Schmaler Grat.

Es ist ein ganz schmaler Grat zwischen Dichtung und Wahrheit, das kann ich dir sagen.
Ach?
Ja, Gisela. Da stehe ich hier an der Teppichkante, bereit für den Sprung in den Abgrund.
Den Abgrund?
Vom Teppichrand in den Schlund der Wollmaussiedlung dort links, dem Verein der Kekskrümel dort rechts oder einfach auf das Eichenholzparket ohne alles, kalt und leblos. Wie drohend ist diese Tiefe, Gisela. Oh weh.
Oh weh?
Welch schmaler Grat zwischen Dichtung und Wahrheit in diesem Moment, in dem ich mich verabschiedend in die Tiefe stürze, diese Sekunden vor dem endgültigen Filmende, dem Schluss, dem Aus.
Du redest vom Sprung von der Teppichkante, Günter.
Da trifft mich dieses Raumschiff der Außerirdischen mit Wucht und wie ein Keulenschlag an der Stirn.
Günter, wo denn?
Ok, kleine Außerirdische in einem winzig kleinen Raumschiff bei einem zufälligen kurzen Flug durch unser Wohnzimmer. Aber immerhin groß genug, um meinen Sturzflug in einen Salto rückwärts zu drehen, so schwunghaft, dass ich ohne Umschweife wieder auf dem Teppich lande.
Umschweife?
Ich lebe, Gisela, ich lebe! Ist das nicht wunderbar? Ich bin vollkommen unversehrt. Es ist ein Wunder. Ich bin dem Abgrund entronnen, dem Tod von Schippe gehüpft. Ich bin ein neuer Mensch.
Zauberhaft, mein Liebster. Und was willst du mir damit sagen?
Ich schaff das heute nicht mit dem Staubsaugen. Gisela? Wo willst du denn hin? So sag doch was.

One comment on “Schmaler Grat.

  1. schindelschwinger sagt:

    Günni, wat bisse ne wucht, ne wahre!

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