Engelin. Jahresendgespräch.

Engelin musste zu ihrem Jahresendgespräch mit Gott. Er nannte das “Fördern und Fordern”. Engelin war sehr aufgeregt, Gott nicht.

Die erste (unüberwindlich scheinende) Hürde auf dem Weg zum Gottgespräch war die Himmelstür. Sie war etwa eine Milliarde hoch zehn mal die Wurzel im Quadrat von elf mal größer als Engelin. Engelin zog an der Klingelschnur, eine Mikrosekunde später öffnete sich exakt in Höhe von Engelins Kopf ein kleines Fensterchen. Ein kleines Männchen (Typ Torwächtergiftzwerg) steckte den Kopf raus und raunzte unverständlich: Was wünschen Sie bitte?
Haben Sie mal ein Kaugummi?

Nach einigem Hin und Her saß Engelin dann mit Gott zusammen bei ihrem ersten Fördern und Fordern Gespräch. Gott knabberte Haferkekse, Engelin kaute auf ihrem Kaugummi herum. Gott pupste leise, was Engelin doch erstaunte, und Gott zog eine Augenbraue nach oben, mehr nicht. Wahrscheinlich, dachte Engelin, glaubt er, dass er das darf.

Engelin bekam eine Fünf für ihr Benehmen in öffentlichen Räumen, das lief, laut Gott, unter Fordern. Sie möge sich zukünftig doch etwas zurücknehmen. Engelin fragte Gott, mit wem er denn seine eigenen Fördern und Fordern Gespräche führte. Gott zog wieder eine Augenbraue nach oben (diesmal die andere). Die führe ich mit mir selbst. Na, da gibt’s dann wohl eine sechs fürs Pupsen, oder?

Engelin bekam zur Erhaltung ihres Selbstvertrauens fünfzehn neue Federn pro Flügel.

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