Im Nachmittagslicht.

Wenn am Anfang des Sommers das Hochhaus von gegenüber im trübgrauen Nachmittagslicht liegt, wünschte ich mir besseres Wetter. Danach kann dann gerne die Welt untergehen. Ich bin übrigens nicht dicker geworden über Winter und Frühling, nur die Luft um mich herum hat sich verändert, so dass meine T-Shirts dem allgemein erhöhten Luftdruck nachgaben und geschrumpft sind. Die T-Shirts von heute besitzen eben nicht mehr die von früher gewohnte Qualität. Mein Gehirn hat sich tatsächlicher Weise in osmotischer Selbstzufriedenheit mit dem des Dackels von nebenan verbunden. Er weiß jetzt mindestens das Doppelte von vorher, ich nur noch die Hälfte.

Ich atmete vor ein paar Nächten heftig ein und aus, weil ich vor Aufregung vergaß, äh, zu atmen. Ich hatte im Traum einen Löwen getötet. Es ist ja nicht so, dass ich grundsätzlich gerne Löwen töte, ich bin eigentlich dermaßen Anti-Löwen-Erlegungsdingenskirchen (und desselbigengleichen auch bei Elefanten und Nashörnern und so), aber der Löwe in meinem Traum wollte mich fressen (und vorher einen meiner Brüder), da bleibt einem, traummäßig gesehen, ja nicht viel übrig. Der Löwe lag mit den Tatzen (oder Tasten?) auf mir drauf, oder anders, ich wurde in eine Ecke eines Löwengehegegebäudes in Hagenbecks Tierpark gedrückt und der Löwe stand aufrecht vor mir mit den Tatzen auf meinen Schultern, Löwenmundgeruch im Gesicht, auf dem Kopf wehende Haarrestchen vom grausam wilden Löwenatem, und wir brüllten (ich brüllte, der Löwe brüllte, einer meiner Brüder brüllte, die anderen Brüder waren nicht da). Da nahm ich den zufällig in meiner Hand gehaltenen Holzpflock (es war ein Traum) und rammte ihn dem Löwen durch Hals, Maul und Mundgeruch ins Löwenhirn. Der Löwe starb lächelnd in meinen Armen. Zur Sicherheit brüllte ich noch ein bisschen weiter und schimpfte über die Situation an sich, die Umstände und unfähige Politiker (das lohnt sich immer).  Am Morgen nach diesem Traum stand ich lächelnd pfeifend und wohlgemut vor dem Badezimmerspiegel und betrachtete wertschätzend den Löwentöter.

Soviel zu diesem vermaledeiten Sommeranfangsnachmittagslicht und dem Hochhaus von gegenüber.