Schietwetter.

Der Hamburger an sich, jedenfalls der Hamburger, der immer im Fernsehen zum Wetter interviewt wird, meint ja, dass das Hamburger Wetter gar nicht so schlimm ist, wie immer gesagt wird, und außerdem gibt es gar kein schlechtes Wetter sondern nur die falsche Kleidung. Ich erhebe da jetzt mal energischen Einspruch und behaupte, äh, das Gegenteil. In beiden Fällen. Das Wetter ist hier immer schlechter als wo anders und die richtige Kleidung für sintflutartige Regenfälle inklusive Hagel, Blitz, Donnergrollen und Sturmgebraus habe ich auch noch nicht gefunden. Ich will sie auch nicht finden. Ich will diese Kleidung nicht mal testen. Ich will überhaupt nichts vom Wetter. Es soll einfach nur ganz normal sein, so wie du und ich, und nicht so wie dieser Fernsehhamburger, der womöglich nicht mal von hier ist. Im Grunde sind es ja immer zwei Fernsehinterviewfragenbeantworter, nämlich ein patentgekleidetes, patentgefaltetes Ehepäärchen um die oder Mitte nahe bei fünfzig, schon immer kinderlos oder seit kurzem, seit dem die Kinder das Haus verlassen haben, das freudig durch die Stadt stampft auf der Suche nach dem mittleren-Alter-Abenteuer im Hamburg Dungeon oder Miniaturparadies oder beim Hafengeburtstag oder Alstervergnügen oder so. Auf jeden Fall immer bei schlechtem Wetter. Moment!, sagt er da in die Kamera und sie nickt dazu, letztes oder vorletztes Mal beim Hafengeburtstag war die Alster gar nicht zugefroren, geht auch nicht, sagt sie, weil der Hafengeburtstag immer im Sommer ist, und geregnet hat es nur zwischen den Regenpausen echt fiese doll, da kann man mit den richtigen Klamotten schon ganz schön was reißen, mit einer ordentlichen Regenjacke ist man da nämlich ganz weit vorne, sagt er und nickt und sie nickt auch und beide strahlen lächelnd in Kamera. Im Regen. Während im Hintergrund ein kleiner Orkan, ein ganz winziger, ein paar Häusern in Harburg die Dächer absäbelt.

Ich glaube ja, diese beiden gefragten Hamburger sind immer dieselben, von der Stadt angestellt, um im Fernsehen ein bisschen gute Laune zu verbreiten. So zum Spaß. Im Regen.

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