Engelin 3. Hippo, Gumbo, Dancer.

Engelin sorgte in dieser Nacht für eine offene Tür, so dass irgendwann auch Mister Mancini von „Mancinis Mini Lofts“ bei mir im Flur stand. Mister Mancini war mein Vermieter und ich schuldete ihm drei Monatsmieten. Ich gehöre zu den Menschen, die alles im Griff haben, außer Monatsmieten und nächtliche Gespräche mit Vermietern. Glücklicherweise war Mister Mancini ein guter Kerl, er setzte sich neben Ilse und plauderte mit Onkel Werner über Poker, Pferdewetten und Kirchenbingo, als sei das üblich mitten in der Nacht. Engelin flatterte herum und sorgte für Sternenstaub und frisch aufgebackene Mehrkornbrötchen. Ich grübelte und wartete auf den Japaner.

Hippo, Gumbo und Dancer tauchten ebenso unaufgeregt auf wie ihre Freundinnen, deren Freundinnen, Mütter, Schwiegerväter und Großeltern, Onkel, Tanten, Nichten, Hund, Katze, Maus. Hippo war Rapper oder Hip Hopper und wohnte unter mir in einem von Mister Mancinis Mini Lofts. Die Mini Lofts waren nichts anderes als kleine Räume ohne Innenwände, dafür mit Eckküche, Eckbad und Eckschlafnische, Loft hörte sich einfach besser an, fand Mister Mancini. Hippo war sehr dick, Gumbo sehr witzig und Dancer redete nie, stattdessen schnalzte er mit der Zunge und schnippte mit den Fingern. Wenn Dancer besonders gut drauf war, machte er Bewegungen mit einem Fuß. Die drei und der Rest ihrer Großfamilie kamen herein, Hippo schüttelte für mich seinen Speck, Gumbo machte darüber einen Witz und Dancer schnippte seltsam beruhigend Mull of Kintyre von Paul McCartney. Es war sehr unterhaltend und meine krisengebeutelte Gedankenwelt fiel langsam in sich zusammen.

Engelin setzte sich auf meine Schulter, sie sah jetzt noch kleiner aus, und flüsterte mir ins Ohr, dass SEINE Botschaft eigentlich noch ein bisschen länger gewesen war, er hätte nämlich auch von Transzendenz und Transparenz oder Konsistenz und Koinzidenz gesprochen, das hätte sie erstens gar nicht verstanden und zweiten auch nicht behalten, und was man nicht behalten kann, kann man auch nicht weitergeben. Da habe sie eben die drei Jungs angesprochen, dass es sich lohnen würde hier vorbei zu kommen, das würde helfen und außerdem gäbe es aufgebackene Mehrkornbrötchen, mitten in der Nacht. Ich stimmte ihr zu, ich an ihrer Stelle hätte das genauso gemacht.

Ja, und dann kam endlich der neun-Finger-Japaner. Er guckte mich von der Tür aus an und ich wusste sofort, wer er war. Er kam von IHM und würde mir etwas anbieten, was ich nicht abschlagen konnte. Ich nickte ihm zu und er nickte zurück. Ich nickte nochmal und er auch. Bis auf uns beide nickte aber niemand, dem Rest der Gesellschaft stockte der Atem. Anscheinend wussten alle das, was ich auch wusste. Was wir nicht wussten, war, was der Japaner anzubieten hatte. Außer Engelin. Die meinte, das sei auch gar nicht wichtig, das sei ja eigentlich gar kein Japaner.

Fortsetzung und Schluss folgt.

Teil 1: Engelin. Eine Fortsetzungsgeschichte.
Teil 2: Engelin 2. Der Japaner.

 

 

One comment on “Engelin 3. Hippo, Gumbo, Dancer.

  1. pii sagt:

    Gütiger Himmel !

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