Habakuk bläst.

Anfang Februar fing es bei Habakuk aus ihm nicht geläufigen Gründen an zu blasen. Kurze, leise Ausbrüche, bis auf weiteres geruchs- und farblos. Habakuk dachte an die Karottensuppe vom Mittag als Ursache, vielleicht ein welker Salat. Karotten sind bekannt für Wirkungen. So verging die erste Stunde. Habakuk blies noch drei Stunden weiter und ging nach Hause. Er windete den Rest des Tages und die Nacht durch, morgens war er mit seinen Lüften lauter als der Wecker. Zur Arbeit schrieb er eine Mail, er getraute sich nicht, am Telefon den Wind in seinem Rücken erklären zu müssen.

Drei Tage später gab es die ersten Anzeichen von Erschütterungen. Habakuk eruptierte zunächst geräuschlos, als ein Höhepunkt des allseits vorhandenen Blasens sozusagen. Habakuk verzweifelte jedoch nicht, nach wie vor hielt er an der Karottensuppentheorie fest (und an dem welken Salatblatt). Theorien geben bei Ungewissheit Zuversicht.

Nach fünf Tagen sprach Habakuk mit seinem Hausarzt, ob es vielleicht etwas anderes sein könnte. Ein schief gewickelter Darm, eine Komplikation der Niere, ein Schluckauf? Der Arzt hatte noch nie, auch nicht in der einschlägigen Winde-Literatur von einem Schluckauf mit solchen Auswirkungen gehört. Schluckauf geht nach oben, nicht nach unten. Habakuk (von manchen auch schon Habakak gerufen) wies auf seine Kopfstand-Fähigkeiten hin, da wäre dann unten oben und Schluckauf als Erklärung der Lüfte sehr wohl möglich.

Weitere Theorien, Mitte bis Ende Februar, waren die Austreibung eines bösen Geistes, Moby Dick (Da bläst er, der weiße Wal!), ein Wetterphänomen (draußen ein Hoch, drinnen ein Tief), Verdrängung oder der Flügelschlag eines Schmetterlings am Rande von Kuala Lumpur (im Rahmen der Chaostheorie hätten die davon ausgehenden Winde dann Habakuk wie jeden anderen treffen können).

Anfang März gründete Habkuk die erste (freie) Winde- und Lüftegruppe. Er eruptiert noch heute.

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