Im Himmel.

Gott hatte nachgedacht. Diese ganze allgemeine und auch spezielle Verschwendung in diesen und jenen Angelegenheiten war ihm ein Dorn im Auge. Darüber hatte er sinniert und einige Maßnahmen entwickelt:
Alle Lampen an der Pforte vorne werden abgeschaltet und durch eine einzelne 7-Watt Energiesparlampe ersetzt. Sollen die doch glauben, sie seien blind, wenn sie hier ankommen. Das freundliche Zublinzeln der Torwächter entfällt, wir blinzeln, wenn wir darum gebeten werden. Den Engeln steht nur noch ein Halbtagsheiligenschein zu und unten wird das Feuer auf kleine Flamme gedreht, das dauert dann zwar etwas länger, reicht aber noch zum Garen der toten Seelen. Apropos Seelen, um Tinte zu sparen, wird Seelen zukünftig mit einem e weniger geschrieben, also Seeln. Und apropos Engel: Engelspupse wird zukünftig gesammelt und als Biogas verwertet. Für die Verwendung von abgefallenen Flügelfedern wird eine Daunenkissenanlage gebaut. Jubiliert wird Sonntags abends, sonst nicht. Gebete erhören entfällt, das wurde ja sowieso nicht mehr ernst genommen, und Wunder gibt es höchstens einmal im Jahr an leicht zugänglichen Orten. Politikern und Wirtschaftswissenschaftlern wird nicht mehr geholfen, Sportlern nur in Ausnahmefällen. Die Zehn Gebote werden um zwei auf acht gekürzt, das reicht vollauf. Alles klar?

Gott! Go-ho-hott! Aufwachen! Der Tag hat schon begonnen.
Wie, was, wo? Macht bloß nicht die Lichter an der Pforte aus. Mein Gott, äh, Mein Ich Selbst. Was für ein Albtraum. Wie furchtbar. Ich höre hier gar keinen Gesang. Kann nicht mal irgendwer singen, irgendwas? Danke. Und wo ist denn mein Kaffee, die Brötchen, die Butter, die dänische Erdbeermarmelade? Na, los los, husch  husch. Wir sind hier doch kein Friedhof hier oben.

One comment on “Im Himmel.

  1. Au ja – bitte alle mal aufwachen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.