Der mürrische Weihnachtsmann.

Dies ist eine tragische Weihnachtsmanngeschichte, nur so vorweg, als Einstimmung, dass jeder auch Bescheid weiß.

Der mürrische Weihnachtsmann war der letzte seiner Art, zumindest an diesem 24. Dezember um diese Uhrzeit in diesem Regal. In gefühlten drei Minuten würde der Laden schließen und er, rot-weiß staniolverpackt, stand immer noch hier im Regal, neben den Schokoküssen, über den Marzipankartoffeln, und rechts hörte man die Chipstüten knistern. Was für eine Scheiße! So ein Mistsack, dieser verfluchte 24. Dezember, dieser miese letzte Weihnachtsverkaufstag das. In drei Tagen wäre er nur noch ein Viertel wert und würde zwischen alten Schokolebkuchen und gummeligen Rumkugeln als Grabbelware angeboten werden. Irgendein dummes Kind würde auf ihm herumdrücken, eine Mutterhand das Kind wegreißen mit dem Hinweis, der Weihnachtsmann sei ja alt und sähe auch vertrocknet aus. Und wenn es ganz schlecht liefe, würden sie ihn zurückschicken in die Fabrik, und abgerubbelt, verschreddert, gekrümelt und verkleinert als Osterhasenschokoladenmasse wiederverwerten. Meine Herrn, was für ein grausames Schicksal!

Im Moment der letzten Möglichkeit tauchte von irgendwo her dann dieses Kind mit seinen freundlichen Kinderhänden und den fröhlich glitzernden Kinderaugen auf. Es ergriff ihn, den letzten Weihnachtsmann, zaghaft zuerst, mit einem fragenden Blick zur Mutter, dann, weil diese weihnachtlich zustimmend nickte, fest und wissend: Dies ist mein Weihnachtsmann,  mein schönstes Geschenk.
Wie gut war im Grunde doch das Leben, ein Fest dieser wunderbare Tag. Still und demütig nickte der Weihnachtsmann in sich hinein und dankte seinem Schicksal. Auch ihn erfüllte nun die seligmachende Freude, die den heiligen Abend zu diesem unverwechselbaren Tag machte. Er war gerettet. Er würde kein Osterhase werden.

Draußen dann vor dem Laden zeigte das Kindlein sein kindliches Gemüt. Mit einem Riss fiel des Weihnachtsmannes rot-weiße Umhüllung, es knisterte, es knasterte und mit einem Biss in den Kopf endeten die Geschicke des letzten seiner Art. Ein später Gedanke des mürrischen Weihnachtsmannes war, wenn man es so sehen will, wohl auch eine Verfluchung: Na, schönen Dank auch.

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