Engelin 4. Schluss damit.

Gut, dachte ich noch, da ist er endlich, der Japaner. Gütiger Himmel! Ich muss mal wieder unter Leute, ich werde langsam verrückt. Ich sehe mitten in der Nacht Engel und fremde Japaner, die aussehen wie Belgier. Engelin streifte mich mit einem ihrer Stummelflügel und rückte meine Weltsicht gerade.

Es herrschte eine gespannte Stille, die womöglich lauter knisterte als Alufolie kurz vor dem Ofen, ich sage womöglich, weil es eventuell Tante Ilse war, die gerade einen Bonbon auspackte, oder Dancer mit einem knisternden Zungenschnalzen. Um es kurz zu machen: Der Japaner, der gar kein Japaner war, wie jeder sehen konnte, der japanische Belgier mit seinen neun Fingern nickte freundlich distanziert in die Runde und sagte etwas sehr sehr Bedeutendes. Auf Japanisch. Ehrlich. Ich verstand kein Wort.

Ich machte ein Gesicht und zeigte es Engelin: Ist das jetzt dein Ernst? Das war das, was du meintest? Wie soll mir das denn aus der Krise helfen?
Engelin schüttelte den Kopf, zuckte entschuldigend mit den Schultern und flatterte aufgeregt zur Tür. Sie machte dem Japaner klar, wo der Hammer hängt, zog an seinen Ohren, zeigte auf seinen Mund und machte das Halsabschneider-Zeichen. Das hätte selbst ich jetzt verstanden.

Der Japaner fing noch mal an: Äh, sorry jetzt auch, ich bin der, den alle hier für einen Japaner halten, obwohl ich gar keiner bin, und es spielt auch überhaupt keine Rolle. Das vorweg. Und jetzt die Botschaft für, Moment, ich hab’s gleich.
Er holte umständlich einen Zettel aus einer Tasche und versuchte etwas darauf zu entziffern. Er guckt hilflos in die flitzebogenmäßig gespannte Runde: Können Sie mir vielleicht sagen, was da steht? Das ist doch ein Name, oder? Sind Sie das vielleicht?
Er hielt mir den Zettel vor die Nase. Tatsächlich, da stand mein Name.
Gut. Sie bekommen das einmalige Angebot als Wolkenfotograf zu arbeiten. Sie können doch fotografieren?
Ich konnte nicht.
Na, macht nix, der letzte Wolkenfotograf hatte auch dreißig Jahre Zeit das zu üben. Sie mögen doch Wolken oder wissen zumindest, was eine Wolke ist?
Ich zog die Mundwinkel nach unten. Es ist ja nicht so, dass ich was gegen Wolken habe. Also, ok, ich mag Wolken, Wolken sind wirklich dufte.
Dufte? Gut. Ihr Vorgänger ist letzte Nacht beim Fotografieren abgestürzt, er wurde absentiert, abgefertigt, auf und davon, verstehen Sie? Nein? Er ist weg, weit weit weg, nicht mehr da, wir brauchen einen neuen Fotografen. Und Sie haben nun die einmalige Chance zu entscheiden, ob Sie die Wolken lieber von unten oder von oben fotografieren möchten, verstehen Sie? Stehend oder fliegend, hier unten oder da oben.
Ich nickte, so wie man nickt, wenn man kein Wort versteht. Wolken? Oben, unten? Häh?
Ich guckte zu Engelin, die mich trauriger als bisher ansah. Sie zeigte mit einem Finger nach oben und blickte über ihre Schulter nach hinten zu ihren Stummelflügeln. Oben Flügel, unten keine, kapiert? Dann plinkerte sie ihren lieblichsten Engelblick und flatterte ein bisschen.
Ich schluckte und verstand langsam. Wolken von oben fotografieren. Das hätte ER aber auch einfacher haben können. Ich nickte dem Japaner zu und zeigte nach unten, denn unten ist das Leben, das war meine Entscheidung.

Hippo dachte, ich meinte sein Loft, Gumbo brachte einen Loft-Witz und Dancer schnippte eine hawaiianische Fahrstuhlmelodie. Ilse knabberte an ihrem Bonbon als wäre nichts gewesen, es machte ‚Plopp‘ und der Japaner verschwand. Stattdessen lag da eine dieser typischen Wolkenkameras auf dem Boden, kennt man doch, Wolkenkamera, kennt irgendwie jeder. Es machte ‚Pling‘ und Engelin hatte große Flügel, irgendjemand pupste, ich glaube Onkel Werner, und ich fiel in Ohnmacht.

Das war’s. Ich habe Engelin letzte Woche beim Aldi getroffen, da saß sie irgendeinem armen Schlucker auf der Schulter, ein vollständiger Engel, große Flügel, guter Flug, mein Engel.
Meine Krise endete mit einer Woche Murmeltierdauerschlaf und dann tat ich das, was der Japaner vorgeschlagen hatte. Ich wurde der berühmteste jemals gewesene Wolkenfotograf, ich fotografiere Kumulus und Strato und Schäfchen und Wolken, die aussehen wie Engel oder Hasen oder, äh, Wolken. Und alles von hier unten. So war das und so sollte das wohl sein.

Engelin 3. Hippo, Gumbo, Dancer.

Engelin sorgte in dieser Nacht für eine offene Tür, so dass irgendwann auch Mister Mancini von „Mancinis Mini Lofts“ bei mir im Flur stand. Mister Mancini war mein Vermieter und ich schuldete ihm drei Monatsmieten. Ich gehöre zu den Menschen, die alles im Griff haben, außer Monatsmieten und nächtliche Gespräche mit Vermietern. Glücklicherweise war Mister Mancini ein guter Kerl, er setzte sich neben Ilse und plauderte mit Onkel Werner über Poker, Pferdewetten und Kirchenbingo, als sei das üblich mitten in der Nacht. Engelin flatterte herum und sorgte für Sternenstaub und frisch aufgebackene Mehrkornbrötchen. Ich grübelte und wartete auf den Japaner.

Hippo, Gumbo und Dancer tauchten ebenso unaufgeregt auf wie ihre Freundinnen, deren Freundinnen, Mütter, Schwiegerväter und Großeltern, Onkel, Tanten, Nichten, Hund, Katze, Maus. Hippo war Rapper oder Hip Hopper und wohnte unter mir in einem von Mister Mancinis Mini Lofts. Die Mini Lofts waren nichts anderes als kleine Räume ohne Innenwände, dafür mit Eckküche, Eckbad und Eckschlafnische, Loft hörte sich einfach besser an, fand Mister Mancini. Hippo war sehr dick, Gumbo sehr witzig und Dancer redete nie, stattdessen schnalzte er mit der Zunge und schnippte mit den Fingern. Wenn Dancer besonders gut drauf war, machte er Bewegungen mit einem Fuß. Die drei und der Rest ihrer Großfamilie kamen herein, Hippo schüttelte für mich seinen Speck, Gumbo machte darüber einen Witz und Dancer schnippte seltsam beruhigend Mull of Kintyre von Paul McCartney. Es war sehr unterhaltend und meine krisengebeutelte Gedankenwelt fiel langsam in sich zusammen.

Engelin setzte sich auf meine Schulter, sie sah jetzt noch kleiner aus, und flüsterte mir ins Ohr, dass SEINE Botschaft eigentlich noch ein bisschen länger gewesen war, er hätte nämlich auch von Transzendenz und Transparenz oder Konsistenz und Koinzidenz gesprochen, das hätte sie erstens gar nicht verstanden und zweiten auch nicht behalten, und was man nicht behalten kann, kann man auch nicht weitergeben. Da habe sie eben die drei Jungs angesprochen, dass es sich lohnen würde hier vorbei zu kommen, das würde helfen und außerdem gäbe es aufgebackene Mehrkornbrötchen, mitten in der Nacht. Ich stimmte ihr zu, ich an ihrer Stelle hätte das genauso gemacht.

Ja, und dann kam endlich der neun-Finger-Japaner. Er guckte mich von der Tür aus an und ich wusste sofort, wer er war. Er kam von IHM und würde mir etwas anbieten, was ich nicht abschlagen konnte. Ich nickte ihm zu und er nickte zurück. Ich nickte nochmal und er auch. Bis auf uns beide nickte aber niemand, dem Rest der Gesellschaft stockte der Atem. Anscheinend wussten alle das, was ich auch wusste. Was wir nicht wussten, war, was der Japaner anzubieten hatte. Außer Engelin. Die meinte, das sei auch gar nicht wichtig, das sei ja eigentlich gar kein Japaner.

Fortsetzung und Schluss folgt.

Teil 1: Engelin. Eine Fortsetzungsgeschichte.
Teil 2: Engelin 2. Der Japaner.

 

 

Engelin 2. Der Japaner.

Das also war die Situation. Ich blickte nach einer kurzen Ohnmacht in die Augen von Engelin, die leise säuselnd um mich herumpropellerte. Ab und zu kicherte sie seltsam angenehm und verstreute Sternenstaub, ein Engel, keine Frage. Ich schluckte als Engelin in ein Taschentuch spukte und mir damit Mundwinkel und Kinn säuberte. Ganz toll, das machen Tanten an Konfirmationstagen, aber Engel?
Du hast gesabbert während deiner Ohnmacht, auch in höchster Not sollte man ein klein wenig auf sich acht geben, wer weiß, wer noch alles zu Besuch kommt. Du bist doch in höchster Not?
Ich nickte. Sie hatte fitzelige Haare und dieses komische Kleid an und diese säuselnden Stummelflügel, im Grunde, wenn man es genau nahm, war sie ein frei fliegender Ventilator.
Sagt sie doch: Und bitte keine Flügelwitze.
Denke ich: Gedanken lesen. Die kann Gedanken lesen.
Sagt sie: Ich kann natürlich keine Gedanken lesen. Niemand kann das. Fliegen ja, Gedanken nein. Aber lassen wir das jetzt, ich bin hier, um dir von IHM eine gute Nachricht zu bringen. Demnächst wird ein Mann an deine Tür kommen. Der Mann ist ungefähr so groß wie ich.
Sage ich: Also ziemlich klein, tolle Nachricht das.
Sagt sie: Er hat einen Schnurrbart und ihm fehlt an der rechten Hand der kleine Finger. Du wirst ihn sofort erkennen.
Frage ich: Yakuza? Japanische Mafia?
Sagt sie: Gartenfreund. Heckenschere.
Ach.
Ja, und jetzt kommt die Nachricht: Was der Mann dir anbietet, solltest du machen. Dann wird alles wieder gut.
Sagt IHM?
Sagt ER.
Es klingelte und ich erwartete jetzt natürlich diesen Mann ohne kleinen Finger, meinen Retter aus höchster Not. Stattdessen steht Onkel Werner vor der Tür.
Junge, was machst du denn für Sachen?
Onkel Werner nannte mich immer Junge, egal wie ich alt ich war. Trotzdem stand er mitten in der Nacht vor der Tür und bot mir eine Tüte Chips an. Das muss man erst mal bringen.
Hier, mein Junge, von der Tankstelle, für den Anfang. Da kommt noch mehr.
Ich schluckte und fühlte mich überfordert. Hinter ihm stand Ilse, seine Frau, die in ihrer Jugend als Schlammcatcherin einigen Ruhm erworben hatte. Ich deutete verlegen auf Engelin, die immer noch herumpropellerte: Das ist Engelin. Die kommt von IHM. Und von IHM kommt auch noch mehr.
Ilse setzte das verständnisvolle Gesicht einer ehemaligen Catcherin auf und trug mich zusammen mit Engelin zum Sofa. Und da saß ich dann den Rest der Nacht und durfte auf den Mann mit den neun Fingern warten, diesen ominösen Japaner.

Fortsetzung folgt.

Engelin. Eine Fortsetzungsgeschichte.

Wahrscheinlich kam es so, weil ich in der letzten Nacht diese kleine Krise hatte. Man kennt das ja, nachts, wenn man nicht schlafen kann, dann kommen einem Ideen und Pläne, die allesamt schlecht ausgehen, alles ist grau und trübe und das Leben ist ein einziges Jammertal, schlimm ist das. Und so habe ich dann wohl letzte Nacht in einem dieser krisenhaften Momente nachgegeben und um Hilfe gebeten. Oh, werden Sie jetzt sagen, bloß das nicht. Da antworte ich: Doch, und ich habe sogar um einen Engel gebeten, denn wenn schon um etwas bitten, dann wenigstens um einen Engel.
Nicht, dass ich jetzt wirklich mit Hilfe gerechnet hätte, aber nehmen wir mal an irgendwer da draußen hätte reagiert (irgendwer ist ja schön gesagt, wenn ich eigentlich die oberste Engelsinstanz meine, dieses größtmögliche Engel-Etwas, das zu einer Engelshilfe, also dem Schicken eines Schutzengels, in der Lage wäre, genauer gesagt: ich spreche hier von IHM), nehmen wir also mal an, ER hätte tatsächlich reagiert und mir für meine Notlage den passenden Schutzengel  geliefert – wen hätten Sie denn dann erwartet, wenn es fünf Minuten nach dem Hilferuf bei Ihnen an der Tür klingelt?
Vor meiner Tür stand eine kleine Frau, die ungewaschen, verschmutzt im sackartigen Kleid so aussah, als hätte sie die Nacht in einem Straßengraben zugebracht. Es klingelt Sturm, ich eile aus dem Bett zur Tür und sie steht da und fragt mich: Hamse ma n Euro?
Gut, denke ich, wenn das SEINE Antwort auf meinen Hilferuf ist, dann ist mir das jetzt so was von egal. Ich gebe der Frau meinen letzten Euro und will die Tür wieder schließen, das sagt sie noch: Ich bin dann mal die Engelin und soll hier was aushelfen.
Sage ich: Häh?
Sagt sie: Hilferuf, Engel, wo brennt’s?
Sage ich: Wah?
Sagt sie: Wo ist das Klavier, meine Güte, das Problem, das Dings, äh, was ist jetzt das Thema hier? Weshalb brauchen Sie um diese Zeit Hilfe? Was genau ist ihr Begehr?
Sage ich: Haben Sie einen Ausweis oder so was?
Sie dreht sich um und zeigt mir ihre kleinen grauen Stummelflügel, mit einem wackelt sie, den anderen lässt sie kurz zucken, dann hebt sie fünf Zentimeter vom Boden ab und schwebt mir vor der Nase herum.
Sagt sie: Reicht das?
Ich nicke und falle in Ohnmacht.
Sagt sie: Na, das ist ja mal ein echt toller Anfang.

Fortsetzung folgt…

Nacht am Strand.

Meine letzte Nacht am Strand war, na, sagen wir mal anstrengend. Ich war volltrunken, verwirrt und blind, warum auch sollte der Mond gerade dann scheinen, wenn ich da herumwanke, über Steine stolpere und Sandburgen niederwalze.
Von einer Seite hörte ich ein irritierendes Rauschen und Donnern, als ob der Gott der Dampfwalze seinen üblichen Tätigkeiten nachging, bis mir klar wurde, das Wellen im Grunde das machen, was sie am besten können: mit Krach den Strand prügeln. Ich fiel kopfüber in einen Sandburggraben und wusste ganz plötzlich wie Strand schmeckt. Zur Erinnerung: Ich war so angetrunken, dass ich, wenn es hier keine weißen Mäuse gegeben hätte, ich niemals mit ihnen gesprochen hätte.
Ich hatte Sand in den Augen, Ohren und im Mund vorne, hinten, oben und zwischen den Zähnen, auf den Zähnen und unter der Zunge. Ich rede hier nicht von natürlichem Sand, etwa wie den in der Sahara, wo es ja Stellen geben soll, die noch nie ein Mensch betreten hat, nein, ich spreche von gebrauchtem Strandsand. Ich zähle jetzt nicht auf, was ich auf dem Bauch liegend im Dunkeln aus dem Sand herausschmeckte, nur, genau an der Stelle in die sich mein Mund eingegraben hatte, muss vor nicht allzu langer Zeit ein großer haariger nasser Hund gesessen haben. Oder ein Mensch, der unten rum wie ein großer haariger nasser Hund schmeckte. Es wirkte auf mich genau so wie das, was ein Hund macht, wenn er am Strand sitzt und gelangweilt Kindern hinterherguckt, die an derselben Stelle, an der ich liege, das machen, was ein Hund auch gemacht hätte, wenn er zwei Jahre alt und das erste Mal ohne Windeln unterwegs gewesen wäre. Da, wo ich lag, schmeckte es nach Alete Wurzelpüree mit Hund. Ehrlich.

Am nächsten Morgen wusste ich dann ganz plötzlich wieder wer ich war und warum ich nackend im nicht-nackend Strand auf dem Rücken lag und aller Welt das darbot, was sowieso niemand zu sehen wünschte: Meinen Bauchnabel. Tja, erklärte ich den aufgeregten Kindern, den Eltern der aufgeregten Kinder und deren Hunden, ich bin dann der neue Strandwart, gehen Sie bitte einfach weg.

Günter?
Ja, Gisela?
War das vor meiner Zeit?
Ja, Gisela.
Ich kann mich auch nicht an deinen Bauchnabel erinnern, zeig doch noch mal.

Der Zeitungsleser.

Heute, anstatt wie üblich kurz und knapp, habe ich mal etwas für Längerleser vorbereitet. Eine Kurzgeschichte. Hach, werden da einige sagen, eine Kurzgeschichte! Nun ja, eine Kurzgeschichte ist, nur so als Beispiel, genauso gut wie, äh, zum Beispiel ein Ruderboot, nur um da mal einen Vergleichswert zu haben. Wer hätte nicht gerne ein Ruderboot? Oder eben eine Kurzgeschichte.

Die Geschichte hat 4 Seiten und 1.248 Wörter. Ich habe sie mindestens fünfhundert Mal auf Fehler durchgesehen und korrigiert und so, was man so tun, wenn man eine Kurzgeschichte schreibt. Bis auf die Rechtschreib-, Grammatik- und Kommasetzungsfehler habe ich alle Fehler entfernt.

Ich habe die Geschichte als PDF angehängt, wer mag, findet sie über den folgenden Link:

Der Zeitungsleser

 

Liebesschwüre.

Ich liebe dich. I love you. (Typisch deutsche Liebesschwüre.)
Laba da. (Lieber da – sämischer Wegweiser.)
Brahmaputra brama brama sams. (Der große weiße Elefant liebt auch dich – indische Lebensweisheit.)
Oregano Oregano Oregano. (Liebesbekundung unter Pizzabäckern und -bäckerinninnen.)
Umslabuk puk nutri. (Läppischer Liebeshinweis: Du bist noch viel schöner als mein schönstes Rentier.)
Maga da, wodu ganz hast ka Hafte o ka bach. (Ich mag dich, auch wenn du keine Hüften und keinen Bauch hast. Frühmittelalterliche Liebesbeschwörung.)
Bingo? (Kurzform für: Du mich auch?)
Glöck, Glöck, do dö mö hö. (Komische Form von: Was für ein Glück, das du mich hast.)
Mine Glöck is dine Glöck. (Ernstere Form von: Mein Glück ist so ähnlich wie dein Glück.)
Olmenhauer da ganz. (Ich mag Olmenhauer oder Ich mag dich wie Olmenhauer. Wer oder was ist Olmenhauer?)

Günter?
Ja, Gisela?
Kannst du jetzt endlich den Sylvesterhut und diese Nasenbrille abnehmen?
Ja, Liebling.
Nenn mich nicht Liebling.
Menno.
Und auch nicht Menno.

Der Lurchi und der Hörrikehn.

Ich träume jetzt ja öfters davon, dass ich der Lurchi bin, dieser schwarz-gelbe, feucht-schuppige Feuersalamander mit Tirolerhut, Erfindung eines LSD-umnebelten Kinderschuhentwicklers. Ich hüpfe nachts durch die Straßen, treffe mich mit Fix und Foxi, dem Wastl und dem Mecki, den Helden der Kindheit. Dazu  gesellen sich die fünf Freunde von Enid Blyton und Hanni und Nanni und die Mädels vom Immenhof. (Und selbst im Traum frage ich mich, ob Enid ein Mann oder eine Frau war und wie Eltern darauf kommen, ihr Kind Enid zu nennen.) Ich renne durch die Gegend wie diese Rennechse aus „Die Wüste lebt“, ich kann über Häuser springen wie dieser Mann aus „Immer wenn er Pillen nahm“ und bin sozusagen der Silversurfer der Vorinternetzeit, der Lurchi eben.
Und gestern fiel mir dann auf, dass ich weder in meiner Jugend noch in meinen Träumen englisch reden oder verstehen konnte. Auch kein Chinesisch oder Spanisch oder Französisch. Ich weiß gar nicht, wie ich das alles überlebt habe als Kind, so ganz ohne Fremdsprachenkenntnisse, ohne Globalisierungsknowhow und ohne Enid Blyton im englischen Original gelesen zu haben. Und jetzt frage ich dich, Gisela, ist das, was da draußen tobt und bläst und wütet und stürmt, ein Stuarm, ein Teifun oder ein Hörrikehn, oder was jetzt?

Günter?
Ja, Gisela?
Du hast geträumt. Du bist nicht der Lurchi.
Ach. Und Fix und Foxi? Sind die etwa nicht echt?
Nein, Günter.
Mist.