Reichtum.

Wenn ich so reich wäre wie, äh, sagen wir mal, ist ja auch egal. Ich bin so reich, dass ich zwei Leute eingestellt habe, die mir beim Gehen die Hände vom Körper halten. Wegen Händewundscheuern beim Wandern. Kennt man ja. Die Hände scheuern an der goldgewebten platinbeschlagenen Silberjacke aus Mammutpelz. Wissen Sie, wie viele Mammuts es gibt und wie viele von denen noch bepelzt sind? Aus diesen Tieren ist meine Jacke. Da können Sie sich ungefähr ausmalen, wie reich ich bin. Gut, Reichtum, zumal wenn er hauptsächlich aus unsagbar viel Vermögen besteht, ist nicht alles. Deshalb habe ich auch diese Yacht, die von Hamburg nach New York reicht. Im hinteren Teil hat sie die Form der Elbe, danach macht sie einen Bogen rund um England und ist den Rest bis New York einfach nur eine gerade, mit Blattgold belegte Superyacht. So kann ich New York zu Fuß und in angenehmer Atmosphäre erreichen. Übrigens liegen überall, wo ich gehe, sandstrahlgemusterte Gehwegplatten mit netten Sprüchen wie: Oh, du bist so toll! Wir finden dich super! Alle mögen dich!, aber das wussten Sie bestimmt schon. Die Platten werden für mich im Moment des Gehens verlegt. Von meinen Gehwegplattenverlegern. Auch beim Joggen. Obwohl ich ja schon lange nicht mehr selbst laufe, sondern laufen lasse wegen der Probleme beim Atmen, Sie wissen schon. Für meine ständigen Diäten habe ich mir auch jemanden besorgt, der macht die dann und steigt Montag morgens für mich auf die Waage. Das ist total beruhigend. Dann gibt es noch den Windfechler, der die unangenehmen Gerüche in meiner mitnehmbaren Pommesbude vertreibt. Den Getränkehalter und den Satellitenschüsselträger für überall guten Fernsehempfang, den Kicherer für meine Witze und den Hört, hört!-Sager für andere Meinungsäußerungen. Aber jetzt habe ich keine Zeit mehr und übergebe an meinen Aufzähler, der nur dazu da ist, meinen Ruhm zu mehren und meinen Reichtum aufzuzählen. Tschüs-Sager?
Ja, Chef?
Sag mal Tschüs.
Tschüs.

Wolke.

Hach!
Ja, Hans?
Ich fühle mich heute wie eine Wolke.
Eine Wolke?
Ich schawuppe fluffig vor mich hin, ändere meine Gestalt von links nach rechts und ganz selbstverständlich sehe ich aus wie Rex Gildo.
Rex Gildo?
Eine braune Regenwolke namens Rex Gildo. Ich habe mein Kostüm an, die Haare ordentlich sortiert und singe und tanze und fluffe mich hin und weg: Fiesta, Fiesta Mexicana. Mit meiner abgehungerten Schlagersängersilouette, den Schuhen mit den hohen Absätzen, und hauptsächlich Zähne, unglaublich viele große weiße Zähne in meinem unglaublich braunen Gesicht. Hossa.
Und dann, nach dem Hossa?
Dann werde ich Cat Stevens und beglücke die Welt mit „Morning has broken“. Mit Bart und Gitarre und als Wolke. Hähä.
Oh, mein Gott.
Gott war ich auch schon, der Gott des gepflegten Gesellschaftstanzes, eine Rumbawolke sozusagen. Was mir noch fehlt, ist Ivan Rebroff und die Don Kosaken. Ich wäre dann der Kosakenzipfel, der wolkige, der Zipfel, der.
Der Zipfel?
Und Sonny und Cher, I got you Babe. Die Sonny-Wolke, mit ohne Cher aber mit Beat. Versteht ihr? So siehst du mich, so siehst du mich nicht. Ihr wisst schon.
Nee, Hans. Im Ernst jetzt, wir verstehen gar nichts.
So seht ihr mich, so seht ihr mich nicht.
Sonnenwolkenstich.
Juppdi.
Danke, Hans.

Für alle Fertigen da draußen.

Wenn ich mal richtig fertig bin, gedanklich am Ende angekommen, unten am Boden liege und alle auf mir rumtrampeln, wenn die Leute durch mich durchsehen wie durch eine Glasscheibe (mit einem aufgeklebten Vogel drauf, aber irgendwie so aufgeklebt, dass man ihn nicht sehen kann und die Leute trotzdem durch mich durch gucken), wenn ignorant unverblümt abweisend ausweichend und sonst wie über mich hinweg gesehen und wenn sich ohne mich über mich lustig gemacht wird, wenn, weil alles so schlimm ist, die Leute mitleidig gucken, so von oben, so: Achje, ach Herjemine, wenn die Luft zum Atmen nicht reicht und schon beim bloßen Hinsehen heiß und stinkig wirkt, wenn kein Land in Sicht ist, das Trinkwasser zur Neige geht und aussieht, als sei es schon mal getrunken worden, wenn der Durst nach Freuen und Fressen mich plagt und die Tage lang und gebraucht sind, wenn der Morgen ein Graus ist und der Abend wie der von gestern und der davor und morgen auch, wenn der Hunger größer ist als der Neid, wenn meine Blicke scheel und blind und schielend werden und nichts zu sehen ist als nichtsiges Nichts und keiniges Garnichts, wenn Dunkelheit da ist und Angst, und wenn hosenscheißermäßige Panik mich überfällt, weil Monatsende ist oder Jahresende oder Geburtstag oder Weihnachten und kein Geld da ist für irgendwas, wenn die Wohnung weg ist und das Auto und der Sinn vom Ganzen auch und sowieso und überhaupt alles irgendwie so voller Unmöglichkeit und Scheiße ist wie niemals zuvor im Leben, dann, ja dann denke ich an John Wayne. Ehrlich. Dann geht’s mir gleich wieder viel besser.
Ach.
Ja, Gisela.
Geht da auch George Clooney?
Ja, der natürlich auch.
Und Robert Redford?
Auch.
Also irgendwie geht da jeder und jede? Auch Angelina Jolie?
Da geht alles, meine Güte. John Wayne ist nur ein Beispiel, jeder hat doch seinen eigenen John Wayne. Du must da auch mal ein bisschen über deinen Schatten springen, Gisela. Ein bisschen Einfühlungsvermögen, ein bisschen Verständnis.
Ach so.
Sag ich doch.
Na, dann nehme ich Barack Obama.
Sehr gute Wahl, Gisela.