Hund.

Sagt er: Ich will einen Hund.
Sagt sie: Nö.
Er schweigt und überlegt.
Sagt er: Dann will ich eine Katze.
Sagt sie: Auch nicht. Bin ich allergisch gegen.
Er nickt.
Sie nickt.
Sagt er: Dann will ich ein anitrheumatisches Tigerfellimitatduschhandtuch zum Kuscheln, Knuddeln und zum am-Strand-liegen.
Sagt sie: Hab ich dir gerade gekauft. Bitte schön.
Er schluckt.
Sie grinst.

Im Himmel.

Gott hatte nachgedacht. Diese ganze allgemeine und auch spezielle Verschwendung in diesen und jenen Angelegenheiten war ihm ein Dorn im Auge. Darüber hatte er sinniert und einige Maßnahmen entwickelt:
Alle Lampen an der Pforte vorne werden abgeschaltet und durch eine einzelne 7-Watt Energiesparlampe ersetzt. Sollen die doch glauben, sie seien blind, wenn sie hier ankommen. Das freundliche Zublinzeln der Torwächter entfällt, wir blinzeln, wenn wir darum gebeten werden. Den Engeln steht nur noch ein Halbtagsheiligenschein zu und unten wird das Feuer auf kleine Flamme gedreht, das dauert dann zwar etwas länger, reicht aber noch zum Garen der toten Seelen. Apropos Seelen, um Tinte zu sparen, wird Seelen zukünftig mit einem e weniger geschrieben, also Seeln. Und apropos Engel: Engelspupse wird zukünftig gesammelt und als Biogas verwertet. Für die Verwendung von abgefallenen Flügelfedern wird eine Daunenkissenanlage gebaut. Jubiliert wird Sonntags abends, sonst nicht. Gebete erhören entfällt, das wurde ja sowieso nicht mehr ernst genommen, und Wunder gibt es höchstens einmal im Jahr an leicht zugänglichen Orten. Politikern und Wirtschaftswissenschaftlern wird nicht mehr geholfen, Sportlern nur in Ausnahmefällen. Die Zehn Gebote werden um zwei auf acht gekürzt, das reicht vollauf. Alles klar?

Gott! Go-ho-hott! Aufwachen! Der Tag hat schon begonnen.
Wie, was, wo? Macht bloß nicht die Lichter an der Pforte aus. Mein Gott, äh, Mein Ich Selbst. Was für ein Albtraum. Wie furchtbar. Ich höre hier gar keinen Gesang. Kann nicht mal irgendwer singen, irgendwas? Danke. Und wo ist denn mein Kaffee, die Brötchen, die Butter, die dänische Erdbeermarmelade? Na, los los, husch  husch. Wir sind hier doch kein Friedhof hier oben.

Im Anzug.

Ich gehe heute im Anzug zur Arbeit. Vor dem Helm ziehe ich mir natürlich die bis zu einer Temperatur von minus 280 Grad wasserdichten, geruchsunempfindlichen und schmutzwasserabperlend beschichteten hellgrauen Moonboots an. Damit stakse ich wie auf gargekochten Kartoffeln die Treppen runter, kann aber auf keinen Fall umknicken oder etwa den mittleren rechten Zeh brechen. Hüpfen geht auch nicht, man läuft eben so, wie man auf dem Mond Gassi gehen würde. Deswegen ja auch der Helm. Wenn ich mit meinem sonnenbrillenglasspiegelndem Rundumschirmhelm in die S-Bahn einfalle und auf alles trete, was sich fest und fußförmig anfühlt, ist das für mich ok. Die anderen Fahrgäste glotzen natürlich und finden das gar nicht ok. Geschimpft wird, wenn ich alleine eine Vierer-Sitzecke besetze. Neulich hielt mir doch ein erboster Mitfahrer ein Schild vor den Helm: Fahrräder und Raumanzüge sind zwischen 6:14 Uhr und 23:42 leider nicht erlaubt.

Schlimm wird es nachmittags im Büro. Wenn die Sonne trotz edelstahlgerahmten sonnenlichtabsorbierenden Jalousien vor den Fenstern auf meinen Schreibtisch brennt und mich langsam erhitzt. Irgendwann fange ich an zu sieden. Eine nassfeuchte Suppe bahnt sich innen im Anzug ihren Weg nach unten in die Moonboots, sammelt sich dort und verdampft wieder nach oben, wo sie den Helm von innen beschlägt. Ich erzeuge sozusagen mein eigenes Mikroklima inklusive Verdunstung der Weltmeere, Abschmelzen der Polkappen und Wolkenbergen. Ich sehe nichts mehr und quietsche beim Sitzen. Eigentlich ist es ja mehr ein Quatschn, ohne e. Hole ich mir z.B. rechts einen Ordner: Quatschn, greife ich links zum Telefon: Quatschn. Kratzen am Rücken oder Ellenbogen wenn’s juckt geht übrigens auch nicht.

Abends spare ich mir die Mühe und gehe im Anzug ins Bett. Vorher dusche ich noch kurz ohne Helm und Boots, das lässt die Feuchte des Tages glatt und sauber durchlaufen. Danach liege ich meist mit seitlich ausgestreckten Armen auf dem Bauch im Bett und starre durch den Helm auf mein Kissen. Gegen elf geht dann von alleine das Licht aus.

Leider habe ich nicht viele Freunde, Hunde jaulen laut auf, wenn sie mich sehen, und Kinder laufen verschreckt zu ihren Vätern, die drohend ihre Fäuste schütteln. Vielleicht sollte ich einen anderen Beruf ergreifen. Imker oder so was. Irgendwas ohne Menschen.