Engelin. Eine Fortsetzungsgeschichte.

Wahrscheinlich kam es so, weil ich in der letzten Nacht diese kleine Krise hatte. Man kennt das ja, nachts, wenn man nicht schlafen kann, dann kommen einem Ideen und Pläne, die allesamt schlecht ausgehen, alles ist grau und trübe und das Leben ist ein einziges Jammertal, schlimm ist das. Und so habe ich dann wohl letzte Nacht in einem dieser krisenhaften Momente nachgegeben und um Hilfe gebeten. Oh, werden Sie jetzt sagen, bloß das nicht. Da antworte ich: Doch, und ich habe sogar um einen Engel gebeten, denn wenn schon um etwas bitten, dann wenigstens um einen Engel.
Nicht, dass ich jetzt wirklich mit Hilfe gerechnet hätte, aber nehmen wir mal an irgendwer da draußen hätte reagiert (irgendwer ist ja schön gesagt, wenn ich eigentlich die oberste Engelsinstanz meine, dieses größtmögliche Engel-Etwas, das zu einer Engelshilfe, also dem Schicken eines Schutzengels, in der Lage wäre, genauer gesagt: ich spreche hier von IHM), nehmen wir also mal an, ER hätte tatsächlich reagiert und mir für meine Notlage den passenden Schutzengel  geliefert – wen hätten Sie denn dann erwartet, wenn es fünf Minuten nach dem Hilferuf bei Ihnen an der Tür klingelt?
Vor meiner Tür stand eine kleine Frau, die ungewaschen, verschmutzt im sackartigen Kleid so aussah, als hätte sie die Nacht in einem Straßengraben zugebracht. Es klingelt Sturm, ich eile aus dem Bett zur Tür und sie steht da und fragt mich: Hamse ma n Euro?
Gut, denke ich, wenn das SEINE Antwort auf meinen Hilferuf ist, dann ist mir das jetzt so was von egal. Ich gebe der Frau meinen letzten Euro und will die Tür wieder schließen, das sagt sie noch: Ich bin dann mal die Engelin und soll hier was aushelfen.
Sage ich: Häh?
Sagt sie: Hilferuf, Engel, wo brennt’s?
Sage ich: Wah?
Sagt sie: Wo ist das Klavier, meine Güte, das Problem, das Dings, äh, was ist jetzt das Thema hier? Weshalb brauchen Sie um diese Zeit Hilfe? Was genau ist ihr Begehr?
Sage ich: Haben Sie einen Ausweis oder so was?
Sie dreht sich um und zeigt mir ihre kleinen grauen Stummelflügel, mit einem wackelt sie, den anderen lässt sie kurz zucken, dann hebt sie fünf Zentimeter vom Boden ab und schwebt mir vor der Nase herum.
Sagt sie: Reicht das?
Ich nicke und falle in Ohnmacht.
Sagt sie: Na, das ist ja mal ein echt toller Anfang.

Fortsetzung folgt…

4 comments on “Engelin. Eine Fortsetzungsgeschichte.

  1. pii sagt:

    fühle mich wie früher als ich TV Serien geguckt habe : hört immer auf wenn’s am spannendsten ist und du kriegst ganz schlechte Laune , weil du weisst, dass du morgen nicht zuhause bist und verpassen wirst wie’s weiter geht… Manche Leute haben sich in der Phase einen Videorecorder gekauft.

  2. schindelschwinger sagt:

    rufe engel 07? schon wirkten auf dich die verborgenen kraftfelder ein!

  3. pii sagt:

    Danke Schindelschwinger für dieses wunderbare Stück Pop-Kultur!
    Das ist so fürchterlich, dass es schon wieder schön ist.
    So scheußlich waren sie wirklich die 80er: Neonfarben, Vokuhila, grauenvolle Mode, ,super dumme Videos, massenhaft Entgleisungen…. die wir zum Glück hinter uns haben!
    Ich habe übrigens den leisen Verdacht dieser ungewaschene Engel vor der Türe ist Boy George.

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