Häuptling Günter.

Seit ich mich zum Häuptling ernannt habe, sitze ich die meiste Zeit so rum, hauptsächlich im Wohnzimmer auf dem Fernsehsessel.  Wenn nichts weiter los ist, brülle ich zwei-, dreimal sehr laut: Hurrarr! und klatsche in die Hände, woraufhin meine Frau selbstverständlich nicht erscheint. Wenn ich ehrlich bin, würde ich auf Hurrarr! auch nicht erscheinen. Was soll dieses Hurrarr! überhaupt bedeuten?
Das frage ich dich, Günter.
Nach dem Hurrarr! scharre ich etwas verlegen mit den Füßchen, die in Mokassinchen stecken, im Sand. Den Sand habe ich extra aus Warnemünde mitgebracht und vor dem Fernsehsessel verteilt. Nur zum Scharren.
Toll, Günter. Der bleibt da nur so lange, bis ich gestaubsaugt habe.
Hatte ich schon erwähnt, dass es das Vorrecht jeden Häuptlings ist, sehr sehr viel Sand aus Warnemünde mitzubringen? Sehr, sehr, sehr viel Sand, Gisela.
Hast du.
Na denn. Ab und zu gehe ich nach hinten in den Garten und hole mir aus dem Stall eine Hühnerhabichtfeder.
Wir haben keinen Stall, Günter, keine Hühner und auch keinen Hühnerhabicht. Wie kommst du nur auf so was?
Das war bildlich gemeint, meine Güte. Die Feder stecke ich mir ins wallende Haar, wobei meine Kette aus Bärenklauen, die über meiner behaarten Brust hängt, leise klappert.
Dein wallendes Haar?
Ja, Gisela?
Wo ist das denn jetzt gerade?
Menno.

 

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