Grützwürst!

Anbei einige sinnentleerte Äußerungen über Grützwürste und ihr Dasein.

Der Angriff der Grützwürst unterblieb zunächst wegen des fehlenden e’s am Ende. Mit einer Grützwürst kommt man eben nicht weit.

Grützwürste denken gründsetzlich negativ: Nichts klappt und nichts wird wirklich gut. Immer ist irgendwas. Wenn’s vorne gut ist, ist hinten was, und wenn’s unten gut ist, ist oben was. Und wenn gar nichts ist, hat ein anderer was.

Grützwürst entkam durch eine durch eine Plasmaentladung hervorgerufene Subraumspalte. Plasmaentladungen sind so etwas wie Weltraumfahrzeugfürze. Subraumspalten sind der Weg da durch.

Über den Niedergang der Kultur der mimiklosen Kommunikation: Telefoniert die eine Grützwürst mit der anderen Grützwürst, zeigt sie nicht die geringste Regung. Durchs Telefon kann man nicht mal das Zittern eines Grützwürstzipfels sehen, man kann es nur beschreiben: Oha! Ich glaube mein Grützwürstzipfel hat gerade gezüttert!

Sagt die eine deprimierte Grützwürst zur anderen: Ich weiß es, morgen werde ich gegessen. Antwortet die andere: Dito.

Nieder mit den Wiener Würstchen! Es lebe die Grützwürst!

Zum Mars.

Hans, wie geht’s, wie steht’s mit dem Sinn des Lebens?
Wir haben ja schon oft über meine außerordentlichen Fähigkeiten gesprochen: Der Mut, über die Angelegenheiten des täglichen Lebens hinwegzusehen, die unstillbare Neugierde auf das, was meine Nachbarn so machen, und meine nicht unerhebliche Bauernschläue in monetären Angelegenheiten. Ich habe auch schon daran gedacht, meine philosophischen Betrachtungen über Humor und schlechtes Gewissen (und grüne Wandfarbe) populärwissenschaftlich aufzubereiten und als Buch zu veröffentlichen. Aber, manche sagen, sie hätten das schon immer gewusst, mein eigentliches Lebensziel ist seit neuestem die Eroberung und Urbarmachung des Mars.
Ach. Der Planet Mars?
Ja. Nachdem jetzt schon so lange von den Marsmenschen und ihrem gewalttätigen Eroberungsdrang die Rede ist, habe ich mich entschlossen zurückzuschlagen. Ich erobere den Mars und pflanze Bohnen.
Du selbst, Hans?
Ja, ich persönlich.
Und wie ist es da zu verstehen, dass du die meiste Zeit des Tages im vierten Stock aus dem Fenster heraus Flugzeuge und Wolken betrachtest?
Ich betrachte nicht, ich beobachte, eruiere und erforsche die Möglichkeiten.
Welche Möglichkeiten?
Zuallererst benötige ich ja ein Fahrzeug, um zum Mars zu gelangen.
Eine Rakete?
Da ich aber nicht weiß wie man eine Rakete baut, beobachte ich und ziehe meine Schlüsse.
Weil Wolken auch, äh, fliegen?
Genau.
Wolken, Hans?
Im Prinzip, also gedanklich gesehen, imaginativ, in meiner Vorstellungskraft bin ich in etwas weniger als dreizehn Monaten oder so auf dem Mars, räume da drei Monate auf und nenne mich anschließend Oscar I., Befreier des Mars.
Wir hatten gedacht, du würdest morgen früh gleich anfangen mit der Marseroberung. Und Oscar I. klingt auch nicht sehr vielversprechend.
Wie gesagt, ich bin da noch in der Vorbereitungsphase. Vielleicht nenne ich mich auch Ottokar oder Pipin oder Echmuelda die Dritte.
Na dann ist ja alles klar, Hans.

Relativitätstheoretisch

Relativitätstheoretisch gesehen gehen ja die Uhren auf dem Berg schneller als unten. Oder umgekehrt oder so. Wie auch immer, sie gehen da oben anders als hier unten, und wenn ich mich auf den Berg begebe und dort, sagen wir mal,  eine Million Jahre bleibe, bin ich eine oder zwei Sekunden weniger alt, als wenn ich nicht auf den Berg gegangen wäre. Relativitätstheoretisch gesehen. Wenn ich allerdings nicht auf den Berg gehe, bin ich natürlich diese eine oder zwei Sekunden älter. Was passiert nun, wenn mich jemand dreimal um den Berg in die relativitätstheoretisch gesehen entgegengesetzte Richtung jagt? Werde ich jünger, älter oder zum Elch? Elche sind ja, relativitätsmäßig betrachtet noch relativ jung, im Gegensatz zum Beispiel zur kürzlich verstorbenen Galapagosschildkröte Murphy oder Laura oder wie immer die hieß. Die hatte ja wohl noch mit dem alten Charles Darwin persönlich einen Salat geteilt, oder zumindest ein Salatblatt. Ich habe noch nie von einem Elch gehört, dem gleiches widerfahren wäre. Zurück zum Berg, der Uhr da oben und der Idee, dass mich jemand mit Mach4 um den Berg treibt. Mach4 wäre, laut dem Erfinder Herrn Mach, die vierfache Schallgeschwindigkeit, glaube ich. Gibt es Elche, die Mach4 schaffen?
Nein, gibt es nicht Günter. Und jetzt lies dein Buch oder mach die Augen zu und schlaf. Und hör endlich auf, mir deine Gedanken mitzuteilen, das hält man ja im Kopf nicht aus.
Ok, Gisela. Ich mach4 jetzt die Augen zu und morgen früh bin ich dann eine Sekunde jünger als du.
Oder ein Elch, Günter.
Oder ein Elch.

Der Schlaflose.

Der Schlaflose atmete tief und ruhig aus dem innersten Dingensbumenskirchen seiner Seele. Er schlief traumhaft fest, der Schlaflose, ohne es zu wissen. Irgendwann in der Nacht zwischen zwei und drei drehte er sich auf die Seite und träumte überzeugend, dass er nicht träumte, sondern wach mit offenen Augen die Hubbel auf der Raufasertapete zählte. Siehste, sagte er im Traum zu sich, wusste ich’s doch, ich schlafe nämlich gar nicht.  Hab ich doch schon immer gesagt.
Eine dunkle, an ein traumatisches Erlebnis erinnernde Stimme sprach zu ihm: Obacht, du schläfst doch! Nein, meinte der Schlaflose, ich schlafe auf keinen Fall. Oh, doch. Oh, nein. Und so weiter.

Nach einiger Zeit gewöhnte sich der Schlaflose an die Schlaflosigkeitsträume. Er genoss seine Auftritte als Prinz, Königinmutter oder Wetteransagerin im Vorabendprogramm. Der Höhepunkt eines jeden Traumes war erreicht, wenn er kurz aufwachte und einer ihn fasziniert anstarrenden Menschenmenge verkündete, er werde jetzt sein Leben ändern: Ich gehe nämlich an die Ostsee. Bernstein sammeln. Jawohl. Bernstein oder Muscheln. Muscheln gehen auch. Vielleicht züchte ich noch Schafe oder Hasen oder baue Plastikmüllskulpturen oder so, ihr wisst schon. Im Ernst jetzt.
Die dunkle Stimme warnte ihn noch: Obacht! Du schläfst nicht mehr. Doch der Schlaflose änderte nichts an seinem Vorhaben, erhob sich und plumpste aus dem Bett.

Günter?
Ja, Gisela?
Liegst du schon wieder neben dem Bett?
Ja, Gisela.
Das macht mich total fertig.
Mich auch, Gisela. Mich auch.