauen. Einen Eimer mit Quark füllen, einen anderen mit Stollen, beides zusammen kippen und abwarten, was passiert. Ein Huhn jagen. Einen Roman schreiben, eine Kurzgeschichte und eine zwanzigtausend Verse lange komische Oper. Die Demokratie neu erfinden. Den Ablasshandel wieder einführen. Mit einer Zeitmaschine ins Jahr meiner Geburt reisen und zugucken, wie ich, noch im Kreißsaal, meinen ersten Witz erzähle. In unserem Viertel den herumliegenden Müll einsammeln und demjenigen ins Wohnzimmer kippen, der ihn verursacht hat. Und wenn das alles nichts nützt und die Welt doch morgen untergehen sollte, dann würde ich auf den Apfelbaum zurückkommen, ihn einpflanzen und zugucken, wie er wächst.

Günter?
Ja, Gisela?
Man gut, dass die Welt morgen nicht untergeht.
Du sagst es.

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